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Verkehrsseminar bei Spedition Nauels: „Wow, der tote Winkel schluckt zwei Schulklassen“

Verkehrsseminar bei Spedition Nauels: „Wow, der tote Winkel schluckt zwei Schulklassen“

Bei einem Seminar in der Spedition Nauels lernten Schüler, wo ein Lkw-Fahrer sie sehen kann — und wo nicht.

Kempen. Vier hohe Stufen sind es bis ins Lkw-Führerhaus. Roman Koenen (13) setzt sich auf den Fahrersitz, umfasst das Lenkrad und schaut in die Rückspiegel. Dort, wo er seine Klassenkameraden neben dem Lkw reden hört, sieht er sie nicht mehr. „Wow, der tote Winkel schluckt ja zwei Schulklassen“, wundert sich der Siebtklässler.

Praktische Verkehrserziehung stand für 56 Siebtklässler der Erich Kästner Realschule kurz vor den Ferien auf dem Stundenplan. Zusammen mit den Klassenlehrerinnen Stephanie Ortmann und Angelika Canders-Lemkens machten sie einen Ausflug zur Spedition Robert Nauels. An der Hülser Straße 67 lernten die Schüler, welche tödliche Gefahr der tote Winkel für Verkehrsteilnehmer darstellen kann.

„Mein Sohn Dominik besucht die siebte Klasse der Realschule. Außerdem absolvieren unsere Berufskraftfahrer ihre jährliche Qualifikation beim Bildungszentrum in St. Tönis. Also habe ich beim BZ angefragt, ob ein Toter-Winkel-Seminar möglich ist“, sagt Claudia Nauels, deren Mann Andreas das Unternehmen führt. „Das machen wir gerne“, antwortete Lkw-Fahrlehrer Manfred Heigenfeld.

Dieser kostenlose Service ist kostbar, denn so lernen Schüler praktisch, wie sie sich als Radfahrer verhalten sollten. „Auf einer Landstraße bin ich mal dicht rechts neben einem Lkw geradelt. Das ist gerade noch gut gegangen, die Situation war aber kritisch“, erinnert sich Dennis Müller (13). Jetzt, nach dem Blick aus dem Lkw-Führerhaus, weiß er um die Gefahr, in die er sich begeben hat. „Das mache ich nicht noch mal“, ist sich Dennis sicher.

„Ein Lkw-Fahrer muss auf viele Dinge gleichzeitig achten“, weiß Manfred Heigenfeld. Zwar verfügt der zwölf schwere Tonnen-Sattelschlepper über sechs Spiegel am Führerhaus, vom „konvexen Fernwinkel“ bis zum „Doblo-Spiegel“ für den Bereich vor dem Wagen. Doch durch Fenster und Außenspiegel sieht der Fahrer nicht alles. „Oft schon hat der tote Winkel tödliche Unfälle verursacht“, sagt der Fahrlehrer.

„Von hier rechts neben dem Lkw sieht es so aus, als sähe der Fahrer alles“, sagt Julia Berg (13). Ihre gleichaltrige Klassenkameradin Leonie Brangs hielt den toten Winkel bislang für „sehr klein“. Nun weiß sie es besser. „Ein erfolgreicher Vormittag“, freut sich Lehrerin Stephanie Ortmann. Für ihre Schüler und sie haben die Ferien also besonders sicher begonnen.