St. Hubert: Besuch im Schweinemast- und -zuchtbetrieb Boves

St. Hubert: Besuch im Schweinemast- und -zuchtbetrieb Boves : Säue und Eber sorgen für Ferkel

Jörg Boves betreibt in St. Hubert einen Schweinezucht- und -mastbetrieb. Wöchentlich kommen 36 Tiere zum Schlachter.

Sie heißen Babe und sind süß oder Miss Piggy und sind eitel. Sie sind als listige drei Schweinchen im Märchen unterwegs oder als böse Gewaltherrscher unter Führung eines Scheusals namens Napoleon im Buch Animal Farm. Dem Borstenvieh begegnet man in unterschiedlichster Form in Film oder der Literatur. Doch, geben wir es zu: Der Deutsche mag sein Schwein am liebsten auf dem Teller und in dieser Jahreszeit gerne vom Grill. Und, dass das bleibt, dafür sorgt unter anderem Jörg Boves mit seinem Schweinzucht- und -mastbetrieb in St. Hubert. Etwa 36 Tiere verlassen pro Woche St. Hubert Richtung Schlachthof.

Doch das ist das Ende der Geschichte. Am Anfang stehen Sau und Eber. Zurzeit hat Boves 240 Muttersauen und vier Eber. Neuzugang ist ein Eber der Rasse Pietrain. Die sind gescheckt und – viel wichtiger – sehr gut für die Edelschweinzucht. „Denn beim Schwein sind nicht nur die guten Schinken wichtig, sondern auch die Schultern“, sagt Boves. Die sorgten für eine breite Brust mit genug Platz für die Organe, die dann den Körper optimal versorgen können. Und somit für die nötige Leitung. Boves: „Am Ende des Tages müssen die Tiere Fleisch bringen.“

Dafür sorgen die Samen der eigenen Eber und dazu gekaufte. Ebersamen sind, im Gegensatz beispielsweise zu Kühen, nicht für die Vorratshaltung geeignet. Boves: „Fünf Tage bei 18 Grad, länger hält er nicht.“ Den sogenannten Natursprung gibt es in der Regel nicht in St. Hubert. „Wir haben ein Phantom. Darauf springt der Eber und wir zapfen ab“, erklärt der 48-Jährige. Das soll vor allem die Sauen schonen. „Nicht um sonst heißt die Brunft bei Schweinen Rausche. Wenn sich der Eber mit seinen Klauen an den Schultern der Sau festklammert, dann können die nachher ganz schön blutig sein.“ Also ein recht einseitiges Vergnügen. Und auch das Gewicht eines Ebers muss ja auch im wahrsten Sinne des Wortes ertragen werden: 300 Kilogramm, 50 bis 100 Kilogramm mehr als bei einer ausgewachsenen Sau. Bevor es zu den Sauen geht, noch kurz etwas zu den Ebern. Boves steht mit jedem von ihnen nach einer Weile auf vertrautem Fuß, kann in jede Einzelbox. „Wenn das Tier mal seine Grenze austestet, bekommt es einen Schlag auf die Nase. Das reicht in der Regel.“ Aber wehe, wenn noch ein zweiter Eber dazu kommt: „Da gibt es Tote, da wird unter einander gekämpft“, sagt der Landwirt.

Mit acht bis neun Monaten kann ein weibliches Tier erstmals belegt werden. Dazu werden die Tiere in eine Box gebracht, damit sie sich nicht im Ungestümsein der Brunft gegenseitig verletzen. War der Vorgang erfolgreich, leben sie bis kurz vor dem Abferkeln in Gruppen in einem Stall mit Spaltenhaltung. Das heißt, der Kot fällt durch die Ritzen unter den Stallboden. Gefüttert wird maschinell. „Jedes Tier hat einen Chip, an dem die Maschine erkennt, wie viel Futter ihm zusteht. Ansonsten würden es sich überfressen“, erläutert Boves. Die trächtigen Tiere ferkeln in sogenannten Produktionsgruppen ab. Zwischen zwölf und 18 Ferkeln sollte eine Sau gebären. Darunter ist zu wenig, darüber sind die Ferkel oft zu klein, bedürfen der besonderen Pflege oder schaffen es nicht. Dazu gehören auch Totgeburten sowie mumifizierte Tiere. Letzteres ist in St. Hubert seltener der Fall, ersteres jedoch häufiger. „Im Durschnitt gibt es pro Sau 1,5 totgeborene Ferkel“, sagt Boves.

