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St. Huberter Sportplätze: Hoffnung und Empörung im Fachausschuss

Kempen : St. Huberter Sportplätze: Hoffnung und Empörung im Fachausschuss

Gut: Für den Bau eines Kunstrasens an der Kempener Landstraße gibt es nun doch positive Signale aus Düsseldorf. Schlecht: Der längst beschlossene Bau von Umkleiden an der Stendener Straße verzögert sich.

Eine gute und eine schlechte Nachricht für die Fußballer von TuS und FC St. Hubert. Im Sportausschuss verbreiteten Dezernent Michael Klee und Bürgermeister Volker Rübo die Hoffnung, dass es doch noch etwas werden könnte mit dem Sportplatzneubau auf der Fläche an Kempener Landstraße und Tönisberger Straße. Kurzfristig gab es für die Sportler aber einen Nackenschlag. Denn der Bau der Umkleidekabinen am Sportplatz, Stendener Straße, verzögert sich. Vor Ende 2020 könne nicht mit dem Bau begonnen werden, so die Verwaltung.

Beginnen wir mit der guten Nachricht. „Die Bezirksregierung ist aufgeschlossen“, sagte Rübo mit Blick auf das Sportplatz-Projekt im St. Huberter Süden. Bislang war der Standpunkt der Landesbehörde der, dass dort keine entsprechende Bebauung möglich sei, weil diese zu weit weg vom Siedlungsgebiet wäre. Nun gab es auf Vermittlung des CDU-Landtagsabgeordneten Marcus Optendrenk Gespräche mit der Bezirksregierung und auch mit NRW-Ministerin Ina Scharrenbach. „Die Ministerin hat unser Anliegen verstanden. Das war ein guter Austausch“, sagte Rübo zum Gespräch vor etwa zwei Wochen im Rathaus.

Stadt will nun ihre Argumentation schriftlich verdeutlichen

Rübo und Klee machten deutlich, dass die Verwaltung nun die Argumentation für das Projekt noch einmal schriftlich verdeutlichen muss. Ein entsprechendes Schreiben werde in Kürze nach Düsseldorf verschickt. „Es geht darum, deutlich zu machen, dass der Sportplatz An Eulen nicht mehr zu halten ist“, so Klee. Und darum, dass die Fläche an der Kempener Landstraße eben die einzige Lösung sei. „Derzeit nehme ich wahr, dass die Ablehnung der Bezirksregierung nicht mehr so stark ist“, sagte Klee.

Rübo ergänzte aus dem Gespräch mit Ministerin Scharrenbach, „dass Ausnahmen möglich sein werden“. Und zwar mit Blick auf den Grundsatz der Landesregierung, Freiflächen nicht unnötigerweise zu verbrauchen. Im Zusammenhang mit einem Projekt in St. Hubert schwebt dem Bürgermeister daher eine funktionale Lösung vor: Kunstrasenplatz, Umkleiden, entsprechende Parkflächen. Je geringer der Flächenverbrauch, umso größer sei die Wahrscheinlichkeit auf einen Kompromiss zwischen Kempen und Düsseldorf.

Umkleiden werden
nicht vor 2021 fertig sein

So weit. So gut. Nun wird es deutlich schlechter. „Der mit dem Projekt betraute Architekt aus Aachen hat sein Büro aufgegeben und ist somit abgesprungen“, sagte Klee mit Blick auf die vier Umkleiden die am Rasenplatz, Stendener Straße, gebaut werden sollen. „Das wirft uns zurück.“ Bürgermeister Rübo ergänzte, dass der für 2019 geplante Baubeginn nun frühestens „spät in 2020“ vonstatten gehen könne. Eine Fertigstellung sei dann erst 2021 möglich. Man stehe wieder bei Null. Um nun schnellstmöglich zu einer Lösung zu kommen, hat Rübo nach eigenen Angaben den Architekten kontaktiert, der vor einigen Jahren die Umkleiden am Tönisberger Sportplatz umgesetzt hat. Ein weiteres Gespräch dazu stehe in Kürze an.

Sowohl die Fraktionen als auch die anwesenden Vertreter der Fußballvereine reagierten geschockt. Vor allem deshalb, weil Dezernent Klee die schlechte Nachricht noch um die Information ergänzte, dass der Aachener Architekt, zu dem er 2018 selbst einen Kontakt hergestellt hatte, bereits im April signalisiert habe, nicht mehr zur Verfügung zu stehen. „Wenn das schon im April klar war, Herr Rübo, hätten Sie da nicht als Verwaltungschef schon längst eingreifen müssen“, wollte Jörg Engeln (SPD) wissen. Daraufhin gab Rübo zu, erst am Dienstagvormittag von den Problemen erfahren zu haben. „Für mich lief das Projekt“, so Rübo. Innerhalb der Verwaltungsspitze sei nie die Rede von Problemen gewesen.

Auch Michael Klee erklärte am Mittwoch gegenüber der WZ, dass er vom endgültigen Aus der Architekten-Lösung erst am Dienstag erfahren habe. Nachdem das Technische Dezernat (damals von Marcus Beyer geführt) im April erfahren habe, dass der Architekt sein Büro aufgeben wird, sei der Versuch unternommen worden, ob der Aachener Architekt die Aufgabe in seinem neuen Job in einem anderen Büro weiterführen könne. Dass dies auch nicht klappt, hätten Klee und Rübo dann am Dienstag erfahren.

Dass es bereits im April Erkenntnisse zu den Problemen gab, sorgte bei den Vereinsvertretern im Ratssaal für Empörung, zumal es in der Sitzung des Sportausschusses im September keinerlei negative Signale seitens der Verwaltung gegeben habe. Im Gegenteil: Damals beschloss die Politik sogar, dass vier statt zwei Kabinen in dem Gebäude entstehen sollen. Sowohl von den Zuschauerrängen als auch aus den Reihen der Fraktionen folgte die Forderung, diese Vorgänge prüfen zu lassen. Rübo sicherte zu, Hochbauamtsleiter Christian von Oppenkowski damit zu beauftragen, die Abläufe in den Projekt zusammenzustellen.

Architekt hat ein Honorar
von 13 500 Euro erhalten

Die Angelegenheit hat auch einen finanziellen Aspekt. Denn der beauftragte und nun abgesprungene Architekt hat für die Erstellung eines Plans bereits ein Honorar bekommen. Ein neuer Architekt könnte nun auf diesem Plan aufbauen. „Das Konzept haben wir gekauft“, so Klee. Sollte ein neuer Verantwortlicher auf dem vorliegenden Konzept aufbauen wollen und können, hätte die Stadt Kempen kein Geld verloren. Andernfalls womöglich schon. Die Summe hatte Klee am Dienstagabend nicht parat. Auf Nachfrage reichte Stadtsprecher Christoph Dellmans die Kosten für den Architekten am Mittwoch nach: 13 500 Euro.

Der Bürgermeister sicherte zu, das Thema mit höchster Priorität voranzutreiben. Die Fraktionen forderten, dass die Verwaltung im nächsten Bauausschuss am 26. November zum aktuellen Stand informieren soll. Zudem soll es dann auch rückblickend um die verwaltungsinternen Abläufe gehen. Diese werden nun im Rathaus aufgearbeitet.