St. Hubert: Verwaltung und Politik stecken in der Sportplatz-Sackgasse

Kunstrasen-Debatte : St. Hubert: Verwaltung und Politik stecken in der Sportplatz-Sackgasse

Wie erwartet, kann an der Straße „An Eulen“ kein Kunstrasen gebaut werden. Am 9. September wird wieder beraten.

1900 Euro – so viel musste die Stadtverwaltung ausgeben, um der Politik zu verdeutlichen, was eigentlich allen Beteiligten klar war. Die Rede ist davon, dass der bestehende Aschenplatz, An Eulen, nicht in einen Kunstrasenplatz umgewandelt werden kann. Ein von den Ratsfraktionen gefordertes Gutachten bestätigt nun den Sportdezernenten Michael Klee, der seit Jahren gebetsmühlenartig erklärt, dass das Sportgelände im Wohngebiet aufgegeben werden müsse. Und dort keinesfalls ein Umbau zur neuen Nutzung (Kunstrasen) möglich sei. Am 9. September wird es im Sportausschuss einmal mehr um die Platzsituation in St. Hubert gehen. Dann wird auch der Gutachter vor Ort sein.

Nach Ansicht des externen Experten treten im Wohngebiet am Sportplatz bereits jetzt zahlreiche Konflikte auf – in erster Linie beim Lärmschutz. Bei Fußballspielen würden die Immissionsrichtwerte um elf Dezibel überschritten. Der übliche Trainingsbetrieb sei mit sieben Dezibel ebenfalls nicht konfliktfrei. „Insgesamt ist festzustellen, dass bei bestimmungsgemäßer Nutzung des Sportplatzes die Immissionsrichtwerte nicht eingehalten werden können“, so der Gutachter.

Zudem wird in der Expertise deutlich, dass der sogenannte Altanlagenbonus nicht angewandt werden kann. Dieser würde nur greifen, wenn die Überschreitungen nicht höher als fünf Dezibel betragen. Es spielt also keine Rolle, ob der Sportplatz deutlich länger existiert als viele Häuser in dem Gebiet. Aus Lärmschutzgründen stellt die Anlage ein Problem dar. Zumal Geräusche durch den Aufprall von Bällen auf den Fangzaun sowie Geräusche durch den Zu- und Abgangsverkehr noch gar nicht berücksichtigt seien, wie es im Gutachten ergänzend heißt.

Mit einem Kunstrasen ginge
der Altanlagenbonus verloren

Eine Umwandlung in einen Kunstrasen kommt aus Sicht des Gutachters gar nicht infrage. Dann würde der Altanlagenbonus vollends verloren gehen, weil durch den Kunstrasen mit deutlich längeren Nutzungszeiten zu rechnen sei. Schließlich ist ein solcher Platz auch im Winter durchgehend bespielbar – im Gegensatz zur Asche.

Somit stehen Politik und Verwaltung bei den Sportplatz-Planungen für St. Hubert nun auch offiziell wieder da, wo man vor Jahren begonnen hat. Ganz am Anfang. Denn die nun erfolgte Prüfung des Standortes „An Eulen“ wurde von der Politik eingefordert, weil der Neubau-Traum auf einem Areal im Bereich Kempener Landstraße/Tönisberger Straße ausgeträumt ist. Dort wird die Bezirksregierung kein entsprechendes Projekt genehmigen. Die Lage isoliert im Freiraum und relativ weit weg vom Siedlungsbereich sei mit den Zielen von Landes- und Regionalplanung nicht vereinbar, hieß es im Frühjahr aus Düsseldorf. Ebenso wenig umsetzbar – zumindest zeitnah – ist eine Ausweitung des Baugebietes „Im Burgfeld“ und damit eine Annäherung des Siedlungsraums an ein mögliches Sportplatz-Areal.

Aus Sicht der Verwaltung stehen nun drei Varianten zur Zukunft der Sportplatz-Situation in St. Hubert zur Debatte. Erstens: Es bleibt beim Rasenplatz an der Stendener Straße und beim Aschenplatz „An Eulen“ – solange dieser von Anwohnern und Behörden geduldet wird. Zweitens: Um einen Kunstrasenplatz zu realisieren, wird ein alternatives Grundstück zum Areal an der Tönisberger Straße gesucht. Zu den Realisierungschancen dieser Variante macht die Stadt aber keine verbindlichen Aussagen. Drittens: Der Rasenplatz an der Stendener Straße wird zum Kunstrasen umgewandelt, um die Bespielbarkeit zu erweitern.

Zur letzten Variante liegen bereits geschätzte Kosten vor, die im Zuge der Planungen schon im September 2017 ermittelt worden sind. Die Stadt verweist zwar darauf, dass diese nicht mehr aktuell sein können. Als Richtschnur sollen sie dennoch Bestandteil der Sitzung am 9. September sein. Bei den Kostenaufstellungen existieren ebenfalls zwei Varianten. Erstens: Errichtung Kunstrasen, Erneuerung Umlaufbahn und Leichtathletikfelder, Erneuerung Tribüne und Flutlicht, Sanierung Parkplatz, mehr Lärmschutz, neue Umkleiden (gesamt zirka 2,9 bis 3,1 Millionen Euro). Wobei hier nur die Errichtung des Kunstrasens 1,8 Millionen Euro kosten soll. Zweitens: Errichtung Kunstrasen, Sanierung Parkplatz, mehr Lärmschutz, neue Umkleiden – alles ohne Umlaufbahn und Leichtathletikfelder (gesamt zirka 2,6 bis 2,8 Millionen Euro).

Mannschaftszahlen: Vor allem der TuS steckt weiter in der Krise

Diese Zahlen treffen in der Verwaltungsvorlage dann auf die Mitglieder- und Mannschaftszahlen der Vereine TuS und FC. Denn es ist kein Geheimnis, dass vor allem der TuS in den vergangenen Jahren einen erheblichen Schwund erlitten hat. Nach den aktuellen Meldungen der Clubs beim Verband sind beim TuS nur zwei Senioren- und eine Altherren-Mannschaft aktiv. Wie schon in der vergangenen Saison hat der TuS kein Jugendteam mehr. Der FC hat elf Kinder- und Jugendmannschaften gemeldet. Eine Seniorenabteilung gibt es dort nicht.

Zum Vergleich: Thomasstadt Kempen schickt 27 Mannschaften ins Rennen und verfügt über einen Rasen-, einen Aschen- und einen Kunstrasenplatz. Der VfL Tönisberg ist mit zehn Teams aktiv - auf der Anlage an der Schaephuysener Straße gibt es einen Rasen- und in Kürze nach Umbau einen Kunstrasenplatz.

Mit Blick auf die Sportplatz-Situation in St. Hubert stecken Politik, Verwaltung und Vereine also in einer Sackgasse. Wie man da heraus finden soll, will Dezernent Klee im Sportausschuss in einer offenen Beratung klären. Einen Beschlussvorschlag gibt es in der Vorlage nicht. Die Sitzung beginnt am Montag, 9. September, um 18 Uhr im Forum St. Hubert, Hohenzollernplatz 19. Weitere Informationen:

kempen.de

Mehr von Westdeutsche Zeitung