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Von den kulturellen Kategorien des Finanzamts

Von den kulturellen Kategorien des Finanzamts

Für die Kabarettveranstaltungen in Kempen müssen die Besucher künftig mehr Geld berappen. Verantwortlich dafür ist eine neue Steuergesetzgebung für Kulturschaffende.

Kempen. Der Gesetzgeber hat Unternehmen, Vereinen und Privatleuten mit der neuen Datenschutzverordnung ganz schön viel Arbeit gemacht. Täglich gibt es eine Flut von E-Mails mit Hinweisen auf dieses neue Bürokratiemonster und Zustimmungsbitten für irgendwelche Newsletter. Das Postfach des Flüsterers ist schon mehrfach übergelaufen. Hoffen wir mal auf die nächste Woche, in der sich die Aufregung um die EU-Verordnung wohl ein bisschen legen wird. Es gibt aber noch eine weitere neue Gesetzgebung, die Politik und Verwaltung in Kempen beschäftigt. Konkret den Kulturausschuss am kommenden Montag ab 18 Uhr im Rathaus. Mit Blick auf kulturelle Veranstaltungen gibt es nämlich in der Steuergesetzgebung Veränderungen. Dort, wo bislang eine Steuerbefreiung galt, könnte künftig der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent gelten. Die Verwaltung hat sich schlau gemacht und festgestellt, dass Museen und Büchereinen auch weiterhin steuerfrei bleiben. Ebenso die Musiker (solo, im Ensemble oder im Orchester), die regelmäßig in Kempen auftreten.

Von den kulturellen Kategorien des Finanzamts
Foto: Kurt Lübke

Altstadt-Geflüster

Musik — ob nun Klassik, Jazz oder was auch immer — sind für den Gesetzgeber also weiterhin eine Form von Kultur. Im Bereich Comedy und Kabarett sieht es aber anders aus. Da hat die Stadt nach eigenen Angaben erkannt, dass das Finanzamt für diese entsprechenden Veranstaltungen gerne den Sieben-Prozent-Satz kassieren will. Bringen wir es auf den Punkt: Bei Dieter Nuhr im Rokokosaal verdient das Finanzamt mit, bei irgendeinem Musik-Event in der Paterskirche nicht. Soweit zum Beispiel. In der Realität hat die neue Steuerregelung damit Auswirkungen auf die acht kabarettistischen Veranstaltungen im St. Huberter Forum in der neuen Saison. Die Stadt muss nämlich die Preise erhöhen. Die Einzelkarten werden jeweils 1,50 Euro teurer (Beispiel Kategorie A: 20 statt 18,50 Euro). Das Abo in der A-Kategorie kostet künftig 127 statt 119 Euro. Die anderen Kulturreihen bleiben preislich unverändert. Zustimmen muss aber noch der Kulturausschuss.

Bleiben wir im kulturellen Bereich: Morgen gibt es eine spezielle Führung durch die Sonderausstellung „Unterwegs in eine neue Heimat? — Menschen auf der Suche“. Ab 11 Uhr führen die ausstellenden Künstler durch die Schau im Kramer-Museum. Dazu geht der Maler Martin Lersch mit seiner Frau Gesine Lersch-van der Grinten auf eine musikalische Entdeckungsreise. Dabei werden diverse Instrumente und Gesang an verschiedenen Stellen im Museum, Burgstraße 19, zu hören sein. Das Motto lautet „Klangvolle Ausstellung“. Die Teilnahme an der Führung ist kostenlos. Es ist lediglich der reguläre Museumseintritt von steuerbefreiten zwei Euro zu bezahlen.

Der Sommer soll sich ja an diesem Wochenende zeigen. Temperaturen an der 30-Grad-Grenze stehen uns ins Haus. Da ist es doch prima, dass das Café Himmlisch an der Judenstraße seine Sommeröffnungszeiten eingeführt hat. Ab sofort ist länger geöffnet: montags, dienstags, mittwochs und freitags von 9 bis 17.30 Uhr, samstags und sonntags von 9.30 bis 17 Uhr. Der Donnerstag bleibt Ruhetag — auch im Sommer.

Wenn es um das Schützenbrauchtum geht, müssen wir die Altstadt verlassen. Denn die innerstädtischen Bruderschaften blühen nicht mehr wirklich voller Leben. Dafür wird das Brauchtum aber in den Honschaften außerhalb der Stadt gepflegt — jüngst beim großen und schillernden Schützenfest der Klixdorfer Bruderschaft Hüskes Krone. Dort haben offenbar einige ihre Preise aus der Tombola noch nicht abgeholt. Darauf weist Heribert Welter den Flüsterer hin und liefert gleich die Losnummern der noch abzuholenden Gewinne mit: 209, 301, 562, 1195, 1370, 1657, 1716 und 1931. Wer ein entsprechendes Los hat, kann sich bei Welter melden: Tel. 0172/2115389.

Nun geht’s noch ein paar Meter weiter — von Klixdorf nach Orsay: Seit vielen Jahren treffen sich Kempener mit den Freunden aus der französischen Partnerstadt zum Pfingstaustausch. So auch in diesem Jahr. 16 Kempener reisten am vergangenen Wochenende nach Frankreich. Das Partnerschaftskomitee Orsay, geführt von seinem Präsidenten Marc Sauteron, hatte wieder einmal ein tolles Programm ausgearbeitet. Am Samstag ging es nach Chartres, um die berühmte Kathedrale, die Stadt und das internationale Zentrum für Glasmalerei anzuschauen. Am Sonntag wurde die grausame Seite von Paris durch eine Führung durch das Stadtzentrum nähergebracht: Die Stätten, an denen Ganoven und Kriminelle, aber auch Hexen und Mörder in früheren Zeiten hingerichtet wurden, wurden anschaulich durch Geschichten von einem kundigen Führer erläutert. Am Nachmittag wurde Montmartre besucht. Marc Sauteron führte durch das alte Stadtviertel und es gab die Möglichkeit, die Kuppel von Sacre Coeur zu besteigen. Im nächsten Jahr sollen dann wieder Gäste aus Orsay nach Kempen kommen.