Kaldenkirchen: Alleinstehende Mutter stemmt Ausbildung

Kaldenkirchen : Alleinstehende Mutter stemmt Ausbildung

Die Nigerianerin Helen Iyore Winkels arbeitet bei einem Ambulanten Pflegedienst.

Im Jobcenter Kreis Viersen beziehen 1950 Alleinerziehende, in der Regel Frauen, Unterstützungsleistungen zum Lebensunterhalt. Franz-Josef Schmitz, Geschäftsführer des Jobcenters, nennt das eine „Riesenzahl“, und er will das ändern. Im Jahr 2018 gelang es, 380 Alleinerziehende wieder in Arbeit zu bringen.

Eine dieser Frauen ist Helen Lyore Winkels, die im Kaldenkirchener Unternehmen Ambulante Pflege Renate Neynens eine Ausbildung zur Altenpflegehelferin absolviert. Und schon im ersten Jahr ist die Chefin mit ihr so zufrieden, dass sie ihre Mitarbeiterin gerne klonen würde.

Das Jobcenter hat gerade diese Frau als leuchtendes Beispiel ausgewählt, weil sie beweist, dass man es mit Energie und Kraft schaffen kann. Die heute 39-jährige Frau aus Nigeria kam 2002 nach Deutschland. Die ersten Jahre arbeitete sie als Küchenhelferin. Dann absolvierte sie im Marienheim, einem Altenpflegeheim in Hinsbeck, ein einmonatiges Praktikum. Danach war ihr klar, dass sie in diesem Bereich arbeiten möchte. Sie begann im Brachter Seniorenheim St. Franziskus. Von ihrer dreijährigen Ausbildung hat sie jetzt bereits ein Jahr geschafft – und das alles mit zwei Kindern im Alter von zwölf und zwei Jahren. Das ältere geht in die Schule, das jüngere in den Kindergarten.

Wenn Helen Lyore Winkels davon erzählt, dann glaubt man ihr aufs Wort, dass sie ihren Traumjob gefunden hat. Gleichzeitig wird deutlich, wieviel eisernen Willen und Power diese junge Frau aufgebracht hat, um sich in Deutschland ein neues Leben aufzubauen und sich gleichzeitig um zwei Kinder zu kümmern. Mit einem kleinen Auto meistert sie ihren Alltag, etwa zur Berufsschule in Viersen oder die Kleine in den Kindergarten zu fahren. Vorher ging es nur mit einer Tagesmutter. Winkels hat anfangs alles alleine organisiert, hat Sprachkurse belegt und im Internet recherchiert. Anfang Januar 2018 machte sie sich ins Jobcenter auf, wo sie Unterstützung für ihren Weg fand.

Auch der Arbeitgeber muss
bereit sein, neue Wege zu gehen

Bei diesem Vorzeigefall hat einfach alles geklappt, Denn auch der Arbeitgeber muss bereit sein, flexibel zu reagieren und neue Wege zu gehen. Die ambulante Pflege von Renate Neynens in Kaldenkirchen ist offen und empathisch. Für die Menschen, die man besucht und pflegt, brauche man viel Empathie. Und die müsse man auch im Umgang mit den Mitarbeitern haben.

Renate Neynens war früher Gemeindeschwester, bis sie sich 1996 selbstständig machte. Heute hat ihr ambulanter Pflegedienst 26 Mitarbeiterinnen, die mehr als 130 Patienten und Klienten betreuen. Dazu zählen auch pflegebedürftige Kinder, das Gros ist aber zwischen 50 und 100 Jahre alt. Die älteste Klientin ist in der Tat genau 100 Jahre alt.

Nicht alle Alleinerziehende oder Langzeit-Arbeitslose sind so schnell zu integrieren wie Helen Iyore Winkels. Im Jobcenter kümmert sich Tanja Gruber um Wiedereinstieg und Chancengleichheit. Eine Umschulung finanziell zu unterstützen, ist das Eine. Dazu kommt eine intensive Beratung bei der Berufsorientierung. Ein wichtiger Baustein der Arbeit im Jobcenter wird immer mehr das Sozialcoaching. Damit ist eine Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt mit einem strukturierten Tagesablauf gemeint, aber auch ein positives Ermutigen.

Wer lange nicht mehr gearbeitet habe, verliere sein Selbstbewusstsein oder auch das Wissen um das eigene Potenzial. Im Berufsleben werde zusammen mit den Arbeitskollegen das Selbstwertgefühl gestärkt, berichtet Tanja Gruber über ihre Erfahrungen. hb

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