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Zukunftsforscher Reiter über die neue Niederrhein-Marke

Eine Marke für die Region : Sach mal, wat is’ denn eijentlisch der Niederrhein?

Im Kempener TZN ging es darum, wie Unternehmen von der neuen touristischen Marke der Region profitieren können. Zukunftsforscher Andreas Reiter aus Wien stellte seine Ideen vor.

Welche Städte und Kreise gehören denn überhaupt zum Niederrhein? Wo fängt er an? Wo hört er auf? Oder ganz „Platt“ gesprochen: Sach mal, wat is’ denn eijentlisch der Niederrhein? Am Ende eines spannenden Vortragsabends rund um den neu entwickelten Markenkern der Niederrhein Tourismus GmbH ging es um die Herausforderung, der sich Geschäftsführerin Martina Baumgärtner und ihr Team stellen müssen: dieser so weitläufigen und abwechslungsreichen Region eine Identität geben. Zumindest mit den Kreisen Viersen, Wesel, Kleve und Heinsberg – den Gesellschaftern der GmbH – im Rücken ist Baumgärtner nun auf dem Weg die Marke „Niederrhein. So gut. So weit.“ touristisch in höhere Sphären zu befördern.

Wichtige Frage: Welche Erzählung geben wir (von) uns?

Über die Entwicklung dieser touristischen Marke und einen möglichen Gewinn für die Wirtschaftsunternehmen der Region sprach am Dienstagabend der Wiener Zukunftsforscher Andreas Reiter beim Forum Mittelstand im Kempener Technologie- und Gründerzentrum Niederrhein (TZN). Reiter hat die Entwicklung des neuen Markenkerns der Tourismus GmbH begleitet. Und im TZN wurde den Besuchern anhand des erfrischenden Vortrags des Österreichers klar: Der Mann ist eine Marke.

Reiter erläuterte, dass es bei der Suche nach einer Niederrhein-Marke im Kern um die Klärung einiger Fragen ging: Wie ist die DNA des Niederrheins? Wofür wollen wir bekannt sein? Welches ist unsere Spitzenleistung? Welches Lebensgefühl wollen wir vermitteln? Oder zusammengefasst: Welche Erzählung geben wir (von) uns? In diesem Prozess habe er mit dem Team von Martina Baumgärtner diese Erzählung auf zehn Attribute zugespitzt: Der Niederrhein(er) sei zupackend, verlässlich, offen, umkompliziert, gepflegt, natürlich, aktiv, kreativ und gesellig. Geht es nach den Vorstellungen der Niederrhein Tourismus GmbH ist die Region ein „Freiraum mittendrin“ - eine Region mit „Kultur in der Natur“, einer „Symbiose aus Stadt, Land, Fluss“ und „Lebensfreude in enger Nachbarschaften zu den Ballungszentren im Raum Düsseldorf und im Ruhrgebiet. „Sie haben etwas zu bieten. Bei Ihnen passiert etwas, dass viele andere interessiert“, fasste Andreas Reiter zusammen.

Seit rund drei Monaten ist die GmbH mit dem neuen Slogan in knalligen, roten Buchstaben am Start. Geschäftsführerin Baumgärtner sieht sich vor allem durch die Erfahrungen auf der Internationalen Tourismus Börse (ITB) in Berlin in diesem Weg bestätigt. „Die Resonanz war sehr gut. Wir haben dort auf uns aufmerksam gemacht“, so Baumgärtner. Man setze unter anderem darauf, vom Image mit Fotos von „lachenden Radfahrern am Flussufer“ wegzukommen. „Auch das ist ein wichtiger Bestandteil unserer touristischen Konzepte“, so die Geschäftsführerin. Der Niederrhein habe aber weit mehr zu bieten: „Zum Beispiel gibt es nirgendwo so viel Kultur in der Natur.“

Touristische Anbieter und auch Kommunen seien schon mit im Boot der Niederrhein-Marke. Eisstadion-Geschäftsführer Bernd Schoenmackers taucht nicht nur „zupackend“ in einem neuen Image-Film auf. Er will laut Baumgärtner auch dafür sorgen, dass das neue Niederrhein-Logo bei Veranstaltungen im Grefrather Eissport- und Eventpark präsent ist. Auch die Stadt Kempen nutze das Logo schon beim Druck neuer Tourismus-Publikationen, wie Stadtsprecher Christoph Dellmans bestätigte.

Identifikation als Standortvorteil im Kampf um Fachkräfte

So weit und so gut zum touristischen Aspekt der neuen Kampagne. Profiteure sollen aber auch Unternehmer sein. Für die wirtschaftliche Stärke einer Region sei es heute unabdingbar eine hohe Identifikation in der Bevölkerung zu schaffen. „Allein schon mit dem Begriff Heimat haben Sie ein gewaltiges Thema“, so Andreas Reiter. Der Zukunftsforscher hat eine Sehnsucht der Menschen nach dem Gefühl ausgemacht, dass „bei mir die Welt noch in Ordnung ist“. So gebe es eine Umfrage, nach der Menschen die Probleme in Deutschland allgemein als weitaus größer einschätzen als vor der eigenen Haustür. Dieses Image und diese Identifikation könne man mit den Attributen des Niederrheins problemlos erzeugen und in der Wirtschaft nutzen, so Reiter. Eine hohe Identifikation mit der Region bedeute einen enormen Standortvorteil im harten Kampf um Fachkräfte.

Die Rahmenbedingungen, damit die Wirtschaft vom „touristischen Branding“ profitiert, müssen laut Reiter die Kommunen schaffen und verbessern. „Da stellt sich für Sie die Frage: Ist das der politische Wille?“ Es müsse für alle klar sein, dass die Städte und Gemeinden als einheitliche Region auftreten müssen, um mehr wirtschaftlichen Erfolg zu generieren.

Klassischerweise kommt da unter anderem der Kreis Viersen ins Spiel, um die Interessen der neun Städte und Gemeinden zu bündeln. „Wir sind Gesellschafter der Niederrhein Tourismus GmbH. Wir wollen diese Marke setzen“, sagte Landrat Andreas Coenen. Die Ideen, die in den vergangenen Monaten entwickelt worden sind, fallen laut Coenen in der Kreisverwaltung „auf fruchtbaren Boden“. Vielleicht gelinge es ja, dass ein Selbstständiger mit Stolz verkündet ein „Unternehmen vom Niederrhein“ zu besitzen. Mit der „Elf vom Niederrhein“ sei ja schließlich schon eine erfolgreiche Marke in Deutschland und in Europa bekannt, so Landrat Coenen.