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Virtuose Nachtmusik in der Paterskirche in Kempen mit Humor gewürzt

Altweiber-Fastnacht-Alternativ-Konzert : Musiker-Duo begeistert in der Paterskirche mit Humor und Virtuosität

Für alle, die dem Altweiber-Treiben entfliehen wollten, bot das Ensemble „Eine klitze-kleine Lachmusik“ eine Alternative.

. In der Kempener Nachtmusik-Reihe haben sie das „Altweiber-Fastnacht-Alternativ-Konzert“ übernommen: der inzwischen „in den Unruhestand gewechselte“ Hornist der Berliner Philharmoniker, Klaus Wallendorf, und der Pianist und Dirigent Andreas Kowalewitz, Kapellmeister am Münchner Gärtnerplatztheater. Das Duo nennt sich „Eine klitze-kleine Lachmusik“ und bezeichnet sich als „die personalsparende Luxusfusion der Berliner Philharmoniker mit dem Münchner Staatstheater am Gärtnerplatz“.

„Wie immer an Altweiber sind wir ausverkauft“, berichtete ein strahlender Peter Landmann. Er verantwortet neben den Klosterkonzerten auch die „Nachtmusiken“, die beliebten Spätveranstaltungen in der unbestuhlten Paterskirche, die mit Prosecco und Brezeln – Wegzehrung beim Warten auf Einlass – beginnen. Durch seine weitreichenden Kontakte gelingt es dem Künstlerischen Leiter immer wieder, bedeutende und außergewöhnliche Künstler nach Kempen zu locken – für die Nachtmusiken häufig auch solche, die bereit sind, ihre Kunst humorvoll auf die Schippe zu nehmen.

Auch dieses Mal hatte Landmann mit seiner Wahl voll ins Schwarze getroffen, denn die beiden locker und doch immer minutiös aufeinander abgestimmt agierenden Künstler strapazierten auf angenehmste Weise die Lachmuskeln des beifallsfreudigen Publikums. Während Kowalewitz am Flügel brillierte und unnachahmlich E- und U-Musik aller Stilistiken blitzschnell miteinander zu verbinden wusste, übernahm Wallendorf souverän die Conférence, wenn er nicht gerade sang oder versiert auf seinem Instrument, dem Horn, spielte. Auch Gesangsduette gab’s: beispielsweise das humorig umgedichtete Rezitativ des Figaro, worauf es gleich weiter zum Papageno ging. Mozart war zunächst erste Wahl – „Mozart zum Kugeln“ – als Gegenentwurf zum Beethoven-Jahr. Mozart weilte 1789 in Berlin; das wurde unterstrichen mit dem „Türkischen Marsch“, der zum Mitklatschen animierte.

An Paul Linckes „Berliner Luft“ hielten sich die launigen Interpreten länger auf. Sie variierten sie mit dem Bolero, dem Rosenkavalier, der Fledermaus, mit Petruschka, den „Heiligen Hallen“ (Zauberflöte), dem Liebestraum von Franz Liszt und sogar mit dem Radetzkymarsch. Und immer – oh Wunder – war die „Berliner Luft“ am Ende wieder da. Das „Büttenlied“, eine köstliche Persiflage auf Karnevalsschlager, endete stets mit dem Refrain „im Karneval, im Karneval brauchst Du Pappnasen und eine Leber aus Stahl“.

Italien war ebenso ein Thema wie das „Chiemseer Bauerntheater“, hier wurde die tragische Beziehungskiste tonmalerisch am Klavier untermauert und endete in einer rasanten Coda. „Sie sind ein beneidenswertes Publikum“, befand Wallendorf zum Schluss. „Sie durften alle unsere Vorträge genießen. Für Ihr vorbildliches Applausverhalten gewähren wir Ihnen noch eine Zugabe.“ Daraus wurden selbstverständlich zwei. Die letzte endete mit den in irrem Tempo vorgetragenen Namen der 19 U-Bahn-­Stationen in Tokio. oeh