Verschnaufen für Pflegende

Treffen für Angehörige, die sich zu Hause um einen Kranken kümmern, sind geplant.

Kempen. Das Vergnügen soll im Vordergrund stehen. Das sagt Ursula Freese von So-Net Kempen. Gemeinsam mit Hildegard Steffens-Speidel, Leiterin des Dr. Karl-Rudolph-Hauses in St. Hubert, und Sozialamtsleiter Uwe Brandstaedt stellte sie gestern ein neues Projekt für Pflegende vor — einen Treffpunk, der je einmal im Monat in St. Hubert und im Gemeindesaal von Christ-König stattfinden soll. Es trägt den bezeichnenden Namen „Verschnaufpause“.

„Kraft tanken“ sollen die Angehörigen bei den Terminen, die ansonsten ihre eigene Kraft in die Pflege eines Angehörigen stecken. „Für diese Menschen ist der Alltag oft eine große Herausforderung, die hohe Belastung mit sich bringt“, sagt Steffen-Speidel. Eigene Bedürfnisse und Interessen blieben dabei auf der Strecke. Oft würde der Austausch mit anderen Betroffen helfen. Aber, so Freese: „Wir gründen keine Selbsthilfegruppe“.

Denn es soll neben Gesprächen auch Aktivitäten geben. Egal was. Hauptsache, es mache den Teilnehmer Spaß. Diese sollen vorgeben, was unternommen wird. Spielen, Tanzen, kreative Angebote oder Ausflüge Freese: „Die Menschen sollen mit einer neuen Leichtigkeit und Lebensfreude wieder nach Hause gehen.“

66 Prozent der Menschen, die zu Hause gepflegt werden, hätten Demenz. Und sie würden zu 73 Prozent von Frauen versorgt, nennt Steffens-Speidel Zahlen für ganz Deutschland. 54 Prozent der pflegenden Angehörigen hätten keine Zeit, in Ruhe eigenen Interessen nachzugehen, so eine Erhebung der Berliner Charité.

Für Kempen hat sie ebenfalls Zahlen parat. 2006 gab es 850 pflegebedürftige Menschen. „Die hochgerechnete Zunahme sagt bis zum Jahr 2020 etwa 1200 Personen voraus. Also eine Steigerung um 46 Prozent. 70 Prozent werden zu Hause versorgt, entweder allein durch Angehörige oder in Verbindung mit ambulanten Diensten“, sagt Steffens-Speidel.

Sie weiß von den Schwierigkeiten der helfenden Familienmitglieder, sich vom kranken Angehörigen zu lösen. Je länger ein Mensch mit der Fürsorge beschäftigt sei, desto schwerer falle es ihm, Verantwortung für eine gewisse Zeit abzugeben, um sich um die eigenen Bedürfnisse zu kümmern. Meist würden in der kurzen Zeit Dinge wie Behördengänge oder Friseurbesuche erledigt, aber nichts, was zur Entspannung beitrage. In der St. Huberter Einrichtung wird ein Morgencafé für Pflegende von Demenzkranken angeboten. Etwa fünf Betroffene schauten regelmäßig vorbei und tauschten sich aus, während die Kranken betreut werden.

Eine kostenfreie Betreuung soll es während der Treffen geben. Entweder in der Gruppe oder zu Hause. Je nach Wunsch der Angehörigen und den Möglichkeiten der Organisatoren.