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Beim ersten Zoom-Vortrag des Kempener Geschichts- und Museumsvereins saßen viele vor dem heimischen Bildschirm: War Haus mit Bogenscharten vom Erzbischof?

Beim ersten Zoom-Vortrag des Kempener Geschichts- und Museumsvereins saßen viele vor dem heimischen Bildschirm : War Haus mit Bogenscharten vom Erzbischof?

(Red) Grabungen in der Kempener Innenstadt – das war ein Thema, das die Menschen anzog. 49 Teilnehmerinnen und Teilnehmer schalteten sich beim ersten Zoom-Vortrag des Kempener Geschichts- und Museumsvereins am Sonntag zu, weitere saßen als Partner mit vor dem Bildschirm.

Tina Hirop, Grabungshelferin bei der Firma Ardika, berichtete anschaulich und mit bislang noch nie veröffentlichten Fotos von den Grabungen auf dem Grundstück an der unteren Ellenstraße (früher Heitzer) und vom Grundstück an der oberen Ellenstraße/ Ecke Oelstraße (früher Spielwaren Stein). Auf dem Heitzer-Grundstück waren als letzte Überreste eines mittelalterlichen Hauses Fachwerk und Lichtnischen in einem Keller gefunden worden, dazu eine alte Zisterne. Für Laien unkenntlich waren auch Reste eines Wassergrabens ausgegraben worden. Ob es Teile einer früheren Befestigung Kempens sind? Man weiß es nicht, so Hirop.

Noch spektakulärer sind die Ergebnisse an der oberen Ellenstraße. Entdeckt wurden in einer Mauer Reste von Bogenscharten, also Schießscharten speziell für Bogenschützen. Dieser Fund und die ungewöhnliche Größe der Ziegelsteine lassen das dort gelegene Gebäude auf die Zeit vor 1200 datieren, wahrscheinlich war es noch älter. Mit Schießscharten befestigt war aber kein normales Wohnhaus, auch die Höhe der Mauer spricht für ein besonderes Gebäude. Auch aufgrund seiner zentralen Lage an der günstig gelegenen Kreuzung alter Verbindungsstraßen stellte Tina Hirop als Vertreterin des Archäologenteams die These auf, dass dort der erste Herrenhof des Erzbischofs im heutigen Kempen gelegen hat. Und nicht wie bisher gedacht, an der Stelle der heutigen Burg. Im Schutz dieses erzbischöflichen Hofes habe sich dann die Siedlung entwickelt, auch die Kirche sei in der Nähe des Hofes gebaut worden. Erst als die Siedlung gewachsen war, so vermuten die Archäologen, und weitere Ausbauten an dieser Stelle aus Platzmangel nicht möglich waren, wurde Ende des 13. Jahrhunderts ein erster größerer Bau an der Stelle der heutigen Burg errichtet, der dann später erweitert wurde. Verkehrstechnisch lag jedoch diese Stelle bei weitem nicht so gut, so Tina Hirop.

Das Publikum an den Bildschirmen hörte gebannt zu und verfolgte die Erklärungen und gut beschrifteten Auszeichnungen auf den Fotos konzentriert. Auch die Gelegenheit, im Anschluss an den Vortrag Fragen zu stellen, wurde genutzt. Diese Form der Präsentation als Reaktion auf die Corona-Beschränkungen kam bei vielen Menschen sehr gut an, teilte Vorsitzende Ina Germes-Dohmen im Anschluss an den Vortrag mit. Der Vortrag soll wahrscheinlich im Herbst im Heimatbuch veröffentlicht
werden.