Träger interessieren sich für Kempener Kindertagesstätten

Kempen: Träger sind an Kindertagesstätten interessiert : Kita-Träger wollen nach Kempen 

Awo, Kirchen und Co. haben ein Interesse an der Thomasstadt. Politik und Verwaltung sind nun am Zug.

Die Kindergarten-Landschaft in Kempen ist in Bewegung. Der Bedarf steigt. Es müssen zusätzliche Plätze her. Daher wird zurzeit auch darüber gesprochen, wer als Träger für neue Kindertagesstätten (Kitas) in Frage kommt. Die Stadt will die Interimslösungen im kommenden Kita-Jahr mit städtischem Personal sicherstellen. Für die Kitas, die am Schmeddersweg in Kempen und an der Bendenstraße in St. Hubert mit je sechs Gruppen neu gebaut werden, sollen die Trägerschaften durch ein sogenanntes Interessenbekundungsverfahren geklärt werden. Dieses läuft zurzeit.

Aktuell sind neun der 17 Kitas in Kempen in städtischer Trägerschaft. Die Horizonte GmbH als Träger der katholischen Kitas in der Region Krefeld/Kempen-Viersen verwaltet drei Einrichtungen, die evangelische Kirchengemeinde Kempen zwei und die katholische Kirchengemeinde St. Martinus in Tönisberg, die zum Bistum Münster gehört, eine. Dazu gibt es zwei Kindertagesstätten, die von Vereinen bzw. Elterninitiativen betrieben werden.

Trägervielfalt soll es Eltern ermöglichen, aus verschiedenen Angeboten und Konzepten das für sie Passende zu wählen. Für Kommunen haben freie Träger zudem den Vorteil, dass sie Aufgaben abgeben und sich zum Beispiel nicht selbst um die Einstellung von Personal kümmern müssen. Der Fachkräftemangel in diesem Bereich soll in den nächsten Jahren ein wachsendes Problem werden.

Zweifel gibt es aber auch, ob freie Träger der richtige Weg sind. Von der Fraktion der Linken gab es im vergangenen Jugendhilfeausschuss zum Beispiel den Hinweis, dass man als öffentlicher Träger Rahmenbedingungen wie die Bezahlung der Mitarbeiter selbst in der Hand halte.

Aber haben die freien Träger überhaupt Interesse? Man sei zurzeit dabei, die Bereitschaft abzufragen und diese sei grundsätzlich vorhanden, so Dezernent Michael Klee auf WZ-Anfrage. Zurzeit gehe es der Stadt erst einmal um die Frage, wer die Trägerschaft für die neuen Kitas übernehmen kann. Dann werde man sich mit möglichen Erweiterungen in Einrichtungen befassen. Wichtig sei dabei, auch Fördermöglichkeiten des Landes in den Blick zu nehmen.

Die Arbeiterwohlfahrt (Awo) ist in die Gespräche involviert und hat Bereitschaft bekundet, die Trägerschaft für eine Kita in Kempen zu übernehmen. Der Kreisverband Viersen betreibt bereits fünf Kitas, unter anderem in Grefrath und Tönisvorst. Es gehöre zum Selbstverständnis des Verbandes, solche Aufgaben zu übernehmen, sagt Kreis-Geschäftsführer Bernd Bedronka.

In einem Pressegespräch hatte die Geschäftsführerin der Horizonte GmbH, Hildegard Trosky-Michalek, signalisiert, dass man für Erweiterungen bestehender Kitas durchaus offen sei (die WZ berichtete). In Tönisvorst wird dies bereits durch zwei Neubauten für bestehende Kitas umgesetzt.

Auch in der evangelischen Kirchengemeinde Kempen mache man sich Gedanken, wie man die Arbeit weiterentwickeln kann, so Pfarrer Michael Gallach auf WZ-Anfrage. Noch sei man bei verschiedenen Überlegungen im Anfangsstadium. Grundsätzlich sei man aber bereit mitzuwirken, wenn die Erfordernisse da sind. „Kindergartenarbeit ist für uns eine wichtige Aufgabe, die uns sehr am Herzen liegt“, so Pfarrer Gallach.

Viele freie Träger erwarten eine Kostenübernahme von der Stadt

Viele freie Träger erwarten heute von den Kommunen, dass diese die Kosten für die Kita-Betreuung übernehmen – auch die, die den so genannten Trägeranteil ausmachen. Dazu handeln die freien Träger jeweils individuell Verträge mit den Kommunen oder Jugendämtern aus.

Das Bistum Aachen, so schilderte es Horizonte-Geschäftsführerin Trosky-Michalek, übernehme den Trägeranteil von zwölf Prozent nur noch für die Gruppen, die bis zum Jahr 2008 schon bestanden haben. Für neue Plätze werden keine zusätzlichen Kosten mehr übernommen. Die Stadt Kempen kennt das auch schon vom Bistum Münster, zu dem die katholische Kirchengemeinde in Tönisberg gehört. Das Bistum Münster finanziert nur noch einen Anteil für eine sogenannte pastorale Grundversorgung, der nach dem Anteil der Katholiken vor Ort berechnet wird. Nur für diese Plätze wird der Trägeranteil in Höhe von zwölf Prozent der Betriebskosten voll finanziert.

Auch wenn die Stadt den Anteil für freie Träger übernimmt, kann das durchaus günstiger sein, als eine eigene Einrichtung zu betreiben. Denn der Zuschuss vom Land ist dann höher. Der Trägeranteil liegt bei freien Trägern bei neun Prozent der Betriebskosten, bei Kirchen zwölf, bei Elterninitiativen vier, bei Kommunen allerdings 21 Prozent.

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