Wieder Baustelle auf Hülser Straße

Eine alte Gasleitung bereitet unerwartet Probleme. Nun ist die Bahn mit an Bord — und das bedeutet wochenlange Verfahren.

Kempen. Die gute Nachricht für alle Anwohner und Nutzer der Hülser Straße zuerst: Nach wie vor gilt die Anfang Juli getätigte Aussage der Verantwortlichen von Stadt, Stadtwerke und Baufirma, dass die Großbaustelle in Sachen Erneuerung der Wasser- und Gasleitungen — nach den bekannten Verzögerungen — Ende August beendet sein wird. Derzeit besteht eine Vollsperrung für den Verkehr zwischen St. Huberter Straße und Bahnübergang.

Die schlechte Nachricht: Es wird an selber Stelle, in Höhe der Bahn, in absehbarer Zeit erneut gegraben werden müssen. Grund ist eine unschöne Überraschung im Boden, die zwei Wochen nach dem Pressetermin Anfang Juli entdeckt wurde.

Die Rede ist von einer sogenannten „Verdükerung“, auch als Versprung bezeichnet. Grob gesprochen macht eine Gasleitung aus den 70er Jahren einen Knick und kann daher nicht wie vorgesehen aus dem Schutzrohr gezogen werden: Sie hängt schlicht fest. Als die Arbeiter dies mit einer Zugmaschine mit hoher Leistung versuchten, „bewegte sich nichts“, wie Hubertus Kinkel von den Kempener Stadtwerken am Montag berichtete.

Eine Kamera habe den Knick schließlich sichtbar gemacht, der nach Angaben der Verantwortlichen nirgendwo verzeichnet gewesen sei. Auch vorherige Messungen haben demnach keinen Verdacht ergeben: Alles habe auf einen gradlinigen Verlauf unter der Bahnlinie hingedeutet. Warum diese Verdükerung damals gesetzt wurde, kann sich niemand erklären.

Um das Problem zu beheben, muss die entsprechende Stelle freigelegt werden. Weil das nahe der Schienen (im „Bahnkörper“) geschehen muss, sind das Eisenbahnbundesamt und die Deutsche Bahn involviert. Autorisierte Fachfirmen und Statiker sind zu beauftragen, die eigentliche Ausführung bleibt aber bei der hiesigen Firma Hamelmann. Vor allem müssen Genehmigungen eingeholt werden.

Und das kann dauern. Stadtwerke-Chef Siegfried Ferling sprach am Montag von einer „wahnsinnig langen Genehmigungszeit“. Konkret geht es wohl um mindestens 14 Wochen. Aber auch 20 Wochen könnte die Bearbeitung der Anträge in Anspruch nehmen. Heißt: Die neue alte Baustelle wird möglicherweise erst im 2019 in Angriff genommen. Schließlich ist in 20 Wochen schon Weihnachten.

Gibt es grünes Licht, soll die eigentliche Baumaßnahme etwa zwei Wochen dauern. „Wir werden alles Erdenkliche tun, um das Ganz zu forcieren“, verspricht Projektleiter Hubertus Kinkel. Vielleicht soll beispielsweise abends länger gearbeitet werden als üblich.

Die genauen Auswirkungen auf den Verkehr sind noch offen. Laut Ferling ist eine erneute Straßensperrung durchaus möglich. Der Bahnverkehr soll, so zumindest Stand heute, aber vermutlich normal rollen können.

Auf der jetzigen Baustelle werden die Restarbeiten nun zunächst zum Abschluss gebracht. Kinkel: „Wir machen mit den Wasserleitungen weiter.“ Eine Grube im Bürgersteigbereich soll Ende des Monats lediglich provisorisch geschlossen werden — mit Blick auf die Fortsetzung.

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