Kiosk-Überfall: Mit Gummibärchen in die Flucht geschlagen

Kiosk-Überfall: Mit Gummibärchen in die Flucht geschlagen

Maskierte überfielen einen Kiosk in Schwalmtal. Besitzer Hasan Keser wehrte sich mit Süßigkeiten und einer Kiste Bier.

Schwalmtal. Nachgedacht habe er keinen Moment, sagt Hasan Keser (49), Kioskbesitzer im Schwalmtaler Ortsteil Amern. „Ich wollte, dass die Angst vor mir kriegen und ich keine vor ihnen haben muss.“

Es ist Sonntagabend gegen 22.50 Uhr: Keser will gerade die Kasse im Kiosk abrechnen, um 23 Uhr will er schließen, wie jeden Abend. Da geht die Tür noch einmal auf, zwei Männer kommen herein.

Sie sind mit Sturmhauben maskiert. Einer bleibt an der Tür stehen, der andere geht auf Keser zu und hebt eine schwarze Pistole an dessen Gesicht. „Er hat dann was gesagt, was ich nicht verstanden habe“, erzählt der Überfallene. „Ich vermute aber, dass es ‚Geld her’ heißen sollte.“

Aber Keser will sein sauer verdientes Geld nicht einfach abgeben. Mit der Hand schlägt er die Waffe weg. „Dann wollte ich ihm einen Kopfstoß verpassen, aber da war ja die Theke zwischen uns“, sagt er. Keser greift sich einige der Dosen, in denen sich die unverpackten Süßigkeiten wie Gummibärchen befinden, und wirft sie dem Täter ins Gesicht.

Inzwischen steht auch er neben der Theke. Als der Räuber immer noch nicht geht, packt sich der 49-Jährige einen Bierkasten mit leeren Flaschen und schleudert ihn in Richtung des Mannes, der sich nun doch umdreht, um zu flüchten. Der Kasten trifft ihn im Kreuz. Durch das entstandene Chaos — überall liegen Zigaretten, Schokolade und die zerbrochenen Süßigkeitendosen samt Inhalt, die Bierflaschen bersten — flüchten die Räuber.

Keser nimmt die Verfolgung auf. In dem Moment kommt seine Frau in den Verkaufsraum. Das Schlafzimmer der beiden liegt direkt nebenan, und sie war durch den Lärm wachgeworden. Mit einem Einbruch hatte sie gerechnet, denn schon häufiger hatten ungebetene Gäste den Kiosk nachts heimgesucht und sich an der Hintertür zu schaffen gemacht. „Die Alarmanlage hatte aber bisher alle vertrieben“, sagt der Kioskbesitzer.

Als Keser nach der vergeblichen Verfolgung in den Kiosk zurückkehrt, ist seine Frau überglücklich. „Sie war so froh, dass ich noch lebe“, sagt er. Auch seine Tochter, die im Obergeschoss des Hauses wohnt, umarmt ihren Vater immer wieder. „Sie hat gesagt: Du bist verrückt, Papa“, erzählt er.

Die Polizei spricht vom „beherzten Verhalten“ des Amerners, warnt aber gleichzeitig vor Nachahmung (siehe Kasten). Gestern war der Kiosk schon wieder aufgeräumt. Nur die Dosen sind noch leer, denn die Süßigkeiten konnten nicht mehr verwendet werden. Insgesamt schätzt das Opfer den Schaden auf etwa 2000 Euro.

Mehr von Westdeutsche Zeitung