„Viele Eltern kochen vor Wut“

Elternvertreter und Leiter der Kempener Schulen sind frustriert. Sanierungen und Zukunftsplanung kommen nicht voran.

Kempen. In drei Wochen werden Schüler und Lehrer in die Ferien entschwinden und sich dann sechs Wochen lang erholen. Glaubt man den Vertretern der Stadtschulpflegschaft, die die Interessen der Eltern aller Schulen bündelt, ist der Erholungsbedarf in Kempen besonders groß. Dazu trägt aus Sicht der Eltern eine Menge Frust bei. Dieser sei entstanden, weil sich mit Blick auf aktuell notwendige Sanierungen und die Zukunftsplanung unter der Überschrift „Schulcampus Kempen“ wenig bis nichts tut. „Es gibt so viele Probleme, die nicht angepackt werden“, sagt Gudrun de la Motte, Sprecherin der weiterführenden Schulen in der Pflegschaft, auf Anfrage der WZ. „Viele Eltern kochen vor Wut.“

Foto: Kurt Lübke

Beginnen wir mit den aktuellen Projekten. Zum Beispiel mit dem bereits beschlossenen Sonnenschutz für Räume in der Erich Kästner Realschule, die von der Gesamtschule genutzt werden. Seit vier Jahren laufe bereits die Diskussion. Fast genauso lange sei allen Beteiligten klar, dass dort im Sommer kein vernünftiger Unterricht möglich sei, sagt de la Motte. „Und es gibt ja schon lange einen Beschluss zur Problemlösung.“ Immerhin ist nun ein Termin zur Umsetzung in Sicht. Nach den Sommerferien sollen die Arbeiten beginnen. „Der Sonnenschutz wird voraussichtlich in den letzten Wochen der Sommerferien angebracht. Die Ausschreibung ist erfolgt und der Auftrag wird nach Prüfung der Ausschreibung erteilt. Ziel ist es, mit Beginn des Schuljahres 2018/2019 die Temperatur in den betroffenen Klassen zu senken und damit zu einem besseren Raumklima in den Klassen beizutragen“, teilt die Stadt auf Anfrage mit.

Foto: Kurt Lübke

Ein weiteres von vielen Problemen war die Installation von vorhandenen Beamern im Gymnasium Thomaeum. „Die Beamer sind bereits seit einem Jahr in der Schule vorhanden“, sagt Ute Gremmel-Geuchen, Vorsitzende der Stadtschulpflegschaft. „Sie konnten aber lange Zeit nicht installiert werden, weil die Stromleitungen offenbar nicht dafür ausreichten.“ Lange sei nichts passiert, nun habe sich die Stadt zu handwerklichen Lösungen entschlossen, die Fragen aufwerfen. Unter anderem über einen Mehrfachstecker besorgt sich der jeweilige Lehrer Strom in einer Steckdose — gleich neben einem Waschbecken. „Ob das alles fachlich korrekt und auch ungefährlich ist, vermag ich nicht zu beurteilen“, so Gremmel-Geuchen.

Ein weiteres digitales Thema ist WLAN. Während alle Grundschulen schon über diese für den Unterricht erforderliche Technik verfügen, gibt es sie noch in keiner weiterführenden Schule. Nach langem Warten ist die Infrastruktur in Gesamt- und Realschule inzwischen installiert. Zum neuen Schuljahr will die Stadt die Technik auch nutzbar machen, heißt es auf Anfrage. Die Gymnasien Thomaeum und Luise-von-Duesberg (LvD) müssen noch länger warten. Dort geht es nach den Ferien an die Infrastruktur. Der politische Beschluss zur Umsetzung besteht seit einem Jahr.

Ebenfalls lang ist die Mängelliste in den Grundschulen. Bereits im Mai hatten die Vertreter der Schulpflegschaft dies in einem Brandbrief kundgetan. Inzwischen sei das eine oder andere repariert worden, bestätigt Dietmar Rheinfelder, der die Interessen der Grundschul-Eltern vertritt. Man werde dann nach den Ferien sehen, was tatsächlich alles repariert worden ist. „Grundsätzlich vermisse ich im Verwaltungshandeln aber jeglichen Plan oder ein Konzept“, so Rheinfelder. Vieles leichter machen würde aus seiner Sicht ein Finanz-Budget für jeden Schulleiter, über das er für kleinere Arbeiten verfügen kann. Rheinfelder: „Im Moment muss sich ein Hausmeister für ein Paket Schrauben einen Materialbeschaffungsschein im Rathaus holen. Mehr muss ich wohl nicht sagen.“

Größte Sorge bereite den Eltern aber die akute Raumnot in fast allen Schulen. Das betreffe sowohl die Grund- als auch die weiterführenden Schulen. „Und vom großen Projekt Schulcampus haben wir noch nicht viel gemerkt“, so Gremmel-Geuchen. Die für den baulichen und pädagogischen Umbau erstellten Gutachten seien noch nicht präsentiert worden. Der Lenkungsausschuss mit Mitgliedern aus Verwaltung, Fraktionen, Schulen und Elternschaft habe seit seiner Gründung vor einem Jahr nicht ein einziges Mal getagt.

Das bestätigt auch Uwe Hötter, Leiter der Gesamtschule, für die das Thema Raumnot besonders akut ist. Dort geht 2020 die Oberstufe an den Start, die spezifische Fachräume braucht. Die könnten entweder in einem schon leeren Hauptschul-Gebäude oder in einem Neubau entstehen. „Es gibt aber noch keine konkreten Ideen“, sagt Gudrun de la Motte. „Insofern rechne ich schon mit einer — provisorischen — Container-Lösung.“ Hötter sagt, dass die Stadt Kempen nach den Ferien Ideen präsentieren möchte. „Das werde ich dann aber auch einfordern. Schüler, Eltern und die Kollegen in allen Schulen brauchen Klarheit“, so Hötter.

Zur Zukunftsplanung „Campus“ sagt die Stadt Kempen aktuell, dass Gespräche laufen. Schuldezernent Michael Klee und der neue Technische Beigeordnete Marcus Beyer seien in der Abstimmung. Konkreteres könne erst in Kürze veröffentlicht werden.

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