Steckenpferd für Michael Stoffels

Steckenpferd für Michael Stoffels

Der streitbare Verteidiger des Asylrechts nahm den Preis der Kempener Grünen für bürgerschaftliches Engagement entgegen.

Kempen. Die Kempener Grünen verleihen seit 2004 jedes Jahr das „Steckenpferd“. Der mit 250 Euro dotierte Preis wird für überdurchschnittliches ehrenamtliches, bürgerschaftliches Engagement verliehen. Das Steckenpferd 2018 ging am Samstagvormittag im Restaurant Ela an einen höchst streitbaren Verteidiger des Asylrechts, der sich auch intensiv um Einzelschicksale kümmert: Michael Stoffels.

Michael Stoffels, Preisträger

Der diesjährige Preisträger scherzte: „Hoffentlich ist das Steckenpferd nicht die Rosinante von Don Quijote und bedeutet, dass ich gegen Windmühlen ankämpfen muss.“

Die Ortsvorsitzende der Grünen, Nicole Brumme, begrüßte die zahlreichen Gäste, darunter den letztjährigen Preisträger Klaus-Peter Hufer.

Die Laudatio hielt Grünen-Urgestein Alexa Bernards-Niermann. Sie erzählte von dem „Doppelleben“ des früheren Gymnasiallehrers in Meerbusch-Strümp, der sich nachts der Parkbankschläfer annahm und sich seit den 1980er Jahren für Flüchtlinge stark mache. Der Mitbegründer und Vorsitzende vieler Gremien wie des Arbeitskreises Asyl, der auch in engem Zusammenhang mit dem Flüchtlingsrat im Rhein-Kreis Neuss und dem Flüchtlingsrat NRW steht, sei in Unterkünfte gegangen, habe mit den Bewohnern Tee getrunken. Sein Engagement sei so umfassend gewesen, dass Stoffels seine Lehrertätigkeit auf eine halbe Stelle reduziert habe. „Im Jahre 2015 hat der zu Ehrende den Integrationspreis des Kreises Viersen abgelehnt als Reaktion auf die Asylrechtsverschärfungen“, berichtete die Laudatorin. Stoffels lebt auch heute noch in einer „Männer-Wohngemeinschaft“ — seine Mitbewohner sind drei junge Flüchtlinge aus Guinea, Eritrea und Nigeria, die als Minderjährige alleine nach Deutschland gekommen waren. Sie waren jetzt bei der Preisverleihung auch dabei.

„Ich freue mich, aber ich bin auch immer etwas zögerlich bei der Annahme solcher Preise“, sagte Stoffels der WZ. Alexa Bernards-Niermann hatte in ihrer Laudatio von den Problemen und Prozessen erzählt, die sich der Kempener durch sein ehrenamtliches Engagement eingehandelt hatte.

Michael Stoffels zog Zettel aus der Jackentasche und las vor. Er wurde als „Kanakenschwein“ beschimpft und als „Volksschädling“. „Sie sind aus dem Staatsdienst zu entfernen“, wurde ihm geschrieben — diese „Brieffreunde“ äußerten sich zum Teil schon vor 20 Jahren. Und er zitierte den früheren SPD-Spitzenpolitiker Björn Engholm, der mahnte, das Asylbewerber problem zu lösen, bevor die Bevölkerung „auf die Idee kommt, andere damit zu betrauen“ — gemeint waren damals die Republikaner und die DVU.

Der Preisträger sagte, er sei kein Gutmensch, der die Realität verkenne: „Flüchtlinge sind nicht die besseren Menschen, sie können sogar rassistisch sein.“ Er sehe sich vor allem als antifaschistischer Helfer gegen die Flüchtlingspolitik und registriere eine „ruckartige Verschiebung des Werterahmens“. Stoffels beklagte die „völkische Entwicklung in vielen EU-Ländern“. Es gehe dabei um die „Absicherung der imperialen Lebensweise“. Er rief die Anwesenden auf, Mitglieder des Arbeitskreises Asyl- und Menschenrechte zu werden.

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