„Sorgen bei der Altenhilfe sind nicht weg“

„Sorgen bei der Altenhilfe sind nicht weg“

Die frühere Ratsfrau Mathilde Bildstein kritisierte die Stadt bei der Versammlung der Kempener Senioren-Initiative.

Kempen. Wohl selten hat es ein so interessantes und der Sache sicherlich dienendes Wortgefecht bei einer Jahreshauptversammlung der Senioren-Initiative (SI) gegeben, wie am Mittwoch vor rund 150 Mitgliedern im Kolpinghaus. Vize-Bürgermeister Otto Birkmann und Ex-Ratsfrau Mathilde Bildstein, die am Mittwochnachmittag als Kassenprüferin fungierte, gerieten sachlich, aber bestimmt aneinander.

Birkmann äußerte sich als Vertreter der Stadt bei seinen Begrüßungsworten besorgt über die sinkenden Mitgliederzahlen. 2010 waren es noch über 2600, jetzt knapp 2200. Er wies weiter darauf hin, dass die Stadt Kempen ab 2018 wieder die Kosten für die Begegnungsstätte „Haus Wiesengrund“ übernehmen wird, was in der Form in den vergangenen Jahren nicht mehr der Fall war. Es hatte viele Jahre stets eine Kürzung durch die Stadt gegeben, worauf auch der wiedergewählte 1. Vorsitzende Jörgen Helfenritter verwies. Und so gab es stets hohe Defizite in der Jahresbilanz und die einst stattlichen Rücklagen sanken auf jetzt rund 74 000 Euro. Denn das Defizit 2017 erreichte rund 40 000 Euro.

Foto: Karin Schenk

Otto Birkmann verwies bei einer weiteren Stellungnahme im Laufe der Versammlung drauf, dass die Stadt habe handeln müssen bei „50 und mehr Millionen Euro Schulden“. Hingegen habe die Altenhilfe früher über gute Rücklagen verfügt.

Den meisten Beifall bekam jedoch Mathilde Bildstein. „Die Sorgen sind nicht weg bei der Altenhilfe“, meinte die frühere Stadtverordnete. „Die Stadt kann sich nicht nur um Sport, Kultur und andere Dinge kümmern, sie muss sich auch um die alten Menschen kümmern.“ Nicht die Vorstandsarbeit des Vereins war das Ziel der 15-minütigen Kritik von Mathilde Bildstein, sondern das Verhalten der Stadt Kempen.

Zwar wies Otto Birkmann noch einmal daraufhin, dass Mathilde Bildstein früher auch dem Rat angehört habe, doch das beeindruckte sie wenig in ihrer kritischen Haltung. Mehrfach wurde ihr Redebeitrag von Beifall unterbrochen. Otto Birkmann wies auf eine Vielzahl von geführten Gesprächen hin, die jetzt „zum guten Ende“ geführt hätten.

Fakt ist, dass fast alle Leistungen der Altenhilfe rückläufig waren. Im Begegnungszentrum zählte man 2013 noch 32 400 Besucher, 2017 waren es 26 400. Die Zahl der Fahrgäste lag 2010 bei 16 500 und 2017 bei 11 900. Der ambulante Dienst hatte 2010 3134 Einsätze und im vergangenen Jahr 1183.

Breit gefächert ist das Angebot in den Gruppen der 1975 gegründeten Altenhilfe weiterhin. Von Bingo über Fremdsprachen, Handarbeit, Kunst und Kultur, Gymnastik und PC Schulungen bis zu Musik, Reisen und Schach sowie Theater und Tanz reicht das Angebot. 130 Ehrenamtler sind im Einsatz.

Mathilde Bildstein bescheinigte Finanzwart Thomas Blazek ausgezeichnete Arbeit. Anita und Werner Pooten wurden für ihre langjährige Tätigkeit als Reiseleiter geehrt. Ortwin Rührmann wurde als neuer Finanzwart gewählt und Udo Steinhauer zum zweiten stellvertretenden Vorsitzenden. Ab 2019 beträgt der Beitrag 30 Euro. Die Versammlung beschloss diese Erhöhung. Der Vorstand mit dem wiedergewählten Jörgen Helfenritter und der 1. stellvertretenden Vorsitzenden Irene Wistuba (FDP-Fraktionschefin) rechnet für die Zukunft wieder mit einer ausgeglichenen Bilanz.

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