Vorstellung des Verkehrsgutachtens Kempen-West

Vorstellung des Verkehrsgutachtens : Anwohner wollen erst die Umgehung

Zur Vorstellung des Verkehrsgutachtens für das Baugebiet Kempen West kamen etwa 150 Bürger. Betroffene untermauerten ihre Position.

Am Vorgehen der Stadtplaner für das neue Baugebiet im Kempener Westen scheiden sich nach wie vor die Geister. Anwohner von Berliner Allee, Birkenallee und Oedter Straße, die sich in zwei Bürgerinitiativen („Fahrradstadt Kempen“ und „Lärmschutz K 12“) zusammengeschlossen haben, unterstrichen am Montagabend bei der Bürger­information zum Verkehrsgutachten für den Kempener Westen ihre Hauptforderung, für das Baugebiet zunächst eine Umgehungsstraße zu bauen.

Jan Diesfeld vom Büro Planersocietät aus Dortmund stellte das Gutachten den fast 150 Besuchern in der Mensa der Martin-Schule zunächst vor, erläuterte – wie schon in der Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Planung und Klimaschutz am 29. April – die Ergebnisse der Verkehrszählung und die untersuchten Varianten für eine Verkehrsanbindung des neuen Stadtquartiers, das ab 2025 in vier Bauabschnitten zwischen Ziegelheider Straße im Süden und Straelener Straße im Norden entstehen soll.

Die Stadt will den Verkehr
lieber schrittweise erschließen

Bis zu 3000 Einwohner könnte der neue Stadtteil im Kempener Westen einmal haben, wenn auch der letzte Bauabschnitt etwa 2035 realisiert wird. Klar ist, dass es mehr Verkehr geben wird und dass eine neue Verkehrsführung für den Kempener Westen entwickelt werden muss. Anwohner fordern seit geraumer Zeit eine Umgehungsstraße. Die würde jedoch – ohne Grund­erwerb und Planungskosten – etwa 15 Millionen Euro kosten. Planung und Bau würden zudem viele Jahre dauern. Derzeit ist ungewiss, ob die Stadt Fördermittel für den Bau einer solchen Umgehung bekäme.

Aus Sicht der Anwohner von Berliner Allee, Birken­allee und Oedter Straße sollte zunächst diese Umgehung gebaut werden, dann sollten die Häuser im Baugebiet folgen. Die Betroffenen befürchten ansonsten den Verkehrskollaps vor ihrer Haustür. Die Stadt dagegen tut sich – vor allem aus Kostengründen – schwer mit einer solchen Lösung. Die Stadtplaner wollen lieber schrittweise die Verkehrserschließung vornehmen.

Im Kempener Rathaus bevorzugt man einen sogenannten integrierten Ringschluss, eine kleine Variante einer Nord-Süd-Achse zwischen dem Kempener Außenring im Norden und im Süden. Diese Lösung würde zwar auch etwa neun Millionen Euro (ohne Grunderwerb und Planung) kosten, sie ließe sich aber schrittweise zu den jeweiligen Bauabschnitten realisieren und gegebenenfalls anpassen. Diese Variante soll dann auch verbunden sein mit anschließenden Umbauten von Berliner Allee, Birkenallee und Oedter Straße zur Verkehrsberuhigung. Was den Ringschluss angeht, laufen Gespräche der Stadt mit dem Kreis, um die neue Straße möglicherweise als Kreisstraße zu klassifizieren.

Der Technische Beigeordnete Marcus Beyer erklärte auf Nachfrage aus dem Publikum, warum die Stadt den ersten Bauabschnitt im Gebiet zwischen Ziegelheider Straße und Schmeddersweg plane: Dort komme die Stadt schneller in den Besitz der notwendigen Flächen.

Ursprünglich sollte im Norden im Bereich der Straelener Straße mit dem Baugebiet begonnen werden. Doch dort gestaltet sich der Grund­erwerb für die Stadt schwieriger. Gleichwohl soll der Baustellenverkehr für den ersten Abschnitt über eine provisorische Baustraße zwischen Schmeddersweg und Straelener Straße abgewickelt werden.

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