WZ-Redaktionsleiter Tobias Klingen kommentiert die Dellmans-Kandidatur

Kommentar : Spannend und konfliktreich

Nach vielen Gesprächen in den vergangenen Tagen mit Insidern der politischen Szene Kempens war Christoph Dellmans am Freitagabend kein wirklicher Überraschungsgast. Dennoch sorgt diese Personalentscheidung von SPD, Grünen und Dellmans selbst für großes Aufsehen.

Schließlich ist der 52-Jährige in Kempen bekannt und beliebt. Wer 25 Jahre lang Pressesprecher einer Kommune ist, als Marketingreferent ausgezeichnete Kontakte zur Wirtschaft hat und sich dazu privat in Vereinen engagiert, hat schon mal einen großen Vorteil: Er muss sich nicht wirklich vorstellen. Insofern dürfen sich SPD und Grüne realistische Chancen ausrechnen, bei der Personenwahl im Herbst 2020 die CDU-Phalanx in Kempen zu durchbrechen.

Im Lager der Christdemokraten dürfte die Nachricht von Dellmans’ Kandidatur keine Jubelstürme auslösen. Das war schon bei Gesprächen rund um das Gerücht in den vergangenen Tagen zu spüren. Gegen jeden anderen Kandidaten wäre es für die CDU wohl deutlich leichter geworden. Zudem gerät die Mehrheitspartei nun unter Zugzwang. Vorsitzender Philipp Kraft gilt zwar als Favorit für eine Kandidatur, beschlossene Sache ist diese aber noch nicht. Für die Wahl 2020 bedeutet der Plan von Grünen und SPD in jedem Fall Spannung. Erst recht, wenn andere Fraktionen diesen Plan auch noch gut finden.

Spannend wird ab Montag auch der Arbeitsalltag von Christoph Dellmans. Da kann er noch so sehr betonen, wie loyal er arbeiten wird. Und sich noch so sehr bemühen, dies auch umzusetzen. Wenn der Pressesprecher einer Stadt im laufenden Betrieb in einen heißen und langen Wahlkampf zieht, sind Konflikte programmiert. Zumal der in Teilen schlechte Zustand der Stadtverwaltung ein Kernthema des Wahlkampfes sein wird. Dellmans muss ein System kritisch bewerten, von dem er ein nicht unbedeutender Teil ist. Da sind die von Dellmans gewählten Begriffe „Herausforderung“ und „Balanceakt“ wohl eher untertrieben.

Bis zum Herbst 2020 steht Kempen nun ein langer und harter Wahlkampf bevor. Hoffen wir für diese Stadt, dass sich in diesen eineinhalb Jahren trotzdem noch etwas bewegt. Verwaltung und Politik sind aufgerufen, in den kommenden Monaten richtungsweisende Entscheidungen zu treffen. Diese Aufgaben sollten nicht liegen bleiben.

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