Thelen: Marken-Macher aus Leuth wird 80

Thelen: Marken-Macher aus Leuth wird 80

Küchen Thelen ist weit über den Kreis Viersen hinaus ein Begriff. Seniorchef Anton Thelen feiert am Samstag seinen 80. Geburtstag. Zudem ist er seit 65 Jahren im Unternehmen.

Leuth. Den Richtspruch kann Anton Thelen noch immer auswendig: „Ich bin heraufgestiegen, ihr seht, dass ich nicht fliegen kann. Drum, weil ich nicht fliegen kann, steig’ ich hierauf als Zimmermann.“ Viele weitere Zeilen folgen, die ihm alle flüssig über die Lippen gehen. „Wenn man das in seinem Leben bestimmt 50 Mal hoch oben im Dachstuhl aufgesagt hat, hat man es intus“, sagt der Leuther im Gespräch mit der WZ.

Foto: Kurt Lübke

Unternehmer und Journalist haben dafür an einem mehr als sechs Meter langen Eichentisch Platz genommen. Die natürlichen Unebenheiten des Holzes wurden mit Kunstharz verfüllt, anschließend wurde die gesamte Oberfläche mit Lack versiegelt. Das fühlt sich so gut an, dass die Hand die ganze Zeit darüber streicheln möchte. Integriert in den Tisch ist ein hochmoderner Kochbereich aus grauem Stein. Das wuchtige Stück steht in der Ausstellung der Anton Thelen GmbH in Nettetal-Leuth.

Am kommenden Samstag wird Anton Thelen, genannt Toni, 80 Jahre alt. Zugleich ist er an diesem Tag auch 65 Jahre im Familienunternehmen tätig, das unter seiner Ägide eine niederrheinische Erfolgsgeschichte geschrieben hat. Der ehemalige Lehrling in der Bau- und Möbelschreinerei seines Vaters Paul hat aus seinem Nachnamen in Verbindung mit einem Wohnbereich eine starke Marke geschaffen: „Wir fahren zu ,Küchen Thelen’, sagt man nicht nur im Kreis Viersen, in Krefeld oder Mönchengladbach, sondern auch auch in Köln oder Düsseldorf. Und nicht wenige Kunden, die einen individuell angefertigten und mit Hightech ausgestatteten Kochbereich suchen, steuern das beschauliche Leuth an, obwohl es noch einige weitere Thelen-Standorte gibt, unter anderem in der Landeshauptstadt. „Der Begriff ,Stammsitz’ lockt Menschen an“, weiß Anton Thelen aus langjähriger Erfahrung.

Anton Thelen

Denn in Leuth schlägt nach wie vor das Herz der Firma, deren Wurzeln bis ins frühe 18. Jahrhundert zurückreichen. Anton Thelen gehört — geschätzt — zur 14. Generation. 1966 machte er seinen Tischlermeister, im Jahr 1970 übergab ihm der Vater den Betrieb.

Viele Aufträge kamen in dieser Zeit von der GWG und der Viersener Aktienbau, die unter anderem Türen für ihre Großprojekte orderten. „Doch dann kam die Baukrise“, erinnert sich der 79-Jährige an die wirtschaftliche Zäsur. Doch der Niederrheiner ließ sich nicht abschrecken, machte aus der Not eine Tugend - und setzte voll auf Küchen. Im Blick hatte er zunächst die Landwirte in der Region. „Die kauften entweder einen Trecker oder eine Küche bei Thelen.“ 1973 wurde das erste Küchenstudio eröffnet.

Wer heute durch die Ausstellung auf der May läuft (begleitet vom Pfeifen zweier Graupapageien), erhält eine beeindruckende Demonstration, wie durch handwerkliches Geschick in Kombination mit den Produkten namhafter Hersteller wie Miele, Gaggenau oder Warendorf, Cassina, Cor oder Riva 1920 Wohnträume entstehen. Zu sehen sind Küchen, aber auch Wohn-, Schlaf- und Ankleidezimmer. Raumkonzepte, die sich gut in einer Villa oder einem Großstadt-Loft machen würden — und an solchen exklusiven Orten auch zu finden sind.

Der Seniorchef hat einen Sinn für schöne und edle Dinge, sonst wäre er in diesem Metier nicht so erfolgreich. Zugleich ist Anton Thelen die personifizierte niederrheinische Bodenständigkeit. Der Leuther leidet, wenn seine Borussia mal wieder eine Schlappe hinnehmen muss. Kegeln und Skat sind seit Jahrzehnten seine Hobbys. Das Leuther Vereinsleben, namentlich den Fußball und das Schützenwesen, hat er nach eigener Aussage stets nach Kräften gefördert. Auch den Karneval liebt der Niederrheiner. „Das Brauchtum war und ist für mich ein Zuhause“, sagt Anton Thelen.

Am Samstag, wenn im großen Rahmen gefeiert wird, darf die Familie nicht fehlen. Dazu gehört natürlich seine Frau Sybille, die das ganze Dorf nur Billa nennt, und seine Tochter Beate. Seit Ende der 80er Jahre sind seine Söhne Werner und Manfred im Unternehmen, inzwischen zählen auch die Enkelsöhne Maximilian und Fabian sowie Neffe Sebastian zum Führungsteam. Als Ratgeber will ihnen Anton Thelen auch mit 80 Jahren noch zur Verfügung stehen.