Von-Broichhausen-Stift in Kempen wird 50 Jahre alt

Jubiläum : 50 Jahre: Das Von-Broichhausen-Stift feiert

Im Juni 1969 wurde der Neubau des Altenheims am Heyerdrink eröffnet. Es galt damals als eine der modernsten Senioreneinrichtungen in der Region. Heute wird das 50-jährige Bestehen gefeiert.

Am heutigen Samstag feiert das Von-Broichhausen-Stift am Heyerdrink 21 in Kempen sein 50-jähriges Bestehen. In dem Seniorenzentrum leben derzeit gut 100 ältere Menschen in stationärer Betreuung. Insbesondere für sie wird anlässlich des Jubiläums ein Sommerfest organisiert. Als das Altenheim vor einem halben Jahrhundert seiner Bestimmung übergeben wurde, galt es als größte und modernste Einrichtung ihrer Art in der Region.

Als Regionaldekan Dr. Bernhard Brück und der damalige Propst Johannes Hüskes das Haus einsegneten, staunten Besucher aus der gesamten Region über das Modell, das da in der damaligen Kreisstadt Kempen entstanden war. Die Stiftung Hospital zum Heiligen Geist, Trägerin der Kempener Altenheime, erfuhr viel Lob für die Errichtung.

Der Bau des Stifts kostete damals rund zwei Millionen D-Mark

„Das Von-Broichhausen-Stift möge stets vom Geiste tätiger Nächstenliebe zum Wohle der alten und einsamen Mitmenschen getragen werden“, sagte der damalige Bürgermeister Heinz Aan den Boom in seiner Festansprache anno 1969. Das Stift ist nach den Plänen von Architekt Hans Rudolf Ruland für 2 050 000 DM errichtet worden. Das großzügig angelegte Haus mit vielen Gesellschaftsräumen und eigener Kapelle umfasste 11 000 Kubikmeter umbauten Raum und eine Nutzfläche von 2700 Quadratmetern. Das Haus hatte 73 Betten, die von Anfang an belegt waren. Bereits kurz nach der Eröffnung wurde deutlich, dass das Von-Broichhausen-Stift von einem guten Geist geprägt war. Die Nachfrage nach Wohnplätzen stieg.

Die Stiftung entschloss sich deshalb zu einem Erweiterungsbau, der 1989 eröffnet wurde. „Die stationäre Seniorenbetreuung so nachhaltig und konsequent zum Wohle der Stadt und ihrer Menschen forciert zu haben, das war in meinen Augen ein Meisterwerk der Stadtväter“, lautet das Urteil von Harald Jansen. Der heute 75-Jährige hat als Verwaltungsdirektor der Hospital-Stiftung ab 1983 zweieinhalb Jahrzehnte lang die Geschicke des Von-Broichhausen-Stiftes verantwortlich mitgetragen.

Ab 1989 verfügte das Von-Broichhausen-Stift mit den Häusern Martin und Thomas also über 135 Betten. Für die Erweiterung unter Bauleitung von Architekt Horst Tenten hatte die Stiftung noch einmal 17 Millionen DM aufgebracht. Treibende Kraft für die Erweiterung war der damalige Stadtdirektor Klaus Hülshoff.

Bis zum heutigen Tag ist das Von-Broichhausen-Stift geprägt nicht nur durch fürsorgliche Betreuung der älteren Semester, sondern durch pulsierendes Leben. Legendär sind Karnevalssitzungen im großen Saal, Kegelabende auf der hauseigenen Bahn, Konzerte des Arnold-Chors, Kulturveranstaltungen aller Art, Bilderausstellungen, unter anderem vom Kempener Illustrator Jürgen Pankarz zum Thema Hanns Dieter Hüsch.

„Ich erinnere mich an sehr viele schöne Begegnungen im Broichhausen-Stift“, sagt der Kempener Ehrenbürger Karl-Heinz Hermans, der von 1989 bis 1999 Bürgermeister und von 1974 bis 1976 Karnevalsprinz war. Aber auch als Bäckermeister hatte der heute 89-Jährige gute Erfahrungen mit dem Von-Broichhausen-Stift. Schließlich lieferte Hermans jahrzehntelang allmorgendlich 100 frische Brötchen zum Heyerdrink.

„Es ist nach wie vor ein gemütliches, ein komfortables Haus. Aber es ist auch in die Jahre gekommen“, sagt Jürgen Brockmeyer, der Geschäftsführer der Stiftung. Deshalb hat sich die Stiftung nach gründlicher Prüfung für einen Abriss am Heyerdrink und einen Neubau von zwei Einheiten mit jeweils etwa 80 Pflegeplätzen am Schmeddersweg entschieden. „Eine Sanierung würde sich nicht rechnen und die Stiftung in ein hohes finanzielles Risiko treiben“, sagt Jürgen Brockmeyer. Stadt und die für die Pflegebedarfsplanung zuständigen Behörden tragen diese Entscheidung und haben signalisiert, dass mit dem Neubau auf dem Feld gegenüber dem Sporthotel bereits 2020 begonnen werden kann. Brockmeyer: „Durch diese zügige Vorgehensweise ist auch gewährleistet, dass Kempen die Zahl der stationär betreuten Senioren halten kann und die älteren Menschen nicht in andere Orte abwandern
müssen.“

Ein Argument, das Ehrenbürger Hermans gut nachvollziehen kann: „Vor dem Von-Broichhausen-Stift war es so, dass wir unsere Senioren höchstens mal in der Altenstube besuchen konnten. Mit den Stiften hat das Alter in Kempen sozusagen eine feste Heimat und eine gute Adresse bekommen.“ akü/tkl

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