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Ausstellung zu "Baumgestalten am Niederrhein" bis 14. Juni in Nettetal-Hinsbeck

Ausstellung in Hinsbeck : Ausstellung widmet sich den „Baumgestalten am Niederrhein“

Kopfweiden, Rotbuchen und Streuobst sind typisch für die Landschaft.

Ihre Zahl schwindet: Von ehemals knapp 5000 Kopfweiden in Nettetal sind nur noch rund 3500 erhalten. Für diese im Kopfbaumkataster der Biologischen Station Krickenbecker Seen gelisteten Gehölze haben die Biologen einen Pflegeplan erstellt: „Kopfbaumweiden sind nicht nur prägend für unsere niederrheinische Kulturlandschaft, sie sind auch Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen“, erklärte Ansgar Reichmann, Chef der Biologischen Station. Aufschluss über die Bedeutung dieser und anderer Bäume für Nettetal und Umgebung gibt die neue Ausstellung im Infozentrum Krickenbecker Seen.

„Geschneitelt, gelemmt und auf den Stock gesetzt“, heißt die Ausstellung über „Baumgestalten am Niederrhein“. Isabelle Lorenz vom Infozentrum, die die Schau mit 20 Infotafeln mit großformatigen Fotos und etlichen Exponaten, Teilen eines Weidenstammes etwa, zusammenstellte: „Auch Rotbuchen und Streuobstbäume sind typisch für die Region, auch wenn sie leider heute keine so große Rolle mehr spielen.“

Bongerte, wie Streuobstwiesen am Niederrhein heißen, mit hochstämmigen Obstbäumen, ob Äpfel, Birnen oder Pflaumen, unter denen das Vieh weiden konnte, wichen vielerorts industrialisierten Obstplantagen, die Gehölze künstlich aufgepeppt und chemisch behandelt. „Das alles ging zu Lasten der Artenvielfalt“, bedauert Reichmann. Jeder Bongert werde heute kartiert, sollte möglichst erhalten bleiben.

Einige Äste wurden als
Stecklinge verwendet

Auch Rotbuchen kennzeichneten als Kopfbäume die Kulturlandschaft, noch gut zu sehen in Hinsbeck und auf den Süchtelner Höhen, wo einst die Bäume durch verschiedene Methoden „auf den Stock gesetzt“ wurden: Ein Baum wurde regelmäßig bis auf wenige weiter wachsende Äste gekappt, das Schnittholz verwertet. Einige Äste wurden als Stecklinge verwendet: „Lemmen zum Beispiel bedeutet, einen Ast vom Baum zum Boden zu biegen und zu befestigen, dort schlug er Wurzeln, ein neuer Bum wuchs heran, die Altbäume wurden zu knorrigen Baumgestalten“, erläutert Lorenz.

Knorrig sind oft auch die Kopfweiden; sie zu „schneiteln“ bedeutet, sie jährlich zu kappen, um die Äste und Triebe wiederzuverwerten, früher gehäckselt als Tierfutter. In und an Kopfweiden, in Baumhöhlen und unter der Rinde, leben Tiere wie Steinkauz und Specht, Vögel und Bilche, Spinnen und Insekten, oben wachsen oft noch so genannte Aufsitzerpflanzen. Dazu Lorenz: „Mit der Ausstellung wollen wir unter anderem zeigen: Unsere Kopfweiden zu erhalten und pflegen, bedeutet auch, dem Artensterben entgegenzuwirken.“ Die Ausstellung ist bis zum 14. Juni zu den Öffnungszeiten des Infozentrums zu besichtigen, Eintritt frei, Infos unter:

www.bsks.de