Verzögerungen bei Übergangs-Kita in St.Hubert bereiten große Sorgen

Eltern sind verägert : Kita-Plätze: Stadt Kempen muss 69 Absagen erteilen

Die sogenannte Übergangs-Kita in St. Hubert wird nicht rechtzeitig fertig. Die Verwaltung hat massive Probleme, den Rechtsanspruch der Eltern zu erfüllen.

Dass die Vergabe der Kindergartenplätze in Kempen ein knappes Rennen ist, überrascht niemanden mehr. Seit Jahren kämpfen die Mitarbeiter des Jugendamtes darum, den Rechtsanspruch der Eltern auf einen Platz für Kinder über drei Jahren zu erfüllen. Zudem gibt es zu wenige Kita-Plätze im U 3-Bereich, in dem es (noch) keinen gesetzlichen Rechtsanspruch gibt. Schon die frühere Amtsleiterin Heike Badberg, die vor gut einem Jahr nach Krefeld gewechselt ist, verwies gebetsmühlenartig darauf, dass die Probleme immer größer werden. In den vergangenen beiden Jahren ist es dem Dezernat von Michael Klee gelungen, den Rechtsanspruch zu erfüllen. Mit Hilfe von genehmigten Überbelegungen und beispielsweise der Lösung, dass Kempener Kinder nicht in Kempen, sondern in St. Hubert oder Tönisberg in die Kita gehen.

Für das Kita-Jahr 2019/20 ist die Situation noch angespannter als in den Vorjahren. Vor einigen Tagen haben 69 Eltern eine Absage für einen Kita-Platz bekommen. Das bestätigte die Stadt Kempen. Wie viele Anmeldungen insgesamt vorliegen und wie sich die Absagen auf die Bereiche unter bzw. über drei Jahren verteilen, konnte Stadtsprecher Christoph Dellmans am Donnerstag nicht mitteilen. Die zuständige Sachbearbeiterin sei nicht im Haus.

Den Eltern wurde per Brief mitgeteilt, „dass nicht alle Kinder in den Kindertagesstätten aufgenommen werden können“. Mehrere Eltern meldeten sich erbost bei der WZ. „Familienfreundlichkeit sieht anders aus“, sagte eine Mutter (Name der Redaktion bekannt). „Im Jugendamt stehen die Telefone nicht mehr still“, so Dellmans. Die Unzufriedenheit der Eltern sei verständlich. „Dennoch bitten wir darum, fair gegenüber den Mitarbeitern zu sein. Diese arbeiten zurzeit alle an gemeinsamen Lösungen.“

Kommen wir aber vorher zu den Ursachen. Größtes Problem in der Kita-Planung ist nach Angaben der Stadt, dass die für St. Hubert vorgesehene Übergangs-Kita in Modulbauweise nicht rechtzeitig fertig wird. „Es gab leider kurzfristige Verzögerungen“, so die Mitteilung aus dem Presseamt. Dabei handele es sich um „interne Arbeitsprozesse, Ausschreibungen an ausführende Firmen und Abstimmungen mit dem Landschaftsverband Rheinland (LVR)“.

Schon in der Ratssitzung am 12. März hatte Bürgermeister Volker Rübo mitgeteilt, dass zu dem Thema eine Sondersitzung des Rates einberufen werden müsse. Es gebe Abstimmungsbedarf mit Blick auf den Haushaltsplan. Die Sitzung sei nötig, um die Kita rechtzeitig zum 1. August an den Start bringen zu können. Von Verzögerungen mit Blick auf die Eröffnung war in Rübos Stellungnahme aber nicht die Rede. Das ist jetzt offenbar anders. Die Verwaltung geht davon aus, dass die Interims-Kita erst im Oktober oder November eröffnet werden kann.

„Alle Familien, die aktuell eine Absage erhalten haben, sind für einen Platz in der Interimslösung in St. Hubert vorgesehen. Sobald eine Planung zur Eröffnung dieser Einrichtung vorliegt, werden die Familien über den Start schriftlich informiert“, lautet die Stellungnahme aus dem Rathaus.

„Nachrücker-Verfahren“
soll im April starten

Die Verwaltung geht davon aus, dass man den Eltern, die nun leer ausgegangen sind, schon im April Alternativen vorschlagen kann. Bis Anfang April müssen die Eltern, die eine Zusage bekommen haben, ihre Betreuungsplätze bestätigen. „Danach beginnt die Vergabe von Nachrücker-Plätzen“, so die Stadt. Für Eltern, die Kinder unter drei Jahren betreuen lassen wollen, schlägt die Stadt Kempen einen Platz bei einer Tagesmutter statt in einer Kita vor. Die Eltern seien dahingehend informiert worden, heißt es aus dem Rathaus.

Einen weiteren Lösungsansatz sieht das Jugendamt darin, die sogenannte Notgruppe in der Jugendeinrichtung Campus, Spülwall, zu verlängern. Es gebe Bemühungen, diese Verlängerung beim LVR zu beantragen. Im Campus können Kinder ab drei Jahren versorgt werden.

Zudem bekräftigt die Stadt Kempen, dass alle 69 Eltern, die nun eine Absage bekommen haben, einen Platz in der St. Huberter Interims-Kita bekommen werden.

Grundsätzlich betont die Stadt in ihrer Stellungnahme, dass eine wohnortnahe Betreuung nicht mehr möglich sei. Aufgrund der gestiegenen Nachfrage und fehlenden Ausbaumöglichkeiten in bestehenden Einrichtungen sei dies nicht mehr zu bewerkstelligen.

Unter dem Eindruck der aktuellen Verzögerungen bei der Umsetzung der Übergangslösung an der Stendener Straße in St. Hubert dürften die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung beim Blick in die Zukunft gehörig ins Schwitzen geraten. Bekanntlich ist der Neubau von zwei Kindertagesstätten beschlossen worden. Am Schmeddersweg in Kempen und an der Bendenstraße in St. Hubert sollen Einrichtungen entstehen, deren Plätze für das Kita-Jahr 2020/21 fest eingeplant sind. Planungsfortschritte sind zumindest öffentlich noch nicht erkennbar. Bei der Suche nach Trägern für die Kitas will die Stadt ein Interessens-Bekundungsverfahren durchführen. Dazu lässt man sich im Rathaus extern durch eine Anwaltskanzlei beraten (die WZ berichtete).

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