Wenn angeblich Microsoft anruft

Kempener sind bereits auf Betrüger hereingefallen. Zurzeit hat diese Masche wieder Hochkonjunktur.

Kempen. Ein Kempener ist in der vergangenen Woche auf eine Betrügermasche hereingefallen. In dieser Woche erstattete er bei der Polizei Anzeige. Der Rentner wurde mehrfach von verschiedenen Anrufern kontaktiert, die sich als Mitarbeiter der amerikanischen Software-Firma Microsoft ausgaben und in englischer Sprache auf ein Sicherheitsproblem am Computer des Kempeners aufmerksam machten.

In einem stundenlangen Telefonat gelang es den Betrügern im dritten Anlauf, den Kempener von ihrer Seriosität zu überzeugen. Sie versprachen, mittels Fernwartung den Computer von den gefährlichen Hackern und Viren zu befreien. Im Laufe der „Fernwartung“, für die der Kempener weisungsgemäß zwei Programme installierte, erfragte der Anrufer dann auch die Bank- und Kreditkartenverbindung sowie Geheimnummern. Mehrfach betonte er, dass dies zur Abwehr der Hackerangriffe erforderlich und der Service für den Angerufenen kostenlos sei.

Mit diesem Trick ergaunerten die Betrüger mehrere hundert Euro von den Konten des Kempeners. Erst, als der Anrufer den Rentner davon zu überzeugen versuchte, auch noch iTunes-Karten im Wert von 1300 Euro zu kaufen und die Codes durchzugeben, wurde der Kempener misstrauisch und startete seinen Computer neu. Der Anrufer beendete daraufhin das „Servicegespräch“.

Der Kempener ist mit diesem Fall durchaus nicht allein. Auch in Kempen sind nach Informationen der WZ bereits andere auf diesen Trick hereingefallen. Dabei trifft es durchaus nicht nur ältere Menschen.

Bereits seit dem Jahr 2014, so weiß die Verbraucherzentrale zu berichten, bekommen Menschen immer wieder Anrufe von falschen Microsoft-Mitarbeitern mit der Warnung, dass ihr Computer mit Schadsoftware infiziert sei. Nachdem es um diese Masche aber einige Zeit ruhiger geworden war, gehen bei den Verbraucherzentralen derzeit wieder gehäuft Beschwerden ein.

Das Ziel der Anrufer ist es, die Computernutzer dazu zu bewegen, ein Programm oder einen Trojaner zu installieren, mit dem die Betrüger dann aus der Ferne auf den Computer zugreifen können. So kommen sie an sensible Daten, wie Passwörter für das Online-Banking. Die Täter können dann auch den Computer sperren und anschließend Geld erpressen, um den Rechner wieder freizugeben. Dann kommt es auch schon mal zu der Drohung, alle Daten zu löschen. Berichte über diese Masche findet man im Internet viele. Oft treten die Täter sehr dreist und überzeugend auf. Da die Anrufe häufig von ausländischen oder anderen nicht zurückverfolgbaren Nummern kommen, sind die Anrufer kaum zu ermitteln.

Nach eigenen Angaben sagten in einer Microsoft-Umfrage 2017 weltweit zwei Drittel aller Befragten, in den vergangenen zwölf Monaten Erfahrungen mit der Betrugsmasche gemacht zu haben. Auch Microsoft selbst warnt auf seiner Homepage und bietet Tipps für Betroffene an. Das Unternehmen stellt auf seiner Internetseite klar, dass es von sich aus unaufgefordert weder E-Mails schickt noch per Telefonanruf persönliche oder finanzielle Daten anfordert. Man unternehme auch keine unaufgeforderten Telefonanrufe, in denen angeboten würde, den Rechner zu reparieren. Microsoft frage nicht aktiv nach Kreditkarteninformationen, um die Echtheit von Office oder Windows zu verifizieren, und Microsoft kontaktiere Nutzer nicht ungefragt, um über neue Sicherheitsupdate zu informieren.

Die Polizei im Kreis Viersen warnt einmal mehr davor, sich auf solche Anrufe einzulassen. Bei Anrufen angeblicher Microsoft-Mitarbeiter ohne erkennbaren Anlass oder vorherigen E-Mail-Verkehr aufgrund eines an Microsoft herangetragenen Problems sollte man sofort auflegen. Niemals sollte man Codes, Bankdaten, PIN- oder TAN-Nummern oder Ähnliches auf Anweisung des Anrufers in den eigenen PC eingeben. Wenn man auf einen betrügerischen Anruf hereingefallen ist, sollte man den Rechner vom Internet trennen, die Konten sperren lassen und die Polizei informieren.