Auf der Sequoiafarm in Nettetal-Kaldenkirchen wachsen Mammutbäume

Heimatserie : Im Grenzwald wachsen Bäume in den Himmel

Auf der knapp 3,5 Hektar großen Sequoiafarm in Kaldenkirchen gedeihen Urzeitbäume.

Seine Ansprüche waren das Erste, von dem sich Michael Geller für seine neue Tätigkeit trennen musste. Nach seiner Ankunft auf der Sequoiafarm in Kaldenkirchen riss er Brombeersträucher aus der Erde, einen nach dem anderen, auf gut 300 Quadratmeter Fläche hatten sie sich ausgebreitet. Das war im Dezember 2012, es lag Schnee, Regen nieselte auf Geller hinab. „Ich wollte alles perfekt haben“, erinnert sich der heute 52-Jährige. An diesem sonnigen Vormittag im April steht er zwischen Bäumen, eine Hand an der Hüfte, der Blick geht nach oben zu den Baumkronen. „Dann merkst du, dass das gar nicht notwendig ist und lernst irgendwann, was die Pflanzen tatsächlich brauchen“, sagt er.

Geller ist Verwalter der Sequoiafarm im Grenzwald. Auf dem Gelände des gleichnamigen gemeinnützigen Vereins lebt und arbeitet er – ganzjährig, auch wenn die Sequoiafarm nur zwischen April und Oktober für Besucher geöffnet ist. Auf der insgesamt knapp 3,5 Hektar großen Fläche wächst allerhand, am herausragendsten aber sind die Mammutbäume (Sequoias). Die ersten von ihnen wurden Anfang der 1950er-Jahre gepflanzt, heute reichen ihre Spitzen fast 40 Meter hoch. Dass Geller diese Baumgattung einmal pflegen würde, zeichnete sich in seinem Werdegang zunächst nicht unbedingt ab: Er war Artdirector in Köln, bevor es ihn irgendwann raus in die Natur zog.

Die Zapfen der Kaldenkirchener Mammutbäume. Foto: Emily Senf

Finanziert wird die Sequoiafarm über Mitgliedsbeiträge

Die Wollemie ist eine der seltensten Baumarten der Erde. Foto: Emily Senf

Die Geschichte der Sequoiafarm beginnt nach einem verheerenden Brand, bei dem 1947 weite Teile des Grenzwalds zerstört wurden. Das Zahnarztehepaar Ernst und Illa Martin setzte sich für eine Wiederaufforstung ein. Statt der Kiefernmonokultur lockerten sie das Gelände durch Roteichenbestände auf, legten Windschutzalleen aus Birke, Ahorn, Mährischer Eberesche, Robinien, Linden und Edelkastanien an. Mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft begannen die Martins zudem ein Experiment: Sie wollten feststellen, ob der Riesen- oder Bergmammutbaum (Sequoiadendron giganteum) für die deutsche Forstwirtschaft geeignet wäre. 1950 bekamen sie Samen aus Kalifornien. Heute befinden sich dort Bergmammutbäume, ein Hain von Küstenmammutbäumen, Urweltmammutbäume und rund 400 andere seltene Gehölze.

In diesem Häuschen auf dem Gelände wohnt Michael Geller. Foto: Emily Senf

Was Pflanzen und Bäumen zu schaffen machte, war die Trockenheit im Sommer 2018. „Die Brunnenpumpe kommt nicht überall hin“, so Geller. „Zwei solch trockene Sommer hintereinander wären schwierig.“ Finanziert wird die Farm hauptsächlich über Mitgliedsbeiträge des Vereins. „Das funktioniert“, sagt Geller. Er selbst verdiene nicht viel, genug zum Leben, aber er schätzt das Gelände als Rückzugsort. Es gibt keinen Handyempfang, das Haustelefon funktioniert nur an manchen Stellen. Er blickt sich um: „So etwas wünscht sich jeder.“

Das Mammutblatt beginnt nach dem Winter wieder zu wachsen. Foto: Emily Senf
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