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Weihnachtsoratorium begeistert in Kempen

„Zur Welt gebracht ...“ in der Propsteikirche : Ergreifendes Weihnachtsoratorium in Kempen

Der Theologe Bastian Rütten transportierte die biblischen Geschichten in den Alltag der Menschen, die jetzt leben.

Es ist der 9. Januar, der nachweihnachtliche Alltag ist in vollem Gange. „Haben Sie schon oder müssen Sie noch?“ fragt Bastian Rütten zu Beginn eines ganz besonderen Abends in der Kirche St. Marien in Kempen. Aufgeführt wird „Zur Welt gebracht…“, so der Titel des etwas anderen Weihnachtsoratoriums mit Texten des Theologen Bastian Rütten und des Organisten der Marienbasilika in Kevelaer, Elmar Lehnen. Was Rütten mit seiner Anfangsfrage meint, ist das Abschmücken des Weihnachtsbaums. „Wir schmücken heute Abend noch mal auf“, sagt er, „um Weihnachten in den Alltag zu holen, ansonsten wären wir verloren.“ Was folgt, ist eine Weihnachtsgeschichte, die es in sich hat. Sie bewegt sich streng entlang der biblischen Erzählungen, aber Rütten spielt den Übersetzer: Er transportiert die alten Geschichten in den Alltag der Menschen, die jetzt leben.

Allerdings beginnt diese Weihnachtsgeschichte mit dem Beginn der Schöpfung. Gott, so heißt es, sei ein Liebhaber der Anfänge. „Wir feiern nicht nur die Geburt, wir feiern, dass Anfang möglich ist.“ Weihnachten, so betont dieses Oratorium, ist eine Hoffnungs- und Erwartungsgeschichte in der Mutlosigkeit unserer Zeit, eine Geschichte, die die Welt aus den Angeln gehoben habe.

Die Zuhörer werden daran erinnert, dass die Akteure der Weihnachtsgeschichte unbedeutend und der Ort heruntergekommen seien, ein Niemandsland. Unter der musikalischen Gesamtleitung von Christian Gössel, Kantor an der Propsteikirche St. Marien, erklingen die Harfe (Susanna Feige), die Flöten, Annette Gutjahrs Alt, der Chor und das Klavier aufs Ergreifendste. Aber, und auch das ist besonders: Die Stücke bilden eine Einheit mit dem Text, unterlegen den Sprecher (Dirk Tecklenborg aus Lingen) oder ergänzen die Texte. Altvertraute Weihnachtslieder erfüllen den Kirchenraum. Als die Geschichte die Heiligen Drei Könige erreicht, erklingt „Ich steh an deiner Krippe hier“. Die Heiligen Drei Könige seien Weise, weil ihre Fragen sie schlau machten, und die Tatsache, dass sie sich ohne Karte auf den Weg begaben, machte sie zu Kundigen. Ein Stück Weihnachten 16 Tage danach – in den stressvollen Tagen vor dem Fest hätte dieses etwas andere Weihnachtsoratorium die Menschen vielleicht nicht so tief bewegen können. Der Applaus wollte gar nicht enden.