Stolpersteine noch in diesem Jahr

Ab dem 15. Dezember wird in Kempen auf besondere Weise an Holocaust-Opfer erinnert.

Kempen. Nach jahrelangen Diskussionen war es im 17. Dezember 2014 soweit: In geheimer Wahl gaben die Mitglieder des Stadtrates grünes Licht für die Verlegung von Stolpersteinen in Kempen. Ein Jahr später — fast auf den Tag genau — werden die ersten Steine, die an das Schicksal von Holocaust-Opfern erinnern, verlegt. Das bestätigte Ute Gremmel-Geuchen von der Initiative gestern der WZ: „Wir haben den 15. Dezember als Termin für die Verlegung der ersten sechs Stolpersteine geplant.“

An diesem Tag soll der Kölner Künstler Gunter Demnig, der in ganz Europa mit der Aktion für Aufmerksamkeit sorgt, drei Steine auf der Engerstraße und drei auf der Von-Loe-Straße verlegen. Auf der Engerstraße sollen zwei Steine vor dem Haus Nummer 38 eingelassen werden. Dort haben früher die jüdischen Frauen Berta und Caroline Berghoff gelebt, bevor sie von den Nazis verschleppt und ermordet wurden. An der Engerstraße 21 soll ein Stolperstein an den polnischen Zwangsarbeiter Marian Kurzawa erinnern. An der Von-Loe-Straße 14 lebte die Familie Mendel mit Paula, Andreas und Lieselotte. Für sie werden drei Stolpersteine verlegt.

Mit der Stadt Kempen hat Gremmel-Geuchen den Termin nach eigenen Angaben bereits abgestimmt. Mündlich habe sie auch bereits das Einverständnis der jeweiligen Hausbesitzer. „Schriftlich werden wir das Einverständnis jetzt noch einholen“, so Gremmel-Geuchen.

Wie von der Initiative angekündigt und von Verwaltung sowie Politik gewünscht, sollen Schüler intensiv in das Projekt eingebunden werden. „Wir planen jetzt den Ablauf der ersten Gedenkfeiern. Da werden Schüler eine große Rolle spielen“, sagt Ute Gremmel-Geuchen. Das soll auch in den nächsten Jahren so bleiben. Im ursprünglichen Plan ist festgehalten, dass 46 Stolpersteine in Kempen und St. Hubert verlegt werden.

Die Zulassung der Stolpersteine hat in Kempen im zweiten Anlauf geklappt. 2011 wurde eine erste Initiative abgelehnt. Die meisten Ratsmitglieder und auch Bürgermeister Volker Rübo hielten die Steine nicht für das geeignete Gedenken. Zudem hätte Kempen bereits verschiedene Möglichkeiten zum Gedenken an die jüdischen Opfer.

Der zweite Antrag im vergangenen Jahr war vor allem von den weiterführenden Schulen gestützt. Die Schulkonferenzen hatten entsprechenende Erklärungen abgegeben. Schüler hatten sich in den zuständigen Ausschüssen für die Verlegung der Stolpersteine eingesetzt. Unter anderem der Einsatz der Jugendlichen führte dazu, dass die Mehrheit des Rates zu einer anderen Entscheidung kam. Mit 29 zu 15 Stimmen wurde der Antrag der Initiative angenommen.