Klaus Ossmann verabschiedet sich in den Ruhestand

Klaus Ossmann verabschiedet sich in den Ruhestand

Der Dienst des Nettetaler Ordnungsamtsleiters endet zum Jahresende.

Nettetal. „Wenn man Kinder aus einer Familie holen muss, weil die Eltern betrunken oder mit der Erziehung überfordert sind, geht das einem schon nahe“, sagt Klaus Ossmann. Er atmet tief durch und lächelt dann: „Aber damit ist ja jetzt Schluss.“ Denn der Leiter des Nettetaler Ordnungsamts geht zum Jahresende in den Ruhestand. Bis dahin genießt er seinen Resturlaub.

Kontrollen, Knöllchen und Konzepte prägten seit 2006 den Arbeitsalltag des Kaldenkircheners. Damals übernahm er die Leitung des Ordnungsamts. Geruhsam war sein Job nie: „Die Loveparade hat vieles verändert“, nennt der Verwaltungsinspektor als Beispiel. Seit der Katastrophe in Duisburg 2010 mit 21 Toten habe eine seiner Hauptaufgabe darin bestanden, Sicherheitskonzepte für Veranstaltungen aller Art mit zu entwickeln.

Auch der Terroranschlag beim Berliner Weihnachtsmarkt 2016 hat sich auf seine Arbeit ausgewirkt: „Wir haben in diesem Jahr um die Weihnachtsmärkte in Nettetal Fahrzeuge platziert und so die Zufahrten blockiert“, berichtet Ossmann.

Der 65-Jährige, der in Kevelaer-Twisteden geboren wurde, erzählt von seiner Laufbahn, die beim Landesarbeitsamt begann, von wo er 1980 zur Stadtverwaltung Nettetal wechselte. Ossmann spricht ruhig, wirkt besonnen: „Im Laufe der Jahre wird man gelassener.“ Muss man wohl auch, wenn man Verantwortung hat für verschiedene Aufgabenbereiche und oft mit Polizei und Feuerwehr zusammenarbeitet. So ist das Ordnungsamt beispielsweise zuständig für Jugendschutz und Gaststättenkonzessionen, Verkehrsschilder und Gefahrenabwehr. Auch die Rettungswache gehört dazu.

Bis er 60 wurde war der Beamte mit im Bereitschaftsdienst aktiv, nicht nur zu Karneval und Silvester: „Manchmal musste man dreimal in einer Nacht raus, auch wegen Lappalien, etwa wenn Leute, die am Abend vorher einen einsamen Hund aufgegriffen hatten, erst um drei Uhr anrufen.“ Auch an die Nieren ging manch ein Einsatz. Er sei zu einer Wohnung gerufen worden, weil dort etwas nicht stimmte: „Da fanden wir einen Toten, der wohl schon länger da lag.“

Was Ossmann zu schaffen machte, waren Beschimpfungen von Bürgern, die etwa mit der Ahndung bei Verstößen nicht einverstanden waren: „Insgesamt stelle ich in den vergangenen Jahren eine zunehmende Respektlosigkeit sogar gegenüber Rettungskräften und eine nachlassende Gesprächsbereitschaft fest“, sagt er. Wer sich beispielsweise über seinen Nachbarn ärgere, der verbotenerweise den Motor beim Eiskratzen laufen lasse, der solle doch erst einmal mit ihm reden. „Wenn das nichts bringt, dann kann man das Ordnungsamt rufen.“

Künftig will sich der Familienvater mehr „Enkel, Radtouren und natürlich Eisenbahnen“ widmen. Seine Modelleisenbahn etwa plant er zu reaktivieren.

Bei Bedarf aber werde er Kontakt zu den Kollegen aufnehmen: „Wenn ich etwa ein umgekipptes Verkehrsschild sehe, rufe ich natürlich im Ordnungsamt an.“

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