Was soll aus dem Grefrather Freibad werden?

Neues aus der Niersgemeinde: Grefrather Bäder-Debatte geht weiter

Es gibt viele Stimmen für den Erhalt des Freibads. Bei der Sekundarschule sieht man aber große Vorteile des Komibads.

Wer dieser Tage einem Grefrather das Stichwort „Freibad“ nennt, sollte sich Zeit nehmen. Ein Vortrag über den Sinn und Unsinn des Konzepts für die Bäder steht dann nämlich bevor. Ein Experte, der im Auftrag der Gemeinde arbeitete, riet in der vergangenen Woche bekanntlich dazu, das Hallenbad für zwei bis drei Millionen Euro aufzuwerten – samt neuer Außenanlagen. Kombibad heißt diese Lösung. Das Freibad würde in diesem Szenario geschlossen. Zuweilen kommt der Eindruck auf, dass außer den Planungsbüros kaum jemand von dem Plan überzeugt ist.

Im Sportausschuss hatte sich auch Bürgermeister Manfred Lommetz für das Freibad ausgesprochen. Und auch Grefrather Vereine, Parteien und Bürger kritisieren eine mögliche Schließung. Zur Sportausschusssitzung hatten bereits Bürger Unterschriften für den Erhalt des Freibades gesammelt. Begonnen hatte man damit bereits im Sommer 2016. Damals hatten sich Freunde des Freibades mit Blick auf die schlechte Haushaltslage schon mal vorsorglich zusammengetan und sich für den Erhalt des Freibades ausgesprochen.

Thomas Türk, Ortsgruppenleiter der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG), hat kein Verständnis für den Plan „Kombibad“. „Wir wollen, dass das Freibad erhalten bleibt“, sagt der Rettungsschwimmer. Viele verwundert diese Haltung, schließlich veranstaltet die DLRG ihre Einheiten vornehmlich in der Halle. Beim neuen Konzept soll diese ganzjährig geöffnet sein. Aktuell ist in den Sommermonaten nur das Freibad geöffnet.  „Das ist für uns aber kein Problem“, sagt Türk. Die Schwimm- und Rettungskurse würden ohnehin stets von Oktober bis März laufen. Die Trainingsgruppen wechseln im Sommer ins Freibad. „Wenn es richtig heiß ist, ist es natürlich voll“, sagt Türk. Aber zu den Randzeiten hätten seine Leute immer noch ein Plätzchen gefunden.

Am von dem Planungsbüro aus Düsseldorf empfohlenen Kombibad findet Türk wenig Gutes. Auf der anliegenden Schulwiese sollen unter anderem ein Nichtschwimmerbecken und eine Spielanlage für Kinder entstehen. Türk fragt sich, wo etwa Ganztagsschulen oder Sportler, die die Wiese bislang nutzen, hin sollen. Das größte Problem sieht er im geplanten Hubboden für das Lehrschwimmbecken. Türk kritisiert die Idee. Um Kindern das Schwimmen beizubringen, brauche ein Becken mehrere Ebenen, etwa durch eine Treppe im Wasser.

Gegen den Erhalt des Freibads sprechen aus Sicht des beauftragten Gutachters vor allem die hohen Kosten für eine Modernisierung. Sie veranschlagen vier bis fünf Millionen Euro. Und die Millionen für den Standort „Hallenbad“ kämen noch hinzu. Die Grünen in Grefrath hinterfragen die Rechnung. Sie wundern sich etwa, dass ein Planer die Sanierung des Freibads mit einem teuren Edelstahlbecken für alternativlos hält. Es gebe günstigere Varianten. „Aus unserer Sicht benötigt Grefrath kein Kombibad, wenn für eine ähnlich hohe Investitionssumme die Sanierung des Freibades realisiert werden kann“, stellen die Grünen fest. Ohnehin gebe der Haushalt eine Millioneninvestition ohne Steuererhöhung nicht her.

Zumindest an den Grefrather Schulen hat die Kombibad-Idee Unterstützer. Die Schule an der Dorenburg liegt gleich neben dem Hallenbad. Der kommissarische Leiter der Sekundarschule, Christian Rütten, muss dafür sorgen, dass seine Fünft- und Sechstklässler schwimmen können. Die Stunden seien enorm wichtig, ein ganzjährig geöffnetes Bad würde die Arbeit der Lehrer erleichtern. „Flexiblere Hallenzeiten wären eine Entlastung“, sagt Rütten. Ihm ist wichtig, dass bei einem neuen Bäderkonzept das Lehrbecken modernisiert wird. Und, dass die angrenzende Schulwiese vom Umbau betroffen wäre? „Das würden wir in Kauf nehmen“, sagt Rütten. Die Vorteile für den Unterricht überwiegen aus seiner Sicht. Zudem sei das Schulgelände auch so recht großzügig.

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