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Kreis Viersen: WZ-Bericht zur Post nur „Spitze des Eisbergs“?

Kreis Viersen : WZ-Bericht zur Post nur „Spitze des Eisbergs“?

Auch nach mehreren Artikeln über die Zustellprobleme der Deutschen Post im Kreis Viersen reißt der Ärger der Kunden nicht ab. Ein Mitarbeiter berichtet von massiven Personalproblemen in der Region.

Kreis Viersen. Der Ärger um unzuverlässige Zustellung bei der Post reißt nicht ab. Nach der jüngsten Berichterstattung der WZ haben sich nochmals unzählige Leser mit Beschwerden und persönlichen Erfahrungen an die Redaktion gewandt. Und auch ein Postmitarbeiter hat sich telefonisch gemeldet, der aber aus nachvollziehbaren Gründen namentlich nicht in einem Artikel auftauchen möchte.

„Was die WZ da berichtet hat, ist nur die Spitze des Eisbergs“, sagt der Mann. Die Stellungnahme des Unternehmens, wonach man die Probleme in Willich und Kempen mittlerweile im Griff habe, entsprächen einfach nicht der Wahrheit. Es gebe vielmehr in der gesamten Region massive Personalprobleme bei den Zustellern, die Ausfallquote liege zwischen 18 und 30 Prozent. „Spitzenreiter ist Bocholt mit 31 Prozent, in Willich sind es derzeit 19 Prozent.“ Das Unternehmen kalkuliere aber nur fünf Prozent für Krankheitsfälle und Urlaube ein.

Die Folgen seien klar: Manche Bezirke könnten wochenlang nicht besetzt werden. Diese müssten dann auf andere Zusteller aufgeteilt werden, die aber auch nicht alles schaffen könnten. Da bleibe die Post dann halt liegen.

Früher habe es für solche Fälle zum Beispiel in Willich noch fünf „Springer“ gegeben, heute sei es nur noch einer. Was dann dazu geführt habe, dass Anfang der Woche sechs Bezirke in Willich gar nicht gefahren werden konnten.

Mitarbeiter des Unternehmens

„Die Post macht Milliardengewinne, spart aber am Personal“, beklagt sich der Mann. Die Bezirke seien um 20 Prozent größer geworden, die Sendungsmengen hätten aber nicht abgenommen: Ein Verbundzusteller müsse neben den Briefen rund 120 Pakete täglich ausliefern. Ein DHL-Fahrer sei im Schmitt mit 200 Paketen unterwegs. Diese Zahlen zeigten schon, dass die Arbeit nicht zu schaffen sei.

So sei auch der hohe Krankenstand zu erklären: „Die Leute sind einfach platt, haben die Schnauze voll.“ Einem Springer mute man es zu, heute in Willich, morgen in St. Tönis und übermorgen in Kempen eingesetzt zu werden. Da sei es doch kein Wunder, dass er sich dort nicht auskennt und die Zustellung in der zur Verfügung stehenden Zeit nicht schaffen könne.

Pakete würden vorrangig ausgeliefert, da die Post damit Geld verdiene, Briefe blieben liegen. Aber auch Werbung und Zeitschriften: „Wir haben erst Anfang der Woche damit begonnen, das ADAC-Mitgliederheft für den Monat Dezember auszuliefern.“

Diese Aussagen decken sich mit vielen Beschwerden, die bei der WZ eingegangen sind. „Ich habe seit dem 27. November keine Post mehr bekommen. Wichtige Sachen lasse ich mir faxen“, berichtet telefonisch ein WZ-Leser aus Tönisberg.

„Ich wohne in Tönisberg und habe schon wieder seit sieben Tagen keine Geschäftspost erhalten. Der arme Postbote arbeitet 14 Stunden am Tag, aber es gibt keine Entlastung aus der Chefetage“, ergänzt eine Frau auf Facebook. „Wann wird endlich mal der Chefetage auf die Füße getreten?“, fragt an gleicher Stelle eine Willicherin.

Auch Janine Zoche aus St. Hubert kann über die Aussagen der Post-Sprecher nur lachen. Das Unternehmen hatte gegenüber der WZ erklärt, dass die Zustellung in St. Hubert seit letzter Woche Freitag wieder reibungslos laufe. „Von wegen. Ich habe jetzt schon zwölf Tage keine Post mehr bekommen“, schrieb Zoche am Dienstag per Mail an die Redaktion. Sie habe sogar auf der anderen Seite „ihrer“ Straße einen Postboten gesehen. Briefe, auf die sie selbst wartet, habe der Bote aber nicht dabei gehabt.

„Die Prospekte in der Plastikverpackung, die samstags ausgeliefert werden, haben wir am Dienstag bekommen“, sagt eine Leserin aus Willich. „Die Leute sind voll überlastet. Wir bekommen samstags keine Post mehr. Echt ärgerlich. Aber die Boten kann man verstehen“, heißt es an anderer Stelle auf Facebook.

Die Zusteller bekommen ohnehin Lob von den Lesern. „Bei uns läuft alles super. Wir haben den besten Zusteller der Welt“, erklärt zum Beispiel auf Facebook eine Leserin.

Und was sagt die Deutsche Post zu all’ den Problemen? Sprecher Rainer Ernzer räumt ein: „Wir haben in Ihrer Region ein massives Problem, das zu lösen ungewöhnlich schwierig ist.“ Vor allem der hohe Krankenstand sei eine Herausforderung — konkrete Zahlen möchte Rainer Ernzer aber nicht nennen.

Andererseits betont er, dass die Zahlen, die der Postmitarbeiter an die WZ weitergegeben hat, teils „komplett aus der Luft gegriffen“ seien. So liege die Ausfallquote in Bocholt nur im einstelligen Bereich. Dass Bezirke wochenlang nicht besetzt werden, komme nicht vor. Es stimme auch nicht, dass in Willich sechs Bezirke nicht ausgeliefert wurden.

Richtig sei dagegen, so sagt der Post-Sprecher aus Düsseldorf, dass Springer mal in Kempen, mal in Willich eingesetzt werden. Doch die Zahl dieser Mitarbeiter sei „deutlich höher“, als der Mann behauptet habe.