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WZ-Wahlcheck Kempen: Was soll im Westen der Stadt gebaut werden?

Kommunalwahl 2020 : Was soll im Westen gebaut werden?

WZ-Wahlcheck: Im zweiten Teil der Umfrage unter den Parteien in Kempen geht es um das Thema „Wohnraum im Kempener Westen“.

Das Thema bezahlbarer Wohnraum ist in Kempen ein Dauerbrenner. Eine Lösung dafür, dass Kempener in Kempen kaum eine bezahlbare Wohnung finden, gibt es indes immer noch nicht. Klar, dass das Thema auch Bestandteil des WZ-Wahlchecks ist. Die Redaktion hat die Parteien und Wählervereinigungen mit Fragen zu den Ideen im „Kempener Westen“ konfrontiert: „Um möglichst vielen Kempenern das Wohnen in ihrer Stadt zu ermöglichen, wird im Kempener Westen das nächste und wohl letzte große Baugebiet angegangen. Wie soll das Wohnen aus der Sicht Ihrer Partei bzw. Vereinigung im Westen aussehen? Welche Wohnformen sollen entstehen?“

Und das sind die Antworten von CDU, SPD, Grünen, FDP, Freien Wählern, Linken, ÖDP-BIKK, Piraten und AfD.

CDU plädiert weiterhin für
ihren Viertel-Mix im Westen

CDU: „Der Kempener Westen wird neben neuen Wohngebieten in St. Hubert und Tönisberg in den nächsten Jahren für viele Familien und Menschen – vorrangig aus Kempen – den Wunsch nach (eigenem) Wohnraum erfüllen. Unsere Zielsetzung: Wohnraum für alle Einkommensgruppen und Generationen schaffen! Deshalb setzen wir uns für einen Viertelmix bei den Bauformen (Einfamilien-, Doppel-, Reihenhäuser plus Geschosswohnungsbau) ein. Zudem soll hier das neue Seniorenheim und eine neue Kindertagesstätte errichtet werden. Durch die Einbindung der gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft (GWG) werden wir zudem sicherstellen, dass auch geförderter Wohnungsbau realisiert wird. Wir streben dabei ein zeitgemäßes Verkehrskonzept an, das möglichst die Entlastung der Achse Oedter Straße-Birkenallee-Berliner Allee einschließt.“

SPD: Größere Teile für bezahlbaren Wohnraum vorsehen

SPD: „Seit Jahren fordert die SPD Kempen die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum in unserer Stadt. Gerade für das letzte größere Wohnquartier ist es deshalb zwingend erforderlich, diese Forderung umzusetzen. Einen entsprechenden Antrag zumindest größere Teile dieses Bereiches für die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum vorzusehen, wurde von der Mehrheit aus CDU und FDP abgelehnt. Im Zuge der Schaffung eines Wohnquartiers für alle besteht die Möglichkeit auch alternative Verkehrsformen zu entwickeln, die ein Zusammenspiel von ÖPNV, Individualverkehr und verkehrsreduzierten Bereichen voranbringen. Das wird dazu führen, dass Jung und Alt, Menschen mit geringerem Einkommen, zusammenleben werden. Grundlage kann aber nur ein konzeptionelles Vorgehen sein. Hieran fehlt es aber derzeit und das werden wir ändern!“

Grüne: Vier-Geschossigkeit
soll maßstabbildend sein

Bündnis 90/Die Grünen: „Die Bautätigkeit der letzten Jahre in Kempen zeigt, dass der private Wohnungsmarkt nicht in der Lage ist, quantitativ und qualitativ alle Bevölkerungsgruppen mit bezahlbaren Wohneinheiten zu versorgen. Als Bündnis 90/Die Grünen streben wir an, neben Ein- und Zweifamilienhäusern einen angemessenen Anteil der Baufläche als stadteigenen Grundbesitz für die Errichtung von preisgebundenen Wohnungen zu erwerben, wobei hier eine Vier-Geschossigkeit maßstabbildend sein kann. Hier soll ein ressourcenschonendes (gesundes Bauen, weniger Rohstoffe, emissionsarme Baustoffe, ökologische Kreislaufwirtschaft etc.) und möglichst autofreies Siedlungskonzept entwickelt werden. Es soll ein Wohngebiet mit einer eigenen Aufenthaltsqualität mit Nahversorgung wie Einzelhandel, Kneipen, Restaurants entstehen.“

FDP: Keine Quote für preisgebundene Mietwohnungen

FDP: „Als schönste Stadt am Niederrhein ist Kempen nicht nur für Touristen, sondern auch für Bürgerinnen und Bürger ein attraktiver Wohnort. Um die große Nachfrage in Zukunft weiter decken zu können, hilft nur bauen. Daher freuen wir uns auf die gemeinsame Entwicklung des Kempener Westens im Rahmen der Bürgerbeteiligung. Wir plädieren für eine gesunde Mischung aus Einfamilienhaus, Doppelhaus, Reihenhaus und Mehrfamilienhaus. Zudem begrüßen wir die Entwicklung weiterer GWG-Objekte durch die Gesellschaft des Kreises Viersen. Eine strikte Quote an ,preisgebundenen Mietwohnungen’ lehnen wir jedoch ab. Darüber hinaus möchten wir bei der Entwicklung die Gestaltungssatzung weitestgehend liberalisieren. Denn die Eigentümer wissen am besten, wie sie ihre Eigenheime bauen und gestalten möchten.“

