Umfrage zur WM bei Handballern aus dem Kreis Viersen

Stimmung vor der WM: Suche nach der Handball-Euphorie

Zum WM-Start sprach die WZ mit Verantwortlichen aus dem Kreis Viersen.

Nach der Enttäuschung bei der letzten EM in Kroatien wollen es die deutschen Handballer jetzt besser machen, zumal sich das Team von Coach Christian Prokop (40) Schützenhilfe und Rückenwind von den heimischen Zuschauern verspricht. Denn die am Donnerstag beginnende Weltmeisterschaft findet in Deutschland und Dänemark statt. Wie sind die Chancen des deutschen Teams um Andreas Wolf, Silvio Heinevetter, Uwe Gensheimer und Patrick Wiencek? Die WZ hat einige Verantwortliche der handballtreibenden Vereine befragt.

Skepsis und Zuversicht halten sich so etwa die Waage. „Ich hoffe, dass sie die Vorrunde überstehen, mehr zeigen als bei der letzten EM und dass sie sich weiter entwickelt haben“, äußert der Trainer der ersten in der Verbandsliga spielenden Herrenmannschaft der Turnerschaft Grefrath, Michael Küsters. Der heute 51-Jährige, der seine Erfahrung seit langem als Trainer weitergibt, spielt seit seinem elften Lebensjahr Handball. Er kann sich noch an die Anfänge erinnern: „Es war das Jahr 1978, mein Vater wollte mir zum Geburtstag für 100 Deutsche Mark entweder Fußball- oder Handballschuhe kaufen.“ Und da Deutschland gerade Handball-Weltmeister geworden war, entschied er sich für den Handball, trat dann auch umgehend mit einem Freund in die Turnerschaft ein.

Ausfall des Aldekerkers Kühn schmerzt die hiesigen Experten

Küsters bedauert, dass „unser Aldekerker Jong“, gemeint ist Julius Kühn, der die Kempener Realschule besucht hat, verletzt ausfällt. „Der war immer im Rückraum ein wichtiger Spieler“, hofft der Grefrather Coach dennoch, dass das Team weit kommt, dass vor allem der Trainer dazu gelernt hat: „Prokop ist ein akribischer Arbeiter, muss seinen Spielern aber auch mal Freiräume lassen.“ Auch der Vorsitzende der Grefrather Turnerschaft, Andreas Hillen, kennt sich als langjähriger Spieler und Coach mit dem Handball bestens aus, sein Kommentar: „Ich fiebere mit, kann aber nicht so recht glauben, dass das Team einen Spitzenplatz bei der WM erreicht.“

In einigen Vereinsheimen
gibt es  Public Viewing

„Ich habe das letzte Vorbereitungsspiel gegen Argentinien gesehen und da hat mir die Deckung sehr gut gefallen“, will der Handball-Obmann der Turnerschaft St. Tönis, Jürgen Topp, nicht ausschließen, dass die Mannschaft bis in Halbfinale kommen kann. Es müsse dann aber alles stimmen, vor allem auch die Torhüter-Leistungen und die Tempo-Gegenstöße. Jürgen Topp, seit 17 Jahren im Vorstand der Turnerschaft (dort spielen nicht weniger als 20 Teams, die Damen sogar in der Regionalliga Nordrhein, die Herren in der Verbandsliga), ist seit 17 Jahren im Vorstand, hat in den 1980er Jahren selbst in der Oberliga gespielt. Er weist daraufhin, dass für die Mitglieder in der Vorrunde ein Public Viewing im Vereinsheim, Corneliusstraße 25 c, stattfindet. Dies bietet auch die Turnerschaft Grefrath in ihrer Cafeteria an der Bruckhauser Straße an.

    „Wenn die Truppe zusammen findet und hinter ihrem Trainer steht, müsste eigentlich eine bessere Platzierung als 2018 bei der EM (neunter Platz), möglich sein“, meint der Abteilungsleiter Handball beim Anrather Turnverein, Philipp Roefs. Es sei eine schwierige Aufgabe, weil zusätzlich ein enormer Erfolgsdruck auf den Trainer laste. Jedenfalls ist Philipp Roefs zuversichtlich. Er hat auch bereits Karten für einige Hauptrundenspiele in Köln am 21. Januar, dann hoffentlich mit der deutschen Mannschaft. Für den Vorsitzenden des TV Anrath, Freddy Krüger, ist Deutschland kein Top-Favorit, könne aber wegen des Heimvorteils die Vorrunde überstehen.

    Roland Beurskens, Vorsitzender des TV Vorst, schätzt Serbien, die Russen, Dänemark, Island und Frankreich stärker ein als das deutsche Team, hofft auf ein Weiterkommen. Sein Handball-Abteilungsleiter, Thorsten Zimmermann, ist zuversichtlich, dass die Gensheimer-Truppe wie 2007 den Heimvorteil nutzt und weiterkommt. Personell sei man aber doch noch von der Weltspitze entfernt. Auch Zimmermann bedauert, dass Julius Kühn nicht dabei ist, glaubt aber, dass Coach Christian Prokop die richtige Schlüsse aus der verkorksten EM in Kroatien gezogen habe. Auch im Vereinslokal des TV Vorst werden die Vorrundenspiele übertragen.

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