Architekt René Maronn sanierte das Haus an der Kehrstraße 65 in Nettetal-Kaldenkirchen

Kaldenkirchen : Frischer Wind im 200 Jahre alten Haus

Der Architekt René Maronn hat das Baudenkmal an der Kehrstraße saniert. Zur Premiere gab es eine Kunstausstellung.

„Maronn Architektur“ steht schon seit zwei Wochen auf der Fassade des Hauses Kehrstraße 65 in Kaldenkirchen, doch erst in diesen Tagen richtet der bisher in Lobberich beheimatete Architekt René Maronn sein Büro ein. Denn bis zum 14. Juli war in den Räumen der ehemaligen Deutschen-Bank-Filiale eine Kunstausstellung innerhalb der zweiten Kaldenkirchener Kulturwoche „Grenzgold“ zu sehen. Marile Heinen, Nicole Terstappen und Sigi Nootz stellten dort Skulpturen, Wandobjekte, Bilder und Collagen aus. Zur Eröffnung kam „halb Kaldenkirchen“, sodass Maronn sich gut vorstellen kann, „auch künftig hier Ausstellungen zu veranstalten“.

„Ich fühle mich hier schon richtig wohl“, sagt der gebürtige Breyeller, der sich nach dem Studium in Aachen und England sowie einigen Jahren in Architekturbüros selbstständig machte und vor zwei Jahren in Lobberich niederließ. Da die Büroräume an der Hochstraße 47 nicht mehr ausreichten, hielt er Ausschau nach einem neuen Standort. Dabei kam ihm ein Tipp seines Hausnachbarn Arndt Guntermann zugute, dessen Bruder auf die leer stehenden Räume an der Kehrstraße aufmerksam machte. Guntermann ist seit 2010 als Kieferchirurg in Venlo tätig und hat dort seit zwei Jahren eine eigene Praxis. Aus dem Tippgeber wurde ein Kompagnon, denn Maronn und Guntermann kauften das Haus Kehrstraße 65, in dem auch Optik Volpp schon seit 2001 als Teilmieter ansässig ist. Das Obergeschoss und die Räume unterm Dach haben drei Studenten-Wohngemeinschaften gemietet.

Drei Jahre lang stand
das Gebäude komplett leer

Das in seinen Grundfesten rund 200 Jahre alte Gebäude wieder in Schuss zu bringen, „war ein ordentliches Stück Arbeit“, erzählt Maronn. So wurden das Eichenholz im Dachgeschoss ertüchtigt und die Dachziegel erneuert. Die Fassade erhielt einen neuen Anstrich, aber erst nachdem viele Farbschichten aus zwei Jahrhunderten entfernt wurden. Gearbeitet wurde bis 24 Stunden vor der Ausstellungseröffnung – dann erst verschwand das Gerüst samt Plane, die das Gebäude monatelang verdeckten. Noch ist nicht alles fertig: Die Klebebänder müssen noch entfernt werden, der Sockel wartet noch auf neue Farbe. „Aber innen haben die Handwerker trotz des verkürzten Zeitplans alles geschafft“, sagt Maronn zufrieden.

Das Haus atmet Geschichte. Ob es von dem Seifensiederei-Besitzer Gerhard Heinrich von der Kuhlen errichtet wurde, ist nicht überliefert, doch wird er 1795 als Eigentümer genannt, 1824 seine Witwe. Dem Nachfahren Friedrich Hermann von der Kuhlen wurden 1910 die Ehrenbürgerrechte der Stadt Kaldenkirchen zuerkannt. Nach seinem Tod 1913 ging das Haus in den Besitz der Familie Boussellot über, die bis dahin eine Restauration in einem Haus an der Ecke Kehrstraße/Gartenstraße (neben dem Bürgerhaus) betrieben hatte. Das „Haus Boussellot“ mit kleinem Saal und Gartenwirtschaft war bis Ende der 1960er-Jahre Schauplatz vieler Vereinsfeiern und Tanzveranstaltungen. „In den 50er- und 60er-Jahren lernte Kaldenkirchens Jugend bei Boussellot das Tanzen“, schreibt Gregor Herter im Bildband „Gruß aus Kaldenkirchen“. Danach hatten dann die Deutsche Bank und die Versicherungsagentur Alfken dort ihre Geschäftsräume.

Für sein Büro will der Architekt Maronn nur die von der Kehrstraße zugänglichen Räume nutzen. Im flachen Anbau mit großer Lichtkuppel kann er sich noch die Praxis eines Physiotherapeuten vorstellen. „Interessenten sind schon da, wir sprechen miteinander“, sagt er und ist froh, dass nach drei Jahren Leerstand wieder Leben in allen Teilen des Gebäudes herrscht.

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