Freie Wähler werben für
die Idee der „Superblocks“

Freie Wähler Kempen (FWK): „Wir Freien Wähler haben bereits im Ausschuss am 8.10.2019 beantragt, den Kempener Westen in Form sogenannter „Superblocks“ zu konzipieren. Diese Form der Stadtplanung stärkt innerhalb eines Wohngebietes den Fuß- und Radverkehr und fördert das nachbarschaftliche Miteinander. Zudem muss dort unbedingt weiterer günstiger Wohnraum geschaffen werden. Gerade in der Corona-Pandemie müssen viele Menschen mit einem verringerten Einkommen leben. Zudem leben in unserer Stadt auch viele Menschen, die ohnehin permanent unter finanziellem Druck stehen (z.B. Alleinerziehende). Wohnraum darf kein Luxusgut sein.“

Die Linke ist mit Vielem
nicht einverstanden

Die Linke: „Die Linke stand und steht dem Projekt kritisch gegenüber. Stichpunktartig die Kritik: ein billiges, wenig innovatives Verkehrskonzept; vorgestanzte Areale mit Vorgaben der Bebauung, die Architektur fast verdrängen; keine Einbindung der Ländlichkeit als „Quartier Schmalbroich“; ÖPNV und Nahversorgung ist bisher nachrangig; Landverbrauch des besten Ackerlandes Deutschlands gegen den Willen der Landwirte, da ist Ärger vorprogrammiert; am schlimmsten aber ist, dass die Stadt selber zuerst zugreift und Altenheime, Migrantenhäuser, Tennishallen, Sportplatz usw. bereits festgezurrt hat. Insgesamt sieht Die Linke eine „Weiter-so-Bebauung“ des Westens, wie es im Süden endete. Uns fehlt eine neue Idee der Raumgestaltung in Ganzheit. Die Linke wird vielem was bisher in Planung ist, so nicht zustimmen.“

ÖDP-BIKK ist für ein
autofreies Wohngebiet

Ökologisch-Demoratische Partei/Bürgerinitiative (ÖDP/BIKK): „Bezahlbarer Wohnraum war das ureigene Thema unseres fraktionslosen Ratsherrn Jeyaratnam Caniceus. Bereits in der ersten Ratsperiode (ca. 2006) hat er mit Anfragen hierauf aufmerksam gemacht. Später hat der, durch seinen Antrag erstellte, Sozialbericht den Mangel an bezahlbarem Wohnraum zu Tage gebracht. Die Stadt Kempen hat jahrzehntelang die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum vernachlässigt und somit einkommensschwache Menschen aus dem Kempener Wohnungsmarkt verdrängt. Wir befürworten dichtere, mehrgeschössige, Mehrgenerationen-gerechte Wohnbauung, die Einrichtung eines autofreien Wohngebiets und die Bereitstellung von Grundstücken für Tinyhäuser. Für das Baugebiet muss Kempen ein Gesamtkonzept erarbeiten, hierzu gehört auch ein neues Verkehrskonzept in Hinblick auf Verkehrsberuhigung und Radverkehr.“

Piraten werben
für Plusenergiehäuser

Piraten-Partei: „Im Kempener Westen bietet sich die einmalige Gelegenheit ein Wohnquartier der Zukunft zu errichten. Es sollte eine gute Mischung aus Wohnungen und Häusern für alle Einkommensklassen geben. Auch die Ansiedelung von alternativen Wohnformen, in denen mehrere Generationen zusammenleben, um sich gegenseitig zu unterstützen, wäre wünschenswert. Außerdem sollten ausschließlich Plusenergiehäuser zugelassen werden, die mehr Energie erzeugen, als sie verbrauchen. Das Verkehrskonzept sollte möglichst autofrei geplant werden. Solche Viertel werden in anderen Städten teils seit Jahrzehnten erfolgreich betrieben. Am Niederrhein könnte Kempen zum Vorreiter für vergleichbare Projekte werden und damit alle Menschen ansprechen, denen Nachhaltigkeit am Herzen liegt.“

AfD: generationenübergreifendes Wohnen fördern

Alternative für Deutschland (AfD): „Mit Blick auf die demographische Entwicklung unterstützt die AfD alle Formen des generationenübergreifenden Wohnens. Der Schwerpunkt sollte hier auf der Förderung von Senioren-gerechten Wohnungen liegen. Dies beinhaltet auch die Realisierung von medizinischer Versorgung und der Deckung des täglichen Bedarfs.“