Standorte in Kempen und Grefrath sollen erhalten bleiben

Bilanz 2018 : Volksbank will persönlich bleiben

In seiner Bilanz für 2018 betont der Vorstand, dass man an den vier Standorten festhalten wolle.

Josef Stieger fängt nicht vor der Haustür an, sondern mit der Weltpolitik. Der Vorstandsvorsitzende der Volksbank Kempen-Grefrath nennt im Rahmen seiner letzten Bilanzpressekonferenz vor dem Ruhestand (die WZ berichtete) einige große Unsicherheitsfaktoren dieser Tage. Vom „Herrn mit den gelben Haaren“ im Weißen Haus, der eine Mauer bauen wolle und einen Handelskrieg mit China führe, über die Möglichkeit eines harten Brexit bis hin zu den „riesigen Problemkrediten“ in Italien. Nach Aussage von Stiegers Vorstandskollegen Helmut Thönes haben diese Entwicklungen konkrete Auswirkungen auf die Volksbank-Kunden am Niederrhein. So berichtet er exemplarisch von Gesprächen mit Leuten, die englische Unternehmen mit ihrer Altersvorsorge beauftragt hätten. „Da sind sehr viele Unsicherheiten am Markt“, sagt Thönes.

Auch Norbert Blüm ist
noch einmal Thema

Unter dem Stichwort Altersvorsorge kommt es aus Sicht der Volksbank-Führung zunehmend darauf an, dass Menschen in Aktien und Fonds investieren. Nur so seien angesichts der Nullzinspolitik der Notenbank langfristige Spar- und Versorgungsziele zu erreichen. Stieger zitiert in diesem Zusammenhang den alten Blüm-Klassiker von den sicheren Renten. Und fügt ironisch hinzu, dass er schon damals gedacht haben: „Der Mann hat total Recht – nur die Höhe der Renten kennt keiner.“

Die Anlage in den Wertpapierdepots der Volksbank-Kunden ist im vergangenen Jahr jedenfalls um etwa 5,5 Prozent gestiegen. Daneben könne die Investition in die eigenen vier Wände ein wichtiger Beitrag für die Alterssicherung sein. Stieger zeigt sich daher zufrieden darüber, dass die Neuausleihungen im Wohnungsbau bei etwa 25 Millionen Euro liegen. Insgesamt wurden 47 Millionen Euro neu ausgeliehen, womit ein neuer Rekordstand von 197 Millionen Euro (plus 1,9 Prozent) erreicht wurde. Die Bilanzsumme stieg um rund drei Prozent auf etwa 390 Millionen Euro.

Helmut Thönes hebt die hohe Bedeutung der „Omnikanalstrategie“ hervor. Gemeint ist der Mix aus Online-Filiale (2018 gestartet) und persönlicher Beratung. „Für uns heißt das, unsere Standorte zu erhalten.“ Neben der Hauptstelle an der Kempener Burgstraße gibt es drei weitere Standorte (Max-Planck-Straße sowie Grefrath und Oedt). Insgesamt gibt es im Geschäftsgebiet sechs Automaten mit rund „1000 Kontakten“ pro Tag. „Wir wollen weiterhin auch für die Menschen erreichbar sein, die uns persönlich treffen wollen“, so Thönes.

Als Vertrauensbeweise sieht die Volksbank das Einlagen. und Mitgliederwachstum. Vorstand Markus Knauf nennt ein Einlagen-Plus von acht Millionen Euro (2,6 Prozent). Hinzu käme die selbe Summe, angelegt in Fonds und Aktien. 226 Kunden hätten sich entschieden, auch Teilhaber der Genossenschaftsbank zu werden. Mit 6395 Mitgliedern per Ende 2018 ist das Geldinstitut nach eigenen Angaben die größte Personenvereinigung in Kempen und Grefrath – da komme kein Sportverein mit.

„Und das, obwohl das Mitgliederverzeichnis von uns aktiv bereinigt wurde um die Adressen, die kein aktives Geschäft mit der Volksbank mehr betreiben“, so Thönes. Denn: Nur Mitglied sein (bei einer Dividende von sechs Prozent), geht nicht.

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