Stadtteil Hagelkreuz als Modell

Die Gesellschaft wird älter. Um die damit verbundenen Problemen zu lösen, sucht die Stadt Konzepte. Begonnen wird im Viertel in Kempens Norden.

Kempen. Die Gesellschaft wird älter — auch in Kempen. Dass der demografische Wandel kein Zukunfts-Szenario ist, machen folgende Zahlen deutlich: Der Anteil der Kempener über 60 Jahre betrug Ende 2012 zirka 28 Prozent.

Nach Angaben der Verwaltung lag er damals bereits höher als der Anteil der Menschen bis 25 Jahre (24 Prozent). Eine weitere Zahl zwingt die Stadt zum Handeln:

So wird prognostiziert, dass die „Gruppe der hochbetagten Menschen über 80“ bis 2030 ihren Anteil an der Gesamtbevölkerung Kempens um 73 Prozent erhöhen wird.

Dem Wandel möchten Politik und Verwaltung frühzeitig entgegenwirken — Konzepte sollen entwickelt werden. In drei Workshops in den vergangenen Monaten wurden erste „strategische Handlungsziele“ festgelegt. Als „Modell-Stadtteil“ wurde das Hagelkreuz-Viertel mit seinen rund 6500 Einwohnern ausgesucht.

Dort möchte die Stadt Modelle entwickeln, die auf andere Bereiche in Kempen übertragen werden können. Details werden am Donnerstag im Ausschuss für Soziales und Senioren (18 Uhr, Rathaus) präsentiert.

Bei der Entwicklung von Konzepten wollen die Politiker verschiedene Faktoren im Blick haben: Die Anzahl der Pflegekräfte sinkt, die Zahl der Pflegebedürftigen steigt, auf die öffentliche Hand kommen immer höhere Kosten zu. Und: Bereits heute sind die beiden Kempener Seniorenheime nahezu ausgelastet — laut Bürgermeister Volker Rübo mit „98 bis 99 Prozent“.

Deshalb hat sich die Stadt bereits einem Grundsatz verschrieben: „Ambulant vor stationär“. Nach Angaben der Verwaltung besagt eine Statistik, dass 98 Prozent der Kempener „so lange wie möglich im vertrauten Wohnumfeld“ leben möchten.

Eine Stärkung der jeweiligen Angebote in den Stadtteilen — im Modell im Hagelkreuz-Viertel — erscheint also sinnvoll. Und weil die öffentlichen Kassen leer sind, soll ans bürgerschaftliche Engagement appelliert werden.

Die Verwaltung stellt sich einen „Mix aus professioneller und ehrenamtlicher Unterstützung“ vor. So könnten ältere Menschen in der Nachbarschaft Hilfe bekommen — zum Beispiel beim Einkaufen. Vereine, Verbände und sonstige soziale Einrichtungen müssten ebenfalls in den Stadtteilen Aufgaben übernehmen. So die Idealvorstellung.

Damit ältere Menschen so lange und so weit wie möglich selbstständig bleiben können, ist ein Punkt unerlässlich: die Barrierefreiheit. Zum einen in der eigenen Wohnung, zum anderen im Wohnumfeld. Sind die Mehrfamilienhäuser mit Aufzügen versorgt? Ist der Zugang zum Supermarkt barrierefrei? Solche Themen wollen und müssen Politik und Verwaltung angehen. Der Auftakt wird jetzt im Hagelkreuz-Viertel gemacht.