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Kräuterfrau mit Doktortitel

Kräuterfrau mit Doktortitel

Erika Hanhsen hilft Patienten mit Heilpflanzen aus der Naturapotheke.

Niederrhein. Verlegen lächelt der ältere Herr: „Ich brauch wat Jutes fürn Magen“, sagt er leise und klopft auf seinen leicht gewölbten Bauch. „Haben Sie Blähungen?“; will Erika Hanhsen hinter der Theke wissen. Der Mann ist irritiert, Fragen nach seiner Verdauung, seinen Essgewohnheiten scheinen ihm peinlich. Doch die sanfte Stimme, das gewinnende Lächeln der Expertin lassen ihn auftauen, schließlich erzählt er offen von seinen Beschwerden — und geht mit einer Kräutermischung wieder nach Hause. „Ich muss genau über einen Menschen Bescheid wissen“, meint Erika Hanhsen, „vor allem, ob ich ihm helfen kann oder ob ich ihn besser zum Arzt schicke.“

Der Kräuterladen von Erika Hanhsen in Nettetal ist eine Art Naturapotheke. Hunderte Dosen, dutzende Tüten mit Heilpflanzen, Tees und Kräutern stehen in Regalen, dazu Salben sowie Pillen. Die Kräuterfrau hat all ihre Namen und Nummern im Kopf — und natürlich ihre Wirkungsweise. Berühmt ist vor allem Tellus, ihre patentierte Mischung zur Stärkung des Immunsystems. Sie wird häufig angewandt bei Krebspatienten, vor allem während der Chemotherapie: „Tellus gehört in manchen Kliniken zum Standard“, verrät Erika Hanhsen.

Zum Erzählen kommt sie kaum, das Telefon steht nicht still. Ein Arzt aus Düsseldorf, eine Klinik aus Berlin, eine Patientin aus Bottrop — alle bestellen sie bei Erika Hanhsen Kräutermischungen. „Ich verschicke in die ganze Welt“, sagt die freundliche Frau mit dem rötlichen Haar.

Kunden geben sich im Kräuterhaus in Nettetal-Kaldenkirchen die Klinke in die Hand, suchen Rat und Hilfe. Was die wenigsten wissen: Erika Hanhsen wurde in Amerika mit dem Ehrendoktor-Titel für ihre Forschungen und Erfolge in alternativer Medizin ausgezeichnet.

Viele Jahre engagierte sich die Kräuterfrau in der Kinderkrebshilfe, ihre Vorträge, Beratungen und Seminare über alternative Heilmethoden waren gefragt. „Aber schließlich wurde mir doch alles zu viel“, sagt die 61-Jährige. Sie konzentriert sich nun auf ihr Kräuterhaus — und arbeitet nebenbei an ihrem neuen Buch über „Heilpflanzen — Kräutermischungen für den täglichen Gebrauch“.

Meistens werden die Mischungen als Tee getrunken. „Sie eignen sich also prima in der einfachen Anwendung für jeden.“ Dabei schwört Erika Hanhsen nicht auf ihre Kräuter als Allheilmittel: „Es kommt immer auf die Ursache von Beschwerden, von Krankheiten an, manchmal kann nur der Arzt helfen.“ Sinnvoll sei meist die Zusammenarbeit von herkömmlicher Medizin und Heilkunde: „Darum schicken manche Ärzte ihre Patienten zusätzlich zu mir.“ Andere kommen von alleine — auch wenn sie nur „wat Jutes fürn Magen“ brauchen.