Kempen: Wilde Fahrt durch Kempen

Kempen: Wilde Fahrt durch Kempen

Mehr als 20 000 Besucher feierten ausgelassen und friedlich beim Rosenmontagszug. Was für eine Entschädigung für den Ausfall 2016!

Kempen. „Der Karnevalszug in Kempen ist etwas ganz Besonderes.“ Das ist für Prinzessin Angelika I. so sicher wie das Amen in der Kirche. Mehr als 20 000 Besucher sahen das genauso und feierten am Montag den Straßenkarneval in und um die Kempener Altstadt. 2580 Jecke verteilt auf 99 Wagen und Fußgruppen sorgten in bunten Kostümen und vor allem mit reichlich närrischer Musik für ausgelassene Stimmung in der Thomasstadt. Der nachgeholte Rosenmontagszug war ein voller Erfolg. Das konnte man nicht nur in den Gesichtern von Prinz Rainer I. und seiner Prinzessin Angelika I. ablesen.

„ Kempen ist meine Heimatstadt und daher freue ich mich sehr, dass ich hier Prinzessin sein darf. Man trifft immer wieder bekannte Gesichter. Das macht diesen Zug aus“, erklärt Prinzessin Angelika Pasch.

Dieser Meinung ist auch Thomas Greifzu von der St. Antonius Schützenbruderschaft „Voescher Männ“. „1001 Nacht, Voesch wie es singt und lacht“ hieß es auf dem Wagen. „Alle gehören hier zusammen. Auch die Vororte sind Teil von Kempen und jeder kennt jeden. So macht es einfach Spaß“, so der amtierende Schützenkönig Greifzu.

Und so zogen gestern nicht nur Vereine und Organisationen durch die Thomasstadt, sondern vor allem auch viele Straßengemeinschaften und Freundeskreise. „Was den Zug ausmacht ist, dass man immer alte Bekannte trifft, besonders dadurch, dass so viele ortsansässige Vereine teilnehmen“, erzählt Christiane Janßen, die gemeinsam mit dem St. Huberter Musikverein im Clownskostüm für närrische Musik sorgte.

Trotz aller Heimatverbundenheit wurde natürlich auch international gefeiert. So zum Beispiel bei den Mexikanern vom Kegelclub „Pudelrudel“. Dominiert wurde der „Zoch“ allerdings durch viele wilde und exotische Tiere. Diese Kostümidee hatte auch die Gruppe „Familie Hesse and friends“, die unter dem Motto „Arche X — Die Tiere schlagen zurück“ mitliefen. „Wir haben eine ganze Arche voller Süßigkeiten“, erklärt Max Hanka, der als eine von zwei Schildkröten auf der Arche mitfuhr.

„Munter und froh“ ging es mit dem „Unterweidener Zoo“ in den Urwald und die „Paradiesvögel“ vom „Stammtisch der schwarzen Schafe“ zeigten, wie bunt der Kempener Karneval sein kann.

Auch für das eine oder andere politische Thema bot der Zug einen Platz. „Der Brexit ist ganz egal, wir feiern trotzdem Karneval“ hieß es auf einem roten Londoner Doppeldecker-Bus, der von verkleideten Engländern begleitet wurde. „Ich feiere mit dem Zug in meinen Geburtstag rein“, so René Reuter, der als König Heinrich mitzog. „Wir wollten auch mal etwas Politisches nach Kempen bringen, so wie in Köln und Düsseldorf. Da hat der Brexit gepasst“, erklärte Alex Buffen. Auch die Kempener Landjugend vertrat auf ihrem Wagen eine klare Botschaft: „Milchpreise rauf oder wir gehen unter“. Die Fußgruppe des Luise-von-Duesberg-Gymnasiums war ebenfalls ein Hingucker. „Mit 150 in die Zukunft“ hießt das Motto zum Geburtstag des LvD. Die Zugteilnehmer waren durch Stoffbahnen miteinander verbunden und stellten ein Kabel dar, das auf das W-Lan-Problem in den weiterführenden Schulen aufmerksam machte.

Anders als 2016, als der Zug wegen einer Sturmwarnung abgesagt werden musste, spielte das Wetter gestern mit. Erst nach Zugende verdichteten sich die Wolken über Kempen. Nachdem der Zug sich pünktlich um 12.11 Uhr am Bahnhof in Bewegung gesetzt hatte, hieß es wenig später auch auf dem Buttermarkt „Er kütt, der Zoch“. Angeführt wurde er von den „Zugvögeln“ — der Zugleitung um Theo Balters, der in diesem Jahr zum letzten Mal den Zug organisiert hat. Aufgrund der engen Kurven, die die großen Wagen von der Ellenstraße hin zum Buttermarkt und vom Buttermarkt aus auf die Judenstraße passieren mussten, kam es immer wieder zu kleineren Pausen im Zugablauf. Diese taten der guten Stimmung jedoch keinen Abbruch. Dreimal Rot und Blau — Kempen Helau!