Sprechen über Tod, Trauer und Trost

Morgen ist Welthospiztag — ein guter Anlass, um auf das Thema aufmerksam zu machen. In der Region ist die Hospizinitiative aktiv. Die Helfer sind auch in Schulen unterwegs.

Kreis Viersen/Kempen. „Tod und Sterben sind ein Tabuthema ins unserer Gesellschaft“, resümiert Gerda Kretschmann, Koordinatorin der Hospizinitiative Kreis Viersen mit Blick auf den morgigen Welthospiztag. Die Mehrheit der Leute wende sich ab, wenn sie einen Stand zu den Themen Tod oder Hospiz sehe. „Bei uns ist es noch nicht soweit“ — diese Bemerkung hörte Kretschmann vor einiger Zeit von Passanten auf dem Kempener Buttermarkt.

Dabei werde Sterbebegleitung immer wichtiger, da viele Menschen heutzutage allein seien. Im Kreis der Familie würden nur noch wenige Menschen sterben, so beschreibt die Koordinatorin die Entwicklung. Umso bedeutender ist die Arbeit von ehrenamtlichen Vereinen wie der Hospizinitiative aus Viersen — denn die Wartelisten in Hospizen und auf Palliativstationen sind lang. Diese Wartezeit überbrücken die Helfer der Initiative beim Patienten zuhause, im Krankenhaus oder Altenheim. Wird ein Platz in einer entsprechenden Einrichtung frei, hilft der Verein bei organisatorischen Anliegen.

Neben der Sterbebegleitung gehört auch die Betreuung der Angehörigen zu den Aufgaben. „Einfach da sein. Für Entlastung sorgen. Den Angehörigen Zeit verschaffen, etwas anderes zu tun“, so beschreibt die ehemalige Krankenschwester Irmgard Klewitz ihre derzeitige ehrenamtliche Arbeit. Dazu gehören auch Unternehmungen mit den Kindern oder Hausaufgabenbetreuung. Ein Pflege- oder Hauswirtschaftsdienst ist der Viersener Verein aber nicht.

Im November findet zum vierten Mal die Projektwoche „Hospiz macht Schule“ an Grundschulen im Kreisgebiet statt. Die Aktion richtet sich an Kinder der dritten und vierten Klassen, die vom jeweiligen Klassenlehrer, einem Palliativmediziner und speziell geschulten Mitarbeitern der Hospizinitiative begleitet werden. Jeder Tag der Woche steht unter einem anderen Thema: Werden und Vergehen, Krankheit und Leid, Sterben und Tod, traurig sein und trösten.

Eine Gruppenaufgabe besteht darin, dass jeder Teilnehmer ein Taschentuch bekommt und die Frage beantworten soll, wann er oder sie das letzte Mal geweint hat. Das führe zu herzergreifenden Situationen mit den Kindern und Fragen würden aufkommen. Etwa diese: „Tut sterben weh?“ So erzählt es Gerda Kretschmann. Die Erfahrung zeige, dass Kinder nach der Projektwoche sorgsamer miteinander umgehen würden.

In der Kempener Regenbogenschule sind die Helfer der Initiative demnächst in den dritten Klassen unterwegs. Für interessierte Eltern findet dazu am 11. Oktober ein Informationsabend statt.

Im Hospizseminar können sich Interessierte ausbilden lassen: Nach einem kurzen Praktikum in einem Hospiz, auf einer Palliativstation oder in einem Altenheim und nach 120 Unterrichtsstunden sind sie qualifizierter Ehrenamtler, was per Zertifikat bestätigt wird. Darüber hinaus bietet der Verein ständig Fortbildungsmöglichkeiten an. Projekte wie diese werden vom Staat nicht gefördert, daher ist der Verein auf Spenden angewiesen. Unterstützung gibt es auch von der Stadt Kempen: Sozialdezernent Michael Klee bestätigte im gemeinsamen Gespräch, dass die Stadt die Hälfte der Kosten für die Projektwoche an der Regenbogenschule übernehmen werde.

Am 19. November, 11 bis 17 Uhr, sind Vertreter der Initiative beim „Markt der Möglichkeiten“ im Kempener Rathaus dabei. Jutta Berger, mittlerweile qualifizierte ehrenamtliche Mitarbeiterin, macht seit dem letzten „Markt“ mit: „Man gibt nicht nur viel, sondern bekommt auch eine Menge zurück.“