Theater-AG am Thomaeum: frei nach Mark Twain

Theater-AG am Thomaeum: frei nach Mark Twain

40 Thomaeer führten „Die Prinzessin und das Bettlermädchen“ auf .

Kempen. Dass die Theater-AG am Thomaeum sowohl ernste als auch lustige Themen souverän präsentieren kann, stellte sie bei den Aufführungen ihres neuesten Stückes wieder einmal unter Beweis. Sie führte an vier Abenden in der Aula „Die Prinzessin und das Bettlermädchen“ auf.

Frei nach einer Geschichte von Mark Twain bedient das Stück zwei Genres (Tragödie und Komödie) und spielt in zwei Welten: Armut und Reichtum. London im 16. Jahrhundert: Das Bettlermädchen Ann Candy und die englische Thronfolgerin Johanna wollen nur kurz ihre Kleider tauschen. Aus dem Scherz werden zwei lange Wochen, in denen jedes Mädchen die Rolle des jeweils anderen spielen muss.

Während die Prinzessin in Lumpenkleidern gehüllt in Spelunken und Räuberverstecken um ihr Leben fürchtet, beerbt das Bettlermädchen den verstorbenen König und reformiert auf dem Thron sitzend die Gesetze. Dabei handelt sie gegen den Willen der politisch mächtigen Lords (Rafael Regh, Jan Seemann und Ben Holthausen).

Als in der Welt der Armen Pater Andrew (Christian Becker) ermordet wird, ist die Prinzessin froh, in dem schwertgewandten Miles Hendon (Tobias Parnitzke) einen Beschützer zu finden. Beide Mädchen, erstklassig verkörpert von den 16-jährigen Freundinnen Laura Bastos do Nascimento und Shanice Breiding, werden für verrückt erklärt. Sie beginnen nur langsam, sich der für sie fremden Gesellschaft anzupassen.

Mit knapp 40 Schauspielern stellt Regisseurin Brigitte Nienhaus ein Stück auf die Beine, das den Zuschauer gefangen nimmt und dennoch stark mit dem Verfremdungseffekt spielt. So kommen die Schauspieler absichtlich zu spät auf die Bühne und sind weder aufwendig kostümiert noch gibt es eine Kulisse.

Da die Zuschauer jedoch bereits warten, überbrücken zwei Clowns (André Ingendae und Jacqueline Kern) die Zeit und übernehmen die Zwischenmoderation. Doch wenn am Ende ein englischer Lord (Michael Beulertz) singend mit seiner Gitarre das Herz der Prinzessin erobert und die Bettlerin mit dem königlichen Vorkoster (Max Suchsland) in einen minutenlangen Kuss verfällt, dann braucht es keine Kulissen.

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