Ein gesundes Ferkel wiegt etwa 1,4 Kilogramm. Es wird etwa 28 Tage gesäugt, es heißt dann Saugferkel. Danach Absatzferkel und ab 30 Kilogramm ist es ein Mastschwein. Zurück zu den Saugferkeln. Diese werden bereits mit farbigen Ohrmarken versehen, für das Geschlecht und die weitere Verwendung. Bei den männlichen Tieren gibt es nur eine Richtung: Mast und Schlachthof. Davor müssen sie aber noch die Kastration überstehen. Bei Boves werden die Tiere dazu betäubt. „Sie quieken eigentlich nur beim Hochheben.“ Er ist unglücklich darüber, dass es noch keine andere Lösung gibt. Er favorisiert Improvac (Kasten). „Leider hat man sich dazu noch nicht durchringen können.“

Bei den Dauen Tieren wird zunächst auf den Bauch geschaut. „Wir schauen uns die Lage der Zitzen an. Ideal sind in beiden Milchleisten zusammen 14 bis 17. Und wenn acht von ihnen vor dem Nabel liegen, ist das gut“, sagt Boves. „Diese werden direkt mit frischem Blut von der Lunge versorgt, während sich bei den anderen das Blut wieder auf dem Rückweg zur Lunge befindet.“ Und dann gibt es noch Zitzen, die ungünstig für die Ferkel liegen, oder so, dass die Sau drauftreten kann. Oder sie sind zu kurz oder zu lang, in beiden Fällen haben die jungen Tiere Probleme mit dem Saugen. Bei den weiblichen Ferkeln selbst werden die Zitzen mit einem Kleber überzogen, der wie ein Schutzpflaster wirkt.

In der Regel hat eine Muttersau 2,4 Würfe im Jahr. Boves hat sieben Gruppen mit 30 Sauen. Aus ihnen werden zwei für die weitere Zucht herausgesucht. Der Rest ist für die Mast bestimmt. Die beiden „Auserwählten“ sind dann aber noch nicht aus dem Schneider. Denn sie müssen beweisen, dass sie wirklich für die Zucht geeignet sind. Das geht erst nach dem ersten Wurf, siehe Ferkelzahl, Totgeburten und Mütterlichkeit. „Das heißt, wie gut die Milchleistung ist“, erklärt Boves. Wer beim ersten, und auch weiteren, Würfen nicht den Anforderungen entspricht, landet im Schlachthof. „Gemessen werden aber bei den Tieren auch Fleischanteil und intramuskuläres Fett, das marmoriertes Fleisch gibt. Da bleiben nach all den Auswahlkriterien nicht mehr viele Sauen für die Zucht“, so Boves.

Von den 36 Tieren, die wöchentlich vom Schlachter abgeholt werden, sind Tiere unterschiedlicher Fleischqualität. Die mit der besten Qualität gehen zum Schlachten nach Kaldenkirchen „Dort haben die Tiere nach dem Transport noch sechs Stunden Zeit, wieder runter zu kommen. Das wirkt sich auf die Qualität aus. Sonst kann das Fleisch beispielsweise später in der Pfanne Wasser verlieren und schrumpfen“, so Boves. Das Fleisch dieser Tiere geht anschließend an ausgewählte Metzger, wie zu Etteldorf in Hüls. Die anderen Tiere landen in einer „normalen Schlachterei“ in Pond. Wohin dann das Fleisch geht, das weiß Boves nicht.

Von einem Versuch, den Boves vor drei Jahren gestartet hat, musste er sich verabschieden: der Strohhaltung. „Um den Kundenwünschen nach zu kommen, hatten wir einen Strohstall aufgebaut. Das war ein Desaster“, sagt Boves. Zum einen seien die Tiere häufig krank geworden und zum anderen hätte es Beschwerden von Nachbarn wegen Fliegen und Gestank gegeben. „Strohhaltung erzeugt nun mal Mist“, sagt Boves. Doch seitdem die Tiere wieder „auf Spalte“ stünden, erholten sie sich zunehmend. Doch er gibt nicht auf und ist bereits mit der Verwirklichung eines neuen Versuchs mit einer Haltung auf Teilspalte mit Einstreu und Außenhaltung beschäftigt.

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