Wolfgang Rive freut sich auf seinen Ruhestand

Grefraths Kämmerer geht: „Politik zieht nicht an einem Strang“

Grefraths Kämmerer Wolfgang Rive geht in Ruhestand. Er vermisst in den Gremien eine konstruktive Zusammenarbeit.

. Wolfgang Rive sammelt Zahlen, jongliert mit ihnen, sortiert und ordnet sie ein und dann versucht er, dieses Zahlenwerk für Laien verständlich zu präsentieren: Er ist Grefraths Kämmerer und das schon seit 19 Jahren. Am 11. Dezember wird er ein letztes Mal den Haushalt der Niersgemeinde in den Grefrather Rat einbringen. Die politische Diskussion darüber wird er dann nicht mehr vor Ort verfolgen. Denn sein letzter Arbeitstag ist der 21. Dezember. Mit der WZ blickte Rive auf seine Zeit in der Grefrather Verwaltung zurück.

Über Krefeld und Willich
ging es nach Grefrath

Der 65-Jährige wurde in Moers geboren, wo er nach dem Besuch eines Gymnasiums die Höhere Handelsschule besuchte. In der Krefelder Verwaltung absolvierte er einen Inspektorenlehrgang. „Das war die Eingangsstufe für den gehobenen, nichttechnischen Dienst.“ Dort entdeckte Rive seinen Faibel für das Erschließungsbeitragsrecht. Auch beim Wechsel zur Stadt Willich blieb er diesem Metier treu, ebenso beim weiteren Wechsel zur Gemeinde Grefrath im Jahr 1984. „Ich habe das immer als eine äußerst interessante Aufgabe betrachtet“, sagt Rive. „Diese eine Stelle vereint alles, was in einer Verwaltung anfällt: Technik, Finanzen, Rechtsmaterie, Satzungsrecht und man hat mit Leuten zu tun.“

Damals sei sein Bereich dem Kämmerer zugeordnet gewesen. Das war Herbert Kättner, dem er für die Haushaltsplanungen zugearbeitet habe. Als Kättner dann Bürgermeister wurde, hat er die vakante Stelle des Kämmerers übernommen. „Das muss im Oktober 1999 gewesen sein“, erinnert sich Rive. Schon damals hatte die Gemeinde finanzielle Probleme. „Es mussten einige Tiefschläge verarbeitet werden“, so Rive. Wegen der Pleite der Textil-Firma Balsam musste die Gemeinde Steuereinnahmen zurückerstatten. Um Rückzahlungen ging es später auch im Fall des Autozulieferers Firma Johnson Controls. „Das war noch schlimmer als bei Balsam. Große Industriebetriebe sind für einen Ort wunderschön – so lange es gut geht. Ist das nicht mehr so, dann hängen die Kommunen am Fliegenfänger“, sagt Rive. Haushaltssicherungskonzept (HSK) – das war schon damals Realität, wie es auch zurzeit wieder ist.

Umstellung von D-Mark auf
Euro kurz nach Dienstantritt

Kurz nach seinem Amtsantritt als Kämmerer musste sich Rive mit der Umstellung von D-Mark auf Euro beschäftigt. „Wir wussten ja gar nicht, was auf uns zukommt, ob alles problemlos über die Bühne gehen würde.“ Zu schaffen machte auch die Umstellung vom kameralistisch geführten Finanzhaushalt auf das Neue kommunale Finanzmanagement (NKF). „Alles musste neu bewertet werden, von der Lampe über Straßen bis hin zu Parks“, erinnert sich Rive an eine seiner arbeitsintensiven Zeiten im Rathaus. Die Umstellung habe Grerath für einige Zeit aus dem HSK genommen: „Aber das lag nur an den gesetzlichen Bestimmungen, die sich auf fiktive Zahlen bezogen.“

Bei seinem Rückblick schüttelt Rive auch heute noch mit dem Kopf, wenn er an das Tauziehen um den Kauf des ehemaligen Entwicklungszentrums von Johnson Controls als neuen Rathaus-Standort denkt: „Ich verstehe immer noch nicht, warum sich die Politik nicht dazu durchringen konnte, zu kaufen. Man kann zugestehen, dass der Standort am Bronkhorster Weg nicht ideal war, aber wirtschaftlich wäre es die richtige Entscheidung gewesen.“ Auch die Arbeit in den politischen Gremien habe sich verändert. „Man ist sich in vielen Dingen nicht einig, es wird nicht mehr an einem Strang gezogen. Das war früher anders.“

In Hüls kann Rive in
Ruhe ein Bier trinken

Auf die Frage, ob es ihm in den vielen Jahren in Grefrath nicht langweilig geworden sei, antwortet Wolfgang Rive mit einem klaren „Nein“. Dadurch, dass er schon bevor er nach Grefrath gekommen sei, in Hüls gewohnt habe, habe er den nötigen Abstand: „Wenn ich in Grefrath wohnen würde, hätte ich ja nie in Ruhe ein Bier trinken gehen können.“

Auf den Ruhestand freut sich der 65-Jährige nach eigener Aussage: mehr Zeit für seine Frau, den Garten, den Enkel, Sport und das Malen.

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