Sporthotel hat keine Zukunft

Der Inhaber denkt über einen Abriss und eine anschließende Wohnbebauung nach.

Kempen. 20190 — das war über Jahrzehnte die Telefonnummer des Kempener Sporthotels. Wenn man diese Nummer wählte, meldete sich meist Pächter Hans-Peter Friedrich. Und das ist immer noch so, obwohl Friedrichs Pacht beendet ist und er das Haus Ende Dezember an den Inhaber Murat Altinok übergeben hat. Es laufe noch eine Rufumleitung auf seinen Privatanschluss, berichtet Friedrich — falls er sich noch um etwas kümmern müsse. Denn der Betrieb des Hotels ist eingestellt. Das Inventar ist Friedrich bei einem Ausverkauf vor Weihnachten — „schweren Herzens“ — weitgehend losgeworden. Auch die Internetseite des Hotels kann man nicht mehr aufrufen. „Da passiert meines Wissens im Moment nichts“, so Friedrich.

Da stellt sich — mal wieder — die Frage nach der Zukunft des Sporthotels. Wie aus Branchenkreisen zu erfahren ist, hat der Betrieb keine Zukunft mehr. So erwähnte beispielsweise Martina Baumgärtner, Geschäftsführerin der Niederrhein Tourismus GmbH, bei einem Vortrag im Grefrather Hauptausschuss, dass sie nicht mit einem Weiterbetrieb des Kempener Sporthotels rechne.

Während Immobilieninhaber Altinok öffentlich nicht über das Thema spricht und schon seit Monaten nicht auf Anfragen der Redaktion reagiert, wird in Kempen umso mehr über das Thema gesprochen. Mehrere Quellen bestätigten der WZ, dass der Inhaber im Hotelbetrieb keine Zukunft sieht. Vielmehr habe er bereits Kontakt zur Stadt Kempen und auch zu einem Architekten aufgenommen. Mit dem Ziel, die bestehenden Gebäude abzureißen und eine Wohnbebauung auf dem Areal neben Sportplatz und Schwimmbad anzustreben.

„Den Kontakt zum Investor kann ich bestätigen“, sagt Kempens Technischer Beigeordneter Stephan Kahl auf Anfrage. Bei einer möglichen Wohnbebauung sei die Verwaltung aus städtebaulicher Sicht gefragt. Denn: Derzeit ist das Areal im Flächennutzungsplan als Bereich zur „sportlichen, sozialen und kulturellen“ Nutzung ausgewiesen. Eine Wohnbebauung darf also im Moment gar nicht realisiert werden.

Nun könnten die Altinok-Pläne aber auch zu den Ideen der Stadt für ein neues Wohngebiet unter dem Titel „Kempener Westen“ passen. „Im Zuge der Überplanung des Bereiches wollen wir ohnehin eine Änderung des Flächennutzungsplans auf den Weg bringen“, sagt Kahl. Und in diese Fläche — hinter Hotel, Sportplatz und Schwimmbad sowie zwischen Ziegelheider und Mülhauser Straße — will die Stadt dann auch das Sporthotelgrundstück einbeziehen. Das Hotel-Areal sei für eine Änderung des Flächennutzungsplans vorgesehen, so Kahl: „Wir wollen das Verfahren zur Änderung noch in diesem Jahr einleiten.“ Mit Blick auf das Projekt „Kempener Westen“ sollen 2020 die Vorbereitungen abgeschlossen sein.

Zurück in die Gegenwart: Dass auf dem Areal am Schmeddersweg derzeit gar nichts los ist, ist im Übrigen nicht der Fall. Die Tennishalle wird weiterhin von den Mitgliedern der beiden Kempener Vereine genutzt. Wie berichtet, haben die Tennisclubs Rot-Weiss und Casino eine gemeinsame Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) gegründet. Als solche sind sie seit 31. Oktober Mieter der Halle. Der Mietvertrag läuft bis zum 31. März. Wie es danach weitergeht, ist noch offen. Nach Angaben von Rot-Weiss Kempen laufen aber Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung.

Von einem Abriss des Gebäudekomplexes war im Herbst noch keine Rede. Sichtbar war das daran, dass Murat Altinok die Fassaden der Wohnungen im hinteren Teil des Gebäudes Ende September sanieren ließ. Zudem erwähnte er gegenüber Nutzern des Geländes, dass Investitionen geplant seien, um den Hotelbetrieb für die Zukunft auszurichten. Parallel zu diesen Aussagen holte der Betreiber eines chinesischen Restaurants sein Inventar ab, das im Sommer wochenlang in der Tennishalle gelagert war. Der Plan des Eigentümers, ein chinesisches Restaurant in der Immobilie anzusiedeln, hatte sich da offenbar endgültig zerschlagen.