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Grefrath: Spurensuche mit Exponaten und Fotos

Grefrath : Spurensuche mit Exponaten und Fotos

In einer Schau zeigt der Heimatverein mit viel Liebe und Akribie die eigene Historie und die des Ortes.

Oedt. Geschichtliche Spuren zu entdecken macht besonders Menschen Freude, die einen Bezug zur Heimat haben. Spuren zu suchen nach Kindheit, Schule, Beruf ist nicht nur spannend, sondern oftmals auch nachvollziehbar. Neue Sichtweisen werden vermittelt, neue Perspektiven tun sich auf. Die Heimat erscheint ab und an in einem anderen Licht. Unter dem Motto „Spurensuche. Mut zur Verantwortung“ bewies der Oedter Heimatverein, was er auf die Beine stellen kann. Anlässlich seines 70. Geburtstages und des Internationalen Museumstages zeigt er am Sonntag eine Sonderausstellung im Sitzungssaal des Rathauses, öffnete Museum, Burg Uda und führte durch die Räume der ehemaligen Firma Girmes (Bericht folgt).

Mehr als 400 Besucher ließen sich diese Angebote nicht entgehen. Und entdeckten Neues, Altes aber auch Überraschendes. Der Oedter Heimatverein mit Karl A. Willmen an der Spitze hatte bei seiner Sonderausstellung ein gutes Händchen bewiesen — die Heimat konnte neu entdeckt werden. Mehr als 800 Exponate — zumeist Fotos — waren zu sehen. Wie das der Mülhausener Pfarrkirche St. Heinrich aus dem Winter 1949. Da hatte die Kirche noch nicht den neuen Kirchturm. Skurril der Wimpel von den „Jungfrauen aus Mülhausen“, der Mülhausener Junggesellenbruderschaft im Jahr 1949 gewidmet. Ein Foto zeigt den Speicher des inzwischen verkauften Pfarrhauses von St. Vitus und ein anderes den alten Kreuzweg der bis 1980 in dieser Kirche zu finden war, oder die „Projektzeichnung der Vituskirche“, weit mehr als 100 Jahre alt. Fast majestätisch das Foto des Kirchenvorstandes von St. Vitus aus dem Jahre 1910. Ebenso wurde das Manual der alten Orgel gezeigt sowie Bilder der beeindruckenden Brauchtumsfenster aus St.Vitus.

Nostalgische Gefühle ruft das Protokollbuch der Gesellschaft aus dem Jahre 1902 hervor. Auf einer Postkarte aus dem Jahre 1900 kann der Betrachter ein Bild des Hotel Mertens in Mülhausen an der Ecke Haupt- und Grefrather Straße entdecken.

Heinz Fenten hatte für die Ausstellung eine Schusternähmaschine mit Kugelleuchte zu Verfügung gestellt. Noch bestens erhalten ist die Standarte des Radfahrvereins Oedt aus dem Jahre 1922. Der 200. Geburtstag von W.A. Mozart bescherte Oedt am 15. Januar 1956 ein festliches Konzert im Saal Streit.

Die vielfältige Arbeit in der Abtei Mariendonk wird im Rahmen der Ausstellung unter anderem durch einen Hinweis auf das „Lungenstärkungsmittel Pulmonal“ dokumentiert. Bis heute wird das Mittel dort hergestellt. Es gab sogar Besucher, die erfuhren erst im Rahmen der Ausstellung, dass die Abtei Mariendonk immer schon zu Mülhausen gehört hat und nicht zu Kempen.

Zahlreiche Plakate erinnern an die Vielfalt der Veranstaltungen in Oedt. So gab es sogar einmal ein „Närrisches Sechstagerennen“. Kahnfahren mit Zylinder auf der alten Niers — ihr Bett wurde einst verlegt — war eine Selbstverständlichkeit.

Das Mitgliederverzeichnis der Fabrik-Krankenkasse der Firma Mertes und Söhne ist ein Stück Oedter Industriegeschichte. Wie beschwerlich früher die Bestellung der Felder rund um den Ort war, zeigen Bilder, auf denen ein Bauer mit Pferd und Pflug zu sehen ist. Ein altes Pferdegeschirr, ein Butterfass, die Uniformen der Feuerwehr oder das Protokollbuch des vierten Halbzuges Girmes der Freiwilligen Feuerwehr Oedt lassen die Besucher in Erinnerungen schwelgen. Da kann man den Ausspruch von Besucher Peter Meyer aus Viersen sehr schnell nachvollziehen: „Besser kann man Heimat, Heimatgeschichte und Industriegeschichte nicht präsentieren.“

Wer erinnert sich noch an die sogenannte Krammetsvogelkirmes in Mülhausen, an den Schluff in Oedt, beziehungsweise die Bundesbahn, oder an die Reichsbahn in Mülhausen? Die Ausstellung des Heimatvereins ließen sie wieder präsent werden.

Karl A. Willmen lobte die akribische Arbeit der Vereinsarchivare und die gute Zusammenarbeit mit Regionaldekan Johannes Quadlfieg. Publikationen vom Heimatverein, aber auch ein Button, der für den Erhalt der alten Girmes-Werksuhr verkauft wurde, gehörten zum Angebot.