Krankenhäuser sind überlastet

Krankenhäuser sind überlastet

Das Ausmaß der Grippewelle bringt die Einrichtungen in Nettetal und Viersen in Schwierigkeiten.

Kreis Viersen. „Die seit Dezember andauernde Grippewelle bringt viele Krankenhäuser in NRW an ihre Kapazitätsgrenze“, sagt Jochen Brink, Präsident der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen. Auch vor den Krankenhäusern in Viersen und Nettetal macht sie keinen Halt. Im AKH in Viersen sorgen nicht nur die vielen Patienten für hohe Belastungen. Das Personal ist ebenfalls stark von Krankheiten betroffen. „Wir gehen auf dem Zahnfleisch“, sagt Thomas Axer, Geschäftsführer des AKH in Viersen. Das Haus sei voll und mittlerweile fast alles belegt. Die Mitarbeiter müssten über das normale Maß hinaus arbeiten und Überstunden machen. Manche Grippepatienten müssten zusätzlich isoliert werden und alleine in einem Zimmer untergebracht werden, in dem eigentlich Platz für zwei Patienten wäre. Das bringe einen zusätzlichen Platzmangel mit sich und reduziere die Bettenkapazität.

Weiterhin müssten die Ärzte und Pfleger bei diesen Patienten besondere Vorsichtsmaßnahmen treffen, wie beispielsweise Schutzkleidung tragen. Das wäre zusätzlich sehr zeitaufwendig. „Das kalte Wetter begünstigt natürlich diese Erkrankungen, da sich die Gefäße zusammenziehen. Das gilt auch für andere Fälle, wie zum Beispiel Herzinfarkte“, sagt Kim-Holger Kreft, ebenfalls Geschäftsführer des AKH in Viersen. Das Krankenhaus sucht jetzt nach pragmatischen Lösungen. „Wir haben vor, Mitarbeiter aus dem Verwaltungsbereich, die eine Pflegeausbildung haben, aber nicht mehr in der Pflege tätig sind, wieder einzusetzen“, erklärt Thomas Axer. Erst kürzlich wurde ein Schreiben an die Mitarbeiter verschickt, in dem dieses Problem angesprochen und erläutert wurde.

Auch im St. Irmgardis in Süchteln sei das Haus voll mit Grippepatienten. Sigrid Baum, Pressesprecherin des St. Irmgardis, betont aber, dass keine Station oder Abteilung geschlossen wäre. „Wir sind immer noch einsatzfähig“, sagt sie. Die Mitarbeiter seien hoch engagiert und motiviert. Isolation oder Quarantäne sei bei Grippepatienten nicht vorgesehen.

In Nettetal ist die Situation ähnlich. Es mussten zwar auch hier keine Stationen geschlossen werden, aber das liege nur daran, dass alle Mitarbeiter engagiert helfen würden, sagt Jörg Schneider, Geschäftsführer des Städtischen Krankenhauses in Lobberich. „Wir sind teilweise schon über der Belastungsgrenze“, sagt Schneider. In den Stationen sei beinahe schon alles belegt. Wie auch in den anderen Krankenhäusern, erkranken zusätzlich viele Mitarbeiter. Das muss durch hohes Engagement und Überstunden ausgeglichen werden. „Wir stehen auf der Kante“, sagt Schneider. Die Situation bereite dem Krankenhaus auf Dauer große Probleme. Das Robert-Koch-Institut bestätigt, dass die Zahl der Grippefälle ungewöhnlich hoch sei und vielen Krankenhäusern Sorgen bereite. Die Aktivität der akuten Atemwegserkrankungen sei in der achten Kalenderwoche 2018 bundesweit nochmals gestiegen.

Die Krankenhausgesellschaft NRW kritisiert deshalb den geforderten Kapazitätsabbau in der Krankenhauslandschaft. Das Krankenhaus trage Verantwortung für die bestmögliche medizinische Versorgung. Das gelte auch bei unvorhergesehen schweren Ereignissen, wie einer stetig zunehmenden Grippewelle. Der Kapazitätsabbau sei somit ein falsches Signal an die Bevölkerung, warnt der Präsident der Krankenhausgesellschaft NRW. Zwischen 2006 und 2016 habe sich die Zahl der Kliniken in NRW schon von 437 auf 348 reduziert. Die Zahl der stationär behandelten Patienten sei dagegen gestiegen.