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Thomas Schreckenberger kommt mit "Hirn für alle" nach Kempen-St. Hubert

Interview mit Thomas Schreckenberger : „Man sollte die Dinge von mehreren Seiten sehen“

Interview Der Kabarettist Thomas Schreckenberger kommt im Mai für gleich zwei Auftritte nach St. Hubert. Er erzählt im Gespräch, wie sein aktuelles Programm aussieht und erklärt den Unterschied zwischen einem nüchternen Vortrag und einem kabarettistischen Abend.

Wie würden Sie Ihr Programm charakterisieren?

Thomas Schreckenberger: Der Titel ist „Hirn für alle“, also es geht darum, dass man vielleicht versuchen sollte, wieder die Vernunft etwas walten zu lassen, weil gerade im politischen Bereich sehr viel Stimmungsmache und Populismus angesagt sind. Aber auch in anderen Bereichen fangen wir an, unser Gehirn auszulagern, wenn man so an die ganzen neuen Medien denkt, die ich jetzt grundsätzlich nicht schlecht finde, aber man lässt sich da ja auch ein Stück weit entmündigen. Diese grobe Richtung.

Welches Thema ist in Ihren Augen momentan besonders wichtig?

Schreckenberger: Da gibt es viele. Natürlich das Thema Rechtsextremismus, Populismus. Das passiert nicht nur bei uns, wie wir das zum Beispiel am Amtsenthebungsverfahren gegen Trump in Amerika gesehen haben. Dann auch die Digitalisierung der Welt mit allen positiven und negativen Auswirkungen. Wenn man auf die Macht der Konzerne guckt oder wenn man auf China guckt, da gibt es auch bedenkliche Entwicklungen. Und dann natürlich auch das Thema Umwelt, Klimaschutz und so weiter. Fakten haben da bei manchen Leuten ja nicht mehr so viel Zugang, das sind dann gleich „Fake News“.

Das thematisieren Sie alles in Ihrem Programm?

Schreckenberger: Das kommt alles vor, ja. Aber natürlich soll keiner traurig nach Hause gehen (lacht). Das ist ja die Kunst. Es ist kein Vortrag, sondern eben Kabarett.
Es darf auch genug gelacht
werden über alle diese
Themen.

Was hat Sie dazu bewegt, Ihr Programm genau so zu gestalten?

Schreckenberger: Ich will niemanden bekehren. In erster Linie ist es Eigentherapie, das heißt da kommen eigentlich alle Themen rein, die mich selbst beschäftigen. Bezogen auf den Programmtitel war das Zitat von Immanuel Kant „Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“ etwas zu lang, deswegen habe ich es mit „Hirn für alle“ etwas plakativer formuliert.

Überzeugen Sie das Publikum?

Schreckenberger: (lacht) Weil es normalerweise immer funktioniert.

Wie viel Satire und wie viel Ernst steckt in Ihrem Programm?

Schreckenberger: Na ja, der Ernst kann ja auch ironisch-satirisch verpackt sein. In Prozentzahlen kann man das schwer ausdrücken. Das Ziel ist, beides immer gleichzeitig zu liefern. Das heißt nicht, dass alle zehn Sekunden eine Pointe kommen muss, es kann auch mal ein bis zwei Minuten Zeit zum Nachdenken bleiben, sodass man einfach mal erzählt, wie man selbst darüber denkt. Aber man sollte zum Satirischen immer wieder zurückkommen. Der Inhalt ist fast
immer ernst, das Mittel
dazu sollte aber die Satire sein.

Sollte man vorbereitet zu Ihrem Programm erscheinen?

Schreckenberger: Also man sollte gegessen und getrunken haben (lacht). Und es schadet auch nicht, ein bisschen Grundwissen zu haben, über das, was auf der Welt passiert. Aber es ist auch nicht nötig, dass man jeden Tag mehrere Zeitungen liest und Phoenix und N-tv guckt. Aber ja klar, ein bisschen Wissen über
das, was gerade passiert,
schadet nicht, um den
Genuss vollständig zu
kriegen.

Wann wurde das Kabarett zu Ihrem Beruf?

Schreckenberger: Seit 2007 bin ich hauptberuflich Kabarettist. Das hat während des Studiums angefangen mit Studentenkabarett. Wir waren eine Gruppe aus drei Leuten und haben dann angefangen, kleine Bühnen zu bespielen, und als dann jeder erst mal in seinen Beruf ging, ist das auseinander gegangen. Aber ich wollte auf jeden Fall alleine weitermachen und hab’ dann 2002/2003 das erste Soloprogramm geschrieben. Dann wurden die Auftritte immer mehr, und irgendwann stand die Frage im Raum, ob ich das nicht hauptberuflich machen will, und das habe ich dann auch versucht. Die letzten 13 Jahre hat es funktioniert, ich hoffe, es bleibt so.

Was macht gesundes Denken Ihrer Meinung nach aus?

Schreckenberger: Dass man sich kritisch mit Dingen auseinandersetzt, versucht, Dinge von verschiedenen Seiten zu betrachten und nicht irgendwelche Meinungen ungefragt übernimmt. Sich nicht zu sehr beeinflussen zu lassen, ohne mal etwas überprüft oder selber drüber nachgedacht zu haben. Sich zu fragen, wem diese Meinung nutzt, ist heute auch immer sehr wichtig. Man sollte schauen, wer von was profitiert, denn hinter Meinungen stecken ja oft auch Interessen.

Wenn es nicht mehr Geld oder mehr Schönheit ist, was wünschen Sie sich für sich?

Schreckenberger: Für mich? Weiter viele schöne Auftritte, Gesundheit natürlich, dass es allen in der Familie gut geht, und dann ist privat eigentlich schon alles bestens.