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Kindesmissbrauch: Tatort in Nettetal?

Kindesmissbrauch: Tatort in Nettetal?

Der festgenommene Viersener lebte mehrere Jahre in Nettetal. Nachbarin erinnert sich.

Kreis Viersen/Mönchengladbach. Gestern Mittag um 13.30 Uhr wurde der 45-jährige Familienvater aus dem Polizeigewahrsam ins Amtsgericht Mönchengladbach überstellt. Dort verkündete ihm der Ermittlungsrichter den Haftbefehl, anschließend ordnete er Untersuchungshaft an. Zuvor hatte der Viersener, gegen den das Bundeskriminalamt wegen schweren sexuellen Missbrauchs und der Anfertigung pornografischer Schriften per Öffentlichkeitsfahndung ermittelt hatte, der Polizei die Namen von zwei mutmaßlichen Opfern preisgegeben.

Die beiden Jungen, sechs und zwölf Jahre alt, werden derzeit psychologisch betreut. Es soll sich bei ihnen um die Söhne einer Bekannten des mutmaßlichen Sexualstraftäters handeln. Mindestens von 2014 bis 2016 soll er sich an den Kindern vergangen haben. Die Ermittler sind sich sicher, dass sie ihm zwölf Taten nachweisen können, schließen aber weitere Taten nicht aus.

Auf Anraten seines Anwaltes habe der Tatverdächtige dann aber keine weiteren Angaben gemacht, erklärte Stefan Lingens, Sprecher der Staatsanwaltschaft: „Hinsichtlich eines dritten mutmaßlichen Opfers hat er die Angaben des Namens verweigert.“ Der Generalstaatsanwalt in Frankfurt, bei dem auch die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität in Gießen angesiedelt ist, gab das Verfahren gestern an die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach ab.

Per Öffentlichkeitsfahndung waren die Ermittler dem Tatverdächtigen am Montag auf die Spur gekommen. Auf den veröffentlichten Fotos erkannte ein Arbeitskollege ihn und informierte die Polizei.

Aus dem in Gießen ausgestellten Haftbefehl ergibt sich, dass der Viersener die Kinder in mehreren Wohnungen missbraucht haben könnte. So sollen sie in einem Wohnhaus in Nettetal missbraucht worden sein, in dem der Beschuldigte über einen Zeitraum von fünf Jahren wohnte.

„Er hat die beiden Jungen als seine eigenen Kinder ausgegeben“, berichtete gestern eine Nachbarin: „Wir haben uns deshalb nie Gedanken darüber gemacht, die gingen hier häufig ein und aus.“ Sie wohnte Tür an Tür mit dem 45-Jährigen. „Ich habe nie etwas mitbekommen. Dabei sind die Wände hier im Haus sehr dünn.“ Die Polizei befragte gestern die frühere Nachbarin. „Die beiden Jungen habe ich auf den Bildern wiedererkannt“, sagte sie. Es sei ein merkwürdiges Gefühl: „Der Mann war immer höflich und hilfsbereit.“