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Tönisberg: Auf dem Zechengelände soll die Zukunft im Frühjahr 2021 beginnen

Lokale Wirtschaft : Auf dem Tönisberger Zechengelände soll die Zukunft im Frühjahr 2021 beginnen

Krefelder Projektentwickler arbeiten weiter an der Idee eines Zechen-Campus in Tönisberg – noch geht es um letzte behördliche Hürden.

Im beschaulichen Tönisberg stehen die Zeichen auf Zukunft. Und zwar ausgerechnet auf einem Gelände, das die Stadt Kempen vor einigen Jahren für den Abriss freigeben wollte. Die Rede ist vom Areal der ehemaligen Zeche Niederberg, wo der Abriss mehrerer Gebäude mit Hilfe des Denkmalschutzes abgewendet werden konnte. Nun geht der Blick nach vorn. Und für diesen ist die Grundstücksgesellschaft des Krefelders Wolf-Reinhard Leendertz verantwortlich. Diese hat das Zechengelände von der RAG gekauft und bastelt derzeit weiter an der Idee vom Tönisberger Zechen-Campus.

„Aus unserer Sicht stehen wir in den Startlöchern“, sagt der verantwortliche Projektleiter Ralf Drießen. Das heißt, dass das Unternehmen das Planungsverfahren zum Abschluss bringen möchte. Im Herbst stehe noch ein Umweltgutachen an. Ansonsten habe der Investor sämtliche Unterlagen für die Aufstellung eines Bebauungsplans beisammen. Das Ziel sei, im Frühjahr 2021 Planungsrecht geschaffen zu haben. „Und dann können wir in die konkreten Planungen und später auch in die Vermarktung einsteigen“, sagt Drießen.

Zwei Bezirksregierungen haben noch etwas zu entscheiden

Im Verfahren haben die Beteiligten aber mit mehreren Behörden zu tun. Zum einen sei die Stadt Kempen derzeit dabei, von der Bezirksregierung Düsseldorf grünes Licht für das vorgesehene Planungsgebiet zu bekommen. Zwischen diesen beiden behördlichen Parteien müsse geklärt werden, ob das Zechengelände zum Gewerbepark werden darf.

Parallel gehe es zwischen dem Voreigentümer RAG und der Bezirksregierung Arnsberg darum, dass das Areal aus dem sogenannten Bergrecht entlassen wird. „Das ist die Grundvoraussetzung dafür, dass wir das Gelände einer anderen Nutzung zuführen dürfen“, so Drießen. Mit Blick darauf, dass eine Anschluss-Nutzung feststehe, erwarte er aber keine großen Probleme. Bis zur Entlassung aus dem Bergrecht müsse noch geklärt werden, ob und wann einige Gebäude abgerissen werden dürfen. Denn neben den denkmalgeschützten Bauten gebe es auch Bereiche, wo die Leendertz-Gesellschaft Platz für Neues schaffen will. So werde beispielsweise eine Bunker-Anlage nicht mehr gebraucht.

Herzstück des neuen Zechen-Campus sollen aber der Förderturm und zwei weitere denkmalgeschützte Gebäude werden. Wie schon im vergangenen Jahr in der Kempener Politik vorgestellt, plant das Unternehmen am Förderturm große Bereiche für die Öffentlichkeit. Eine Grünanlage und ein gastronomischer Betrieb sind vorgesehen. „Am Förderturm soll eben jener Campus-Charakter entstehen“, so Drießen. Ferner sei eine Randbebauung vorgesehen, zu der aber derzeit noch nicht viele Details feststünden. „Das hängt letztlich auch davon ab, welche Unternehmen sich ansiedeln wollen“, sagt der Projektleiter.

Einen möglichen ersten Mieter hat der Vermarkter weiterhin an der Hand, wie Drießen bestätigt. Es ist ein Start-up-Unternehmen von jungen Ingenieuren der Fachhochschule Aachen. Die entwickeln derzeit unter anderem einen innovativen Feldroboter, der in der Landwirtschaft eingesetzt werden könnte. Projektkoordinator ist Josef Franko, der von einem Bauernhof in Kempen stammt. Franko erläuterte vor einem Jahr im Kempener Fachausschuss das Konzept des Hochschulprojektes. Er möchte mit seinem Team von Aachen nach Tönisberg wechseln.

Firmen, die voneinander lernen und miteinander kooperieren

Um dieses Start-up-Unternehmen könnten sich dann weitere Firmen ansiedeln. „Ziel ist, dass wir Unternehmen finden, die voneinander lernen und möglicherweise auch kooperieren“, erklärt Drießen die Idee der Firma Leendertz, die in der Region vor allem deshalb bekannt ist, in Krefeld den Mies-van-der-Rohe-Business-Park geschaffen zu haben. Dazu hat Leendertz die Flächen und Gebäude der Industriebrache der Verseidag-Dynastie genutzt. Mit alten Industriegeländen kennen sich die Krefelder also bestens aus.

„Grundsätztlich sind wir positiv gestimmt, in Tönisberg etwas Tolles schaffen zu können“, beschreibt Drießen die Stimmungslage. Vonseiten des Investors ist fast alles vorbereitet. „Wenn von behördlicher Seite alles passt, kann es losgehen.“