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Kempen: Unterkunft soll auch Begegnungsstätte werden

Kempen : Unterkunft soll auch Begegnungsstätte werden

Im Sozialausschuss hat Dezernent Michael Klee seine Pläne für die Johannes- Hubertusschule vorgestellt.

Kempen. Dass die alte Johannes-Hubertus-Schule in St. Hubert auch weiterhin Flüchtlingen als Unterkunft dienen soll, hatte der Technische Beigeordnete Stephan Kahl bereits im Bauausschuss am Montagabend erklärt. Am Donnerstagabend stellte Sozialdezernent Michael Klee aber noch weitergehende Pläne vor, die er mit den Räumen der ehemaligen Förderschule hat. Im Sozialausschuss legte er ein Konzept „Begegnungszentrum St. Hubert“ vor.

Das Konzept dient der Beantragung von Fördermitteln. Ob es auch umgesetzt wird, hängt also davon ab, ob es eine Förderung vom Land gibt. Dafür hat Klee die Räume des vorderen Bereichs in den Blick genommen, in denen bisher noch keine Flüchtlinge leben. Die Themen Schule und Berufsvorbereitung, Betreuung, Begegnungsräume und Raum für Ehrenamt sollen dort aufgegriffen werden. So ist ein Selbstlern- und Vorbereitungszentrum für Kinder, Jugendliche und Erwachsene geplant, das auch mit Computern ausgestattet werden soll.

Um den Kindern einen besseren Einstieg in das deutsche Schulsystem zu bieten, soll es Seiteneinsteigerklassen geben. Für den Grundschulbereich sollen sie an der Johannes-Hubertus-Schule zusammengefasst werden. Die benachbarte Grundschule könnte als „Partnerschule“ dienen, die auch die Betreuung im offenen Ganztag mit abbilden könnte. Dazu könnten Ehrenamtler aktiv werden. Die Volkshochschule könnte Sprachangebote machen - auch für Erwachsene. So könnten Elternteile und andere Erwachsene in den Schulräumen Sprach- und Bildungsangebote annehmen. Kooperationen mit Unternehmerschaft und Handwerk könnten genutzt werden, um Angebote im praktischen Ausbildungs- und Beschäftigungsbereich machen zu können.

„Die Menschen brauchen eine Tagesstruktur. Wir wollen ihnen Möglichkeiten zur Beschäftigung bieten“, erklärte Michael Klee. Ein „Familienzimmer“ soll den Familien eine Chance geben, Räume auch außerhalb der teils beengten Unterkunft nutzen zu können. In „Begegnungsräumen“ können Asylbewerber und Kempener Bürger zusammenkommen. Konzerte, Theater, Themen- oder Koch-Abende könnten dort stattfinden.

„Das bestehende Ehrenamt in St. Hubert und Kempen ist ein wertvoller Grundpfeiler einer Integration, die es zu stützen und auch weiter zu entwickeln gilt“, heißt es im Konzept. Räume der alten Schule sollen den ehrenamtlich Aktiven zu Verfügung stehen, die dann über ein Raumbelegungsportal im Internet „gebucht“ werden können. Interessen- und Brauchtums-, Sport- und Freizeitgruppen können sich darstellen und unter den Flüchtlingen neue Teilnehmer gewinnen.

Michael Klee freute sich mitteilen zu können, dass die Stadt Kempen seit Anfang 2016 anerkannte Einsatzstelle für sieben Stellen im Bundesfreiwilligendienst mit Flüchtlingsbezug ist. Ein Teil dieses Stellenkontingents soll in die Betreuung und Begleitung der Johannes-Hubertus-Schule einfließen. Die Stadt plant 410 000 Euro zu investieren, unter anderem in die Modernisierung von Elektrik, Heizung und Sanitäranlagen, Barrierefreiheit, Brandschutz, Ausstattung der Räume und Erweiterung der Außenanlagen.

Um eine erfolgreiche Vernetzung sicherzustellen und das Schulungs- und Begegnungszentrum gut an den Start zu bringen, soll eine volle Stelle für Quartiersmanagement und Leitung des Zentrums eingerichtet werden. Dafür werden Gesamtkosten von 70 000 Euro pro Jahr veranschlagt. Der Antrag musste bereits bis gestern gestellt werden. Wenn dieser bewilligt wird, könnten mindestens 60 Prozent der Kosten vom Land finanziert werden, so Klee. Die Förderung liefe über drei Jahre. Im März sollen der Haupt- und Finanzausschuss und der Rat über das Konzept und dessen Umsetzung entscheiden.

Klee machte deutlich, dass man in Kempen ab Anfang/Mitte März wieder mit verstärkten Flüchtlings-Zuweisungen rechnet. Die Stadtverwaltung ist bereits wieder auf der Suche nach neuen Flächen für Unterkünfte. Fünf bis sechs Standorte habe man in den Blick genommen, die nun geprüft und in den nächsten Monaten vorgestellt würden.