Überörtliche Hilfe Wehrleute aus dem Kreis Viersen sichern Deich in Oberhausen

Kreis Viersen · Rund 100 Wehrleute aus dem Kreis Viersen rückten am Samstag nach Oberhausen aus und schleppten Tausende Sandsäcke, um den Ruhrdeich zu befestigen. Was die Einsatzkräfte vor Ort erlebten.

 Zahlreiche Einsatzkräfte aus ganz Nordrhein-Westfalen waren am Wochenende in Oberhausen im Einsatz, um den Ruhrdeich zu sichern, der aufgrund des anhaltenden Regens teilweise aufgeweicht war.

Zahlreiche Einsatzkräfte aus ganz Nordrhein-Westfalen waren am Wochenende in Oberhausen im Einsatz, um den Ruhrdeich zu sichern, der aufgrund des anhaltenden Regens teilweise aufgeweicht war.

Foto: dpa/Markus Gayk

Rund 100 Einsatzkräfte der Feuerwehren aus Grefrath, Kempen, Niederkrüchten, Schwalmtal, Viersen und Willich haben am Samstag vor Heiligabend dazu beigetragen, den Ruhrdeich in Oberhausen zu sichern. Der Dauerregen hatte in den vergangenen Tagen die Pegel an vielen Flüssen in Nordrhein-Westfalen ansteigen lassen, in Oberhausen waren dadurch Teile des Ruhrdeichs aufgeweicht.

Der Ruf erreichte die Wehrleute aus dem Kreis Viersen am Samstag in den frühen Morgenstunden, kurz nach 4 Uhr, als die Bezirksbereitschaft 3 der Bezirksregierung Düsseldorf zur Hilfeleistung angefordert wurde. Der Auftrag an die Wehrleute aus dem Kreis Viersen und den Städten Krefeld und Mönchengladbach: Deichverteidigung an der Ruhr in Oberhausen. Auslösung der aktuell eingesetzten Einsatzkräfte und Sandsackbefüllung.

Überall im Kreis Viersen sprangen Wehrleute aus den Betten, eilten zu den Feuerwehrgerätehäusern. „Wir gucken dann immer, wer mitfährt, und die übrigen schauen nach den Fahrzeugen und der Ausrüstung“, berichtet Brandinspektor Lars Greiner, Sprecher der Freiwilligen Feuerwehr Willich und im Löschzug Anrath beheimatet. „Erfahrene Wehrleute packen zu Hause schon eine Tasche, nehmen ein zweites Paar Socken und ein frisches T-Shirt mit, weil sie ahnen, dass man nass werden könnte“, sagt Greiner.

Nur: Das Gepäck muss dann auch verstaut werden, „die Feuerwehrfahrzeuge sind ja nicht auf Reisegruppen ausgelegt“, erzählt Greiner schmunzelnd. „Und dann schauen wir, was wir noch im Gerätehaus haben, Chips, Getränke, Knabberzeug. Einer sah, dass beim Bäcker schon Licht brannte, fuhr dort vorbei und holte für uns Verpflegung.“

Kurze Zeit später waren acht Willicher Wehrleute abfahrbereit. So lief es auch in Kempen: 17 Wehrleute packten zusammen und rückten zunächst zur Hauptwache der Krefelder Wehr aus, wo sich die Einsatzkräfte sammelten, aus Grefrath kamen vier Wehrleute hinzu. Von Krefeld ging es für die Deichretter aus Mönchengladbach, Krefeld und dem Kreis Viersen weiter nach Oberhausen, gegen 8 Uhr trafen sie an der Einsatzstelle ein.

Während die Mönchengladbacher und Krefelder Einsatzkräfte gemeinsam im Laufe des Tages rund 20 000 Säcke mit Sand befüllten, wurden die Kräfte aus dem Kreis Viersen mit Bussen zur Arbeit am Deich gebracht, den sie mit Sandsäcken sicherten, nachdem auf dem Deich ein Vlies zur Befestigung ausgelegt worden war.

Sandsäcke wiegen zwischen
fünf und acht Kilogramm

Die Sandsäcke waren mal fünf, mal sechs, „auch mal acht Kilo schwer, wenn es jemand besonders gut gemeint hatte“, erzählt Greiner. Am Deich bildeten die Wehrleute keine Kette, sondern eher einen Reißverschluss, „dafür stellen wir uns im Zickzack auf“, erklärt Greiner. So müsse man den Oberkörper mit dem schweren Sandsack nicht immer komplett drehen, sondern nur um etwa 45 Grad, bis man den Sack an einen Kameraden übergeben könne, „wenn die Säcke sehr schwer sind, geht das schon auf die Knochen.“ Wie viele Sandsäcke er weitergehievt habe, wisse er nicht, so der Brandinspektor aus Anrath, „man macht einfach nur.“

Ziemlich kalt sei es gewesen dort am Wasser. Sicherheitshalber hatten die Wehrleute keine Helme angezogen, die normalerweise zur Uniform gehören, sondern Mützen, „wenn man den schweren Helm trägt und ins Wasser fällt, kann das böse enden“, sagt Greiner, „der Helm zieht einen unter Wasser.“ Zur Sicherheit der Wehrleute waren permanent auch Strömungsretter der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) vor Ort, sie wären zu Hilfe geeilt, wenn ein Feuerwehrmann am Deich abgerutscht und ins Wasser gefallen wäre. Denn die Strömung sei nicht zu unterschätzen, so Greiner.

Für die Kräfte der Feuerwehren war die überörtliche Hilfe auch am Weihnachtswochenende selbstverständlich. Es sei ja gut, dass die Feuerwehren so breit aufgestellt seien und viele Menschen unterschiedlichen Alters dabei seien, sagt Hauptbrandmeister Christian Ullmann, Sprecher der Kempener Wehr, „es gibt jüngere Kameraden, die noch keine Kinder haben, und Wehrleute, deren Kinder schon größer sind. Es finden sich Kräfte, alle wollen ja helfen.“

Nicht zuletzt sei solch ein Einsatz gemeinsam mit anderen Einheiten auch interessant, die Kameradschaft spiele eine große Rolle, „man macht etwas Gutes, und die Stimmung ist auch gut“, sagt Ullmann. So empfand es auch Greiner vor Ort, „manchmal hat jemand angefangen zu singen, und andere haben mitgesungen.“

Am frühen Nachmittag war der Einsatz für die Wehrleute aus dem Kreis Viersen beendet, andere übernahmen am Deich. Dass sie für den frühen Sonntagmorgen an Heiligabend, 24. Dezember, noch einmal der Ruf zur Deichsicherung ereilte, sie teilweise zu den Gerätehäusern fuhren und dort dann hörten, dass der Einsatz nicht mehr nötig sei – geschenkt. Im Ernstfall werde jede helfende Hand gebraucht, sagt Greiner, „und wir hätten diese Mannschaft auch an Heiligabend wieder zusammenbekommen.“

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