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Bilinguales Konzept in Kita in Kaldenkirchen

Ungewöhnlich: zwei Sprachen in der Kita : Im „Kinderreich“ werden zwei Sprachen gesprochen

In der Kita Kinderreich in Kaldenkirchen hören und sprechen die Kinder nicht nur Deutsch, sondern auch Niederländisch. Das bilinguale Konzept soll unter anderem dazu beitragen, grenzbedingte Barrieren abzubauen.

„Hoeveel dagen of nachten nog tot het Sint Maarten is?”, fragt Susan Gommans von der Kindertagesstätte Kinderreich in Kaldenkirchen die sechs Kinder, die ihr aufmerksam zuhören. Gemeinsam zählen sie: „Een, twee, drie, vier.“ Danach singen alle gemeinsam das deutsche Martinslied „Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind.“ Die Kaldenkirchener Kindertagesstätte ist etwas Besonderes: Dort werden zwei Sprachen genutzt.

„Wir haben neben deutschen Kollegen niederländische Mitarbeiter, die in ihrer Muttersprache mit den Kindern sprechen. Dadurch haben die Kinder die Möglichkeit, sehr natürlich neue Sprachen kennenzulernen“, erklärt Verbundleiterin Christiane Inderhees. Die Kinder hören sich in kurzer Zeit bereits in die Sprache ihres Gegenübers ein. „Sie nähern sich wertfrei und unbefangen der neuen Sprache an.“ Die bilinguale Konzeption wurde 2014 in einer Kinderreich-Kita in Lobberich etabliert, danach in Kaldenkirchen eingeführt. „Im Kreis Viersen gibt es insgesamt fünf Kinderreiche, zwei davon sind bilingual.“

Das Ziel des Trägers Vianobis, der insgesamt zwölf Kitas in NRW betreibt: dass immer mehr ihrer Einrichtungen zweisprachig werden. Die Grenzregion mache das bilinguale Konzept besonders spannend: „Die Zweisprachigkeit ist gerade für die Grenzregion eine wichtige Ressource. Nicht nur für die Kinder: Auch für Mitarbeiter ist die Zusammenarbeit mit niederländischen Kollegen und der Umgang mit der Sprache interessant“, weiß Inderhees.

In der Kindertagesstätte werden lediglich Kinder betreut, die in Deutschland wohnen: „Manche von ihnen haben ein niederländisches Elternteil oder Eltern, die in den Niederlanden arbeiten“, weiß Kita-Leiterin Yvonne Verwijst.

Kinder können zu Beginn
kein Wort Niederländisch

Durch die Zweisprachigkeit möchten die Pädagoginnen grenzbedingte Barrieren abbauen und den Kindern einen leichten Zugang zu neuen Sprachen ermöglichen. „Wir wissen, dass Kinder nie wieder leichter Sprachen lernen als im Alter von null bis sechs Jahren“, betont Inderhees. Die Kinder, die in die Kindertagesstätte kommen, können zu Beginn oftmals kein Wort niederländisch: „Trotzdem reden unsere niederländischen Mitarbeiter konsequent in ihrer Muttersprache. Nach wenigen Wochen hat das Kind schon einen Zugang zu der Sprache gefunden.

Dabei hilft auch die Beziehungs- und Bewegungsebene, die das Lernen unterstützt“, erklärt die Verbundleiterin. Durch Bilingualität bekommen die Kinder ein Fundament vermittelt. Sie lernen, hemmungsloser neuen Sprachen gegenüber eingestellt zu sein: „Hier im Kinderreich wird die Sprache nicht bewertet oder beurteilt. Dadurch entwickelt sich ein positives Gefühl gegenüber neuen Sprachen.“

Rund 70 Kinder werden in der Einrichtung in Kaldenkirchen, die einer pädagogischen Ausrichtung nach Maria Montessori folgt, betreut. „Kinder brauchen gar nicht das Gefühl, eine Sprache lernen zu müssen. Alltagsbegegnungen reichen aus, damit sich das Kind mit der neuen Sprache auseinandersetzt“, erklärt Verwijst. Im Kita-Alltag ist es so, dass die niederländischen Pädagoginnen nur auf niederländisch mit den Kindern kommunizieren, diese antworten ihnen größtenteils auf Deutsch. Untereinander sprechen die Kinder in der Regel auch in ihrer Muttersprache.

Ein weiterer Vorteil des bilingualen Konzepts: „Auch weitere kulturelle Aspekte fließen mit in den Alltag der Kinder ein. Dadurch wird die Offenheit gegenüber anderen Kulturen gefördert“, weiß Inderhees. Durch die Bilingualität konnten bereits viele Freundschaften und Begegnungen über die Grenze hinaus entstehen. Hat die Zweisprachigkeit in der Kita auch Nachteile? „Höchstens, dass Kinder ihren Eltern zu Hause mal auf niederländisch antworten.“