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Zechen-Campus in Tönisberg als Leuchtturmprojekt

Tönisberg : „Zechen-Campus“ soll Aachener Start-up eine Heimat bieten

Die Kempener Politik zeigte sich begeistert von den Plänen eines Krefelder Investors für das ehemalige Zechengelände auf dem Wartsberg.

Die Begeisterung bei der Kempener Politik war am Dienstagabend spürbar. Im Ausschuss für Umwelt, Planung und Klimaschutz stellte der Krefelder Investor Wolf-Reinhard Leendertz erste Ideen für eine Nutzung des ehemaligen Zechengelände in Tönisberg vor. Anfang dieses Jahres hatte die RAG Immobilien GmbH, Tochterunternehmen der Ruhrkohle AG (RAG), das Areal der früheren Schachtanlage Niederberg IV an den Krefelder Unternehmer übergeben. Seither versucht Leendertz, der mit seiner Entwicklung des Mies-van-der-Rohe-Business-Parks große Erfolge errungen hat, ein Planungskonzept für eine neue Nutzung des Geländes auf dem Wartsberg zu entwickelt.

Was Leenders im Rathaus vorstellte, hat es in sich. Er möchte ein Leuchtturmprojekt realisieren, das weit über Kempen ausstrahlen könnte. Noch ist vieles Zukunftsmusik, es gibt keine Planung. Aber die hat es anfangs auch beim Business-Park auf dem ehemaligen Verseidag-Gelände in Krefeld nicht gegeben. Aber wenn man erahnen möchte, wohin in Tönisberg die Reise gehen könnte, muss man sich dort umschauen. Für die Zeche hat Leendertz eine Verwaltungsgesellschaft gegründet, führt Gespräche mit Interessenten, die Gewerbeflächen mieten könnten. Leendertz legt Wert auf anspruchsvolle Mieter, die die Besonderheit des Standorts schätzen.

Geplant ist eine büroorientierte Nutzung, kreative Unternemen sollen sich ansiedeln, die innovative technologische Produkte entwickeln und herstellen. Der „Zechen-Campus“, so die Projektbezeichnung, soll aber zum Treffpunkt für Besucher in Cafés und einem kleinen Museum werden, das an die Bergbaugeschichte des Standorts erinnert. Denkbar ist, den unter denkmalgeschützten Förderturm mit einen Aussichtsplattform öffentlich zugänglich zu machen.

Ein erster Mieter ist
bereits in Aussicht

Den ersten Mieter zu finden, sei bei einem solchen Projekt das schwierigste. Das sei auch in Krefeld so gewesen, berichtete Leendertz. Mit Ralf Drießen hat er einen erfahrenen Ingenieur dabei, der früher für das Essener Unternehmen Hochtief als Geschäftsführer Projekte gemanagt hat. Auch Drießen spricht von einem enormen Potenzial, dass in dem Zechenareal steckt.

Einen möglichen ersten Mieter hat man bereits an der Hand: Es ist ein Start-up-Unternehmen junger Ingenieuren der Fachhochschule Aachen. Die entwickeln unter anderem einen innovativen Feldroboter, der in der Landwirtschaft eingesetzt werden könnte. Projektkoordinator ist Josef Franko, der von einem Kempener Bauernhof stammt. Franko erläuterte das Konzept des Hochschulprojektes. Erste Versuche laufen bereits, auch in Kempen. Franko möchte mit seinem Team von Aachen nach Tönisberg wechseln.

Allerdings drängt die Zeit: Die Entscheidung für den Wechsel der Aachener hängt davon ab, wie schnell es in Kempen gelingt, die planungsrechtlichen Voraussetzungen auf dem Zechengelände zu schaffen. Noch gilt dort teilweise Bergrecht, der Flächennutzungsplan muss im Einvernehmen mit der Bezirksregierung geändert werden. Das braucht seine Zeit. Stadt und Politik in Kempen wollen dabei unbedingt mitziehen. Die Fraktionen machen Druck. Spätestens im Herbst will man ins Verfahren einsteigen und Entscheidungen treffen. Den „Zechen-Campus“ wollen alle – und möglichst schnell. rei