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Streit um die Hülser Straße: Der Kempener Linden-Kompromiss

Streit um die Hülser Straße : Der Kempener Linden-Kompromiss

Im Streit um die Hülser Straße legt die Stadt Kempen eine neue Variante vor. Nun sollen nur noch acht statt 17 Bäume gefällt werden.

Es war eines der politischen Aufreger-Themen des vergangenen Jahres. Im Streit um die sogenannte Lindenallee an der Hülser Straße waren die Fronten zum Teil sehr verhärtet. Eine Initiative hat sich gegründet, online wurden Unterschriften gesammelt – die Stadtspitze musste sich eine Menge Kritik dazu anhören, dass sie zur Erschließung eines Gewerbegebietes südlich der Hülser Straße einen Kreisverkehr bauen will. Kritisiert wurde vor allem, dass deshalb 17 Bäume (darunter acht Linden) gefällt werden sollten.

Dezernat hat zwölf verschiedene Varianten durchgeplant

Nach intensiver Planungsarbeit mit zwölf unterschiedlichen Varianten wirft das Technische Dezernat nun eine Kompromisslösung in den Ring. Mit dieser müssten nun nur noch acht Bäume (darunter drei Linden) weichen. So steht es in der Vorlage für den Ausschuss für Umwelt, Planung und Klimaschutz (UPK), der am 25. Mai ab 18 Uhr im St. Huberter Forum tagen wird.

Erreicht wird dieser Kompromiss mit einer Verschiebung des Kreisverkehrs in Richtung Heinrich-Horten-Straße. „Aufgrund der vielfältigen Einwendungen gegen den in der Offenlage vorgestellten Planentwurf wurde dieser hinsichtlich der Ausgestaltung und Lage des Kreisverkehrs überarbeitet“, heißt es in der neuen Vorlage der Stadtverwaltung. „Auf Grundlage der nunmehr optimierten Planung können bei Inkaufnahme von Mehrkosten in Höhe von rund 60 000 Euro für die verkehrstechnische Erschließung fünf der alten Linden auf der Südseite der Hülser Straße erhalten werden. Das heißt bei Realisierung des jetzt geplanten Kreisverkehrs müssen nur noch drei Linden gefällt werden“, so die Stadt. „Der Eingriff in die Lindenallee und Natur und Landschaft im übrigen Plangebiet wird im Umweltbericht bewertet und mit der Realisierung durch Ausgleichsmaßnahmen und Inanspruchnahme des bestehenden ,Ökopunkte-Guthabens’ vollständig ausgeglichen.“

Sollte die neueste Variante umgesetzt werden, müssten zwei Kröten geschluckt werden. Zum einen erhöht sich der geplante zusätzliche Flächenverbrauch laut Stadt von 631 auf 884 Quadratmeter. In dem Zuge wird außerdem ein höherer Grunderwerb erforderlich. 407 statt 251 Quadratmeter Boden müsste die Stadt zur Realisierung des Kreisverkehrs kaufen. Unter anderem dies führt zum Kostenanstieg um rund 60 000 Euro. Unterm Strich soll die Maßnahme nun 736 000 Euro kosten. In der ersten Kalkulation waren es 673 000 Euro.

Landesbetrieb sieht auf
der B 509 keine Möglichkeit

Vonseiten der Antragsteller, die die Lindenallee vollständig erhalten wollen, wurden in den vergangenen Monaten immer wieder zwei Ideen vorgetragen. Zum einen war dies ein „ovaler“ Kreisverkehr. Diese Idee hatte die Stadt bereits zurückgewiesen – vor allem mit dem Hinweis darauf, dass der zusätzliche Flächenverbrauch und die Rettung der Bäume in keinem Verhältnis stehen würden. Ausführlich bezieht die Stadt nun auch zum Vorschlag Stellung, auf der Kreuzung Hülser Straße/B 509 einen Kreisverkehr zu bauen. Bei der Ablehnung der Variante erhält die Stadt Kempen die Unterstützung des Landesbetriebs NRW, der Baulastträger des Außenrings ist. „In seiner Antwort stellt der Landesbetrieb fest, dass die B 509 im Bereich des Kempener Außenrings straßenrechtlich als freie Strecke festgesetzt sei und der sicheren und flüssigen Abwicklung des weiträumigen Verkehrs und keinesfalls der Erschließung der umliegenden Grundstücke dient“, heißt es in der Vorlage.

Kreis Viersen fordert alternative Planung über Wirtschaftsweg

„Außerdem würde die angedachte Kreisverkehrslösung im Bereich des Außenrings dem gesetzlichen Verbot gemäß § 9 Abs. 1 Bundesfernstraßengesetz widersprechen, wonach bauliche Anlagen (...) mit unmittelbarer Erschließung zur Bundesstraße nicht zulässig sind“, teilt die Stadt Kempen weiter mit. Unter anderem aus diesen Gründen hat die Stadt Kempen die Variante Außenring nicht weiter verfolgt.

Im Zuge der vorgeschriebenen Einholung von Stellungnahmen bei anderen Behörden hat sich der Kreis Viersen zur ursprünglichen Variante geäußert und die Prüfung einer alternativen Erschließung über einen vorhandenen Wirtschaftsweg gefordert. Dieser befindet sich stadtauswärts auf der rechten Seite der Hülser Straße – gleich hinter dem Ende der bereits bestehenden gewerblichen Bebauung. Hierfür wäre die Errichtung einer Linksabbiegerspur erforderlich. „Es wurden insgesamt zwölf Erschließungsvarianten detailliert geprüft“, so die Stadt. „Die vom Kreis Viersen angeregte Variante wurde verworfen, weil nicht ausgeschlossen werden kann, dass in den Spitzenstunden ein Rückstau auf der Linksabbiegerspur die Ausfahrt der Feuerwehr behindert.“

Weitere Kritikpunkte sieht der Kreis Viersen nicht. Die Kompensationsmaßnahmen – also unter anderem Ersatzpflanzungen – sind laut Kreis geeignet. Ebenso werde dem Artenschutz in ausreichender Form Rechnung getragen. Für die Fällung der Alleebäume – nun sollen es noch drei sein – müsste die Stadt eine Befreiung zum Alleenschutz beantragen. Hierzu ist dann der Landschaftsbeirat des Kreises Viersen zu beteiligen.

Baustoffhandel Mobau wartet sehnlichst auf Fortschritte

Im Fazit sieht die Stadt Kempen in der neuen Erschließungsvariante einen „ausgewogenen städtebaulichen Entwurf“. Dieser soll nun einen weiteren Monat offengelegt werden. In dieser Zeit können weitere Einwände geäußert werden. Ob dieser Plan nun ausgelegt werden soll, darüber muss der Ausschuss am 25. Mai entscheiden. Sollte der Kompromiss den ausreichenden Anklang finden und die Offenlage überstehen, könnten die Planungen in die finale Phase gehen. Auf diese warten schon seit langem das Unternehmen Mobau-Pegels, das im neuen Gewerbegebiet einen neuen Baustoffhandel errichten will.

kempen